Ghost In The Shell – Trailer und Kritik zum Film

Ghost In The Shell – Trailer und Kritik zum Film
Die Zukunft erscheint als Hologramm: In “Ghost In The Shell” wimmelt es nur so von digitalen Abbildern. Doch nicht nur die flimmernden Werbeflächen in Städten, auch deren Bewohner sind selten das, wonach sie aussehen. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen. Nun macht sich Scarlett Johansson in der Adaption des gleichnamigen Manga-Klassikers auf Identitätssuche.

Die Erwartungen an den neuen Kinofilm sind dabei nicht gering, gilt die Vorlage doch als einer der bedeutendsten Manga seines Zuschnitts und hat, egal ob in Heftform oder als Zeichentrickfilm bzw. -serie, viele nachfolgende Projekte beeinflusst. Regisseur Rupert Sanders (“Snow White And The Huntsman”) hält sich dementsprechend in vielen Einstellungen sehr genau an den Originalfilm von 1995, wagt mit seinem Team aber auch Schritte in neue Richtungen.

Ghost in the Shell – Die Handlung

Allen voran ist da der optische Grundton zu nennen: Die Stadt von morgen hat hier reichlich Retrocharme zu versprühen und erinnert, natürlich mit schnittigen Animationen und allerlei Kinkerlitzchen versehen, eher an ein Update von Ridley Scotts “Blade Runner” (1982) als “nur” an eine digitale Aufbereitung der Comics. Das mag zwar manchmal eine Spur gestrig wirken, wurde dafür aber konsequent durchkomponiert und weiß bedeutend mehr Charme zu versprühen als so manch anderer, eher steril gehaltener Sci-Fi-Traum aus Hollywood.

Wo es hier also zischt und blinkt, dass es nur so eine Freude ist, hat man sich die nüchterne Ausrichtung des Originals stattdessen für den philosophischen Unterbau zu Herzen genommen: Was macht den Mensch zum Mensch? Es ist diese Frage, die schon immer im Zentrum von “Ghost In The Shell” stand und die nun auch von den Drehbuchautoren Jamie Moss, William Wheeler und Ehren Kruger bedient wird. Dabei lehnen sie sich bei unterschiedlichsten Ausprägungen der “Ghost”-Story an, übernehmen einzelne Abschnitte teils eins zu eins, während anderswo freier mit dem Manga-Universum hantiert wird.

Auch Johanssons Figur wird davon angetrieben: Als Major ist sie die effektivste Waffe einer Spezialeinheit, die sich vorwiegend mit Verbrechen im Cyborg-Mensch-Milieu und mit Hacks befasst. Ihr eigener Körper ist zudem komplett künstlich, wurde sie doch bei einem Terrorangriff schwer verletzt und ihr Gehirn – ihr “Ghost” – in die neue Hülle gesetzt. Als Kollegen stehen ihr der bullige, aber gutmütige Batou (erschreckend gut an der Vorlage orientiert: Pilou Asbaek) sowie der seine Menschlichkeit hervorkehrende Togusa (Chin Han) zur Seite.

Als ein neuer Feind hochrangige Wissenschafter des Hanka Roboterkonzerns zu eliminieren beginnt, wird Major mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Immer wieder blitzen in ihrem Gesichtsfeld Erinnerungsfetzen auf oder hört sie Geräusche, die nicht da sind. Beruhigend wirkt die ihr freundlich gesinnte Ärztin Ouelet (Juliette Binoche) auf sie ein, doch je tiefer das Team in den Untergrund abtaucht, um den Kuze (Michael Pitt) genannten Verbrecher zu entlarven, desto stärker beschleicht Major das Gefühl, nicht die ganze Wahrheit über ihr Schicksal zu kennen.

Ghost In The Shell – Die Kritik

Darstellerisch sind Johansson und ihre Kollegen leider nur selten wirklich gefordert, sind es doch gerade die digital erstellten Actionsequenzen, die hier vollends zu überzeugen wissen. Und trotzdem schafft es die 32-Jährige, ihrer mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestatteten Figur eine Verletzlichkeit zu verleihen, die nachvollziehbar und glaubhaft wirkt. Die im Vorfeld geäußerte Kritik an ihrer Besetzung für eine asiatische Rolle scheint letztlich insofern ins Leere zu gehen, als sie eben die Überwindung des menschlichen Körpers darstellt – mit all ihren positiven wie negativen Konsequenzen. Die Reduzierung auf das Erscheinungsbild greift da, auch was die Handlung betrifft, zu kurz.

Letztendlich ist “Ghost In The Shell” eine durchaus geglückte Hommage sowie Übersetzung des Mangas in die Jetztzeit – ohne die Grundkonstanten der Geschichte zu sehr beugen zu müssen. Die Cyberpunk-Ästhetik, die schon für die “Matrix”-Filme von großem Einfluss war, wird in ansprechender Weise verknüpft mit klassischen Fragen der Sci-Fi-Literatur: Wo besteht die Grenze zwischen Mensch und Maschine, zwischen Seele und künstlicher Intelligenz? Können Roboter lernen zu fühlen und ein eigenes Bewusstsein entwickeln? Die Antworten darauf bleiben zwar, wie üblich, aus. Aber die Suche danach macht verdammt viel Spaß.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Ghost In The Shell”

(APA)

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