25. Juli 2012 09:37; Akt.: 25.07.2012 09:37

Großes Ballett-Galaspiel von Manuel Legris beim ImPulsTanz

Emotionen und Leidenschaft in der Bewegung: Manuel Legris' Gala beim ImPulsTanz. Emotionen und Leidenschaft in der Bewegung: Manuel Legris' Gala beim ImPulsTanz. - © dapd
Manuel Legris, Direktor des Wiener Staatsballetts, geizte bei seiner Gala des zeitgenössischen Balletts unter dem Titel “Il faut qu’une porte…” am Dienstag im Burgtheater weder mit großen Emotionen noch mit großen Namen.

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Tanzstars wie Aurelie Dupont und Patrick de Bana waren seiner Einladung nach Wien gefolgt und stellten bei der Premiere im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals nachhaltig beeindruckend die Vielfalt ihrer Kunst zur Schau.

Legris und seiner einstigen Kollegin und französischen Etoile-Tänzerin Dupont gebühren in der von ihm zusammengestellten Gala sowohl der titelgebende Anfang, das von Jiri Kylian für das Ballett der Pariser Oper geschaffene Duett “Il faut qu’une porte…”, als auch der Schlussakt, ein Tanz aus dem preisgekrönten Stück “Le Parc” des renommierten Choreografen Angelin Preljocaj.

Leidenschaft auf Zehenspitzen am ImPulsTanz

Verschmelzen die Körper des leidenschaftlichen Paares zum Auftakt in der Szenerie eines Schlafzimmers in fließenden Bewegungen, muss Dupont in “Le Parc” zu Mozart um die Gunst ihres Partners kämpfen.

Erst ein imposanter Kuss, der sich auch trotz wilder Umdrehungen des Zögernden nicht lösen will, besiegelt die Zweisamkeit.Gefestigter scheint die Liebesbeziehung in den beiden Performances der Italienerin Silvia Azzoni und des Ukrainers Alexandre Riabko, die als Ehepaar abseits der Bühne das am besten eingespielte Duo des Abends abgeben.

Beweisen die Stars des Hamburg Balletts erst in einem klassischen Pas de deux aus “Dritte Symphonie von Gustav Mahler” ihres Chefs John Neumeier beachtliche Körperspannung und perfekte Synchronisation, trauen sie sich später gekonnt an das von expressiver Mimik, fließenden Bewegungen und kindlichem Charme geprägten Duett “Not without my head” der jungen Choreografin Natalia Horecna heran.

Mit gleich drei Choreografien vertreten ist Patrick de Bana, einst selbst Schüler von John Neumeier in Hamburg; wobei er in zwei davon selbst als Tänzer glänzt. Wie ein Stierkämpfer erhebt er sich in “Factum”, einer publikumswirksam feurigen Flamenco und elegantes Ballett vermischenden Performance, gegenüber seiner Angebeteten Helena Martin auf die Zehenspitzen, ehe er in seiner Solo-Performance “Silent Cry” in gedämpftem Scheinwerferlicht anmutig den männlichen Körper zu zelebrieren scheint. Nicht ihren Körper, sondern ein großes Tuch stellt Helena Martin in ihrer eigenen Choreografie “Halo” ins Zentrum, lässt dieses über ihren Kopf kreisen und markiert mit redundanten Bewegungsabläufen den einzigen Schwachpunkt des Abends.

Tamako Akiyama und Dimo Kirilov Milev brillierten

Durchwegs zu überzeugen weiß schließlich die in der Ballettcompagnie Madrid beheimatete Japanerin Tamako Akiyama mit dem Bulgaren Dimo Kirilov Milev. In de Banas “Creatures” bringen die beiden zu aufwühlenden, mit Elementen traditioneller türkischer Musik gespickten Klängen einen von energischen Bewegungen, Sprüngen und Drehungen geprägten Balztanz auf die Bühne, nach dem Akiyamas Gliedmaße in den Armen ihres Partners schließlich zu erstarren scheinen. In Nacho Duatos “Arcangelo” sind sie bereits eine Einheit, machen kaum eine Bewegung ohne Körperkontakt und verschmelzen, nur von einem schmalen schwarzen Vorhang getrennt, miteinander: Der visuelle Höhepunkt des wohl erotischsten und intensivsten Stücks des Abends.

Ob theatralische Hilfsmittel oder bestechende Reduktion: Die acht “nicht mehr blutjungen, aber überaus erfolgreichen” (Legris), auf so unterschiedliche Weise herausstechenden Tanzstars führten beeindruckend durch einen vielfältigen, perfekt komponierten Abend, der sowohl ImPulsTanz-Publikum als auch Ballett-Freunde glückselig zurück ließ. Begeisterter Applaus und Bravo-Rufe folgten verdient auf jeden einzelnen Programmpunkt und galten zuletzt vor allem Gastgeber Manuel Legris.

Der kann sich nun wieder der Klassik widmen: Am 7. Oktober steht die Premiere von “Der Nussknacker” in der Staatsoper an.

(APA)



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