Georg Breinschmid im Interview: “Die Musik muss im Herzen ankommen”

Von Amina Beganovic
Georg Breinschmid im Gespräch.
Georg Breinschmid im Gespräch. - © Julia Weseley
Mit seinem aktuellen Album “Double-Brein” gastierte Kontrabassist und Komponist Georg Breinschmid unlängst im Konzerthaus – und sorgte dort für verdient lauten Applaus. VIENNA.AT sprach mit ihm über die Bedeutung von Schmäh in der Musik, seine Liebe zum Wienerlied und seinen “Heimathafen”.

Auf dem neuen Album hört man ihn mal im Duo, mal im Trio oder Quartett, sein Kontrabass gibt markant den Rhythmus vor – und bei seinen Texten muss man mal nachdenken, mal herzhaft loslachen. Vollblutmusiker und Wahlwiener Georg Breinschmid im Gespräch:

Dein neues Werk hört auf den klingenden Titel „Double-Brein“ – warum gleich doppelt so viel Brein auf einmal?

Es war einfach soviel da. Als ich das Album konzipiert habe, bekam alles irgendwie eine Eigendynamik, eine kreative Maschinerie. Und in diesem Prozess entstanden immer wieder neue Ideen. Seit Ende 2013 habe ich wieder in meine “klassische” Vergangenheit hineingeschnuppert, die ich ein wenig vernachlässigt hatte. Ich komme ursprünglich aus der Klassik, fühle mich aber im Jazz zuhause. Ich wollte mir meine musikalische Vergangenheit wieder mehr ins Bewusstsein rufen. Dabei entstand der große Mix: Jazz, Impro, Wienerlied, Folk, neue Arrangements berühmter klassischer Stücke, …

Das Album zeigt wirlich eine große Bandbreite – gibt es bei Georg Breinschmid keinen roten Faden?

Der rote Faden bin wohl ich! (lacht) Ich bin die Summe der Einzelteile, und für mich selbst ist alles die Musik. Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Arten von Musik: Die, die einen berührt, oder die, die einen kalt lässt. Ob die Werke nun ein Label oder ein Etikett haben, ist zweitrangig: Die Musik muss im Herzen des Hörers ankommen, nur darum geht’s.

Du beschäftigst dich in deiner Musik oft mit Wiener Tradition. Ist das Wienerlied am Aussterben?

Im Gegenteil, es ist lebendiger denn je! Das Wienerlied hat über die letzten fünfzehn Jahre etwa eine unglaubliche neue Entwicklung gemacht, man könnte von einem “neuen Wienerlied” sprechen. Es gibt so viele kreative Leute, die damit arbeiten, zum Beispiel 5/8erl in Ehr’n – ich finde das fantastisch. Das Wienerlied ist ein Teil von mir, der immer wieder hervorpoppt. Sei es durch die Melodien, durch die Sprache, … ich liebe das Wienerlied!

Deine Stücke bringen nicht selten zum Lachen – wie wichtig ist Humor in der Musik?

Sehr wichtig, ich würde fast sagen überlebenswichtig! Humor ist ein wichtiger Helfer, um mit dem alltäglichen Leben fertig zu werden und ist heutzutage relevanter denn je. Natürlich gibt es auch die Gefahr für mich, den “Lustig-Stempel” aufgedrückt zu bekommen, obwohl ich auch sehr viele ernsthafte Stücke schreibe. Aber der Schmäh ist und bleibt ein unabdingbares Element für mich.

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Das Lied “Danke” auf deinem neuen Album finde ich persönlich sehr amüsant – wem sollten wir denn mehr Dankbarkeit zeigen?

Ich hatte dieses Lied schon lange im Kopf gehabt und dabei an Menschen gedacht, die mich geprägt haben. Das Lied hat natürlich auch eine sehr ironische Note, zum Beispiel, wenn ich über H.C. Strache singe. Das Ganze soll eine Art Innehalten und Reflektieren sein, man soll darüber nachdenken, wer die Menschen waren, die einen bislang begleitet haben. Für mich persönlich war es ebenso eine Zwischenbilanz – mit Ernst und etwas Geblödel.

Hast du Tipps für junge Musiker/Komponisten?

Es gibt keinen ultimativen Tipp. Meiner Erfahrung nach muss man sowohl in der Musik als auch im sonstigen Leben den Weg des Herzens gehen – auch wenn das vielleicht etwas banal klingt. Ich mache die Musik, die ich machen möchte, und das habe ich mir über Jahre erkämpft. Natürlich macht das jeder Mensch unter anderen Umständen, ich selbst finde es aber wichtig, dass mir keine Plattenfirma beim Komponieren dreinredet. Man sollte die Musik machen, die sich das Herz vorgestellt hat.

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Du bist gebürtiger Niederösterreicher, aber Wahlwiener. Was bedeutet Wien für dich?

Ich möchte ja nirgends ganz dazugehören: Ich bin in der Jazz-Szene unterwegs, kenne die Klassik-Szene, … diese musikalische “Heimatlosigkeit” führt dazu, dass man gleichzeitg überall zuhause ist. Wien ist und bleibt aber doch der Heimathafen für mich, hier kann ich auch mal zur Ruhe kommen. Und es gibt so viele Plätze, die eine wahre Magie ausstrahlen! Ich lebe seit sieben Jahren in Hernals, finde aber zum Beispiel Wien-Leopoldstadt vom Flair total magisch. Wenn es irgendeine Heimat für mich gibt, sind es wohl Wien und das Burgenland. Damit bin ich sowohl musikalisch als auch emotional verbunden.

Bilder: Julia Weseley/Interview: (ABE)

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