Förderstopp für Wiener Omadienst sorgt für massive Kritik

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Für eine weitere Förderung des Omadienstes werden Stimmen laut
Für eine weitere Förderung des Omadienstes werden Stimmen laut - © Angelina S........ / pixelio.de (Sujet)
Die MA10 förderte seit Jahren den Omadienst des Katholischen Familienverbandes Wien – doch damit ist es jetzt vorbei. Dies beanstandet der KFVW in einer Aussendung massiv – und erhält dabei Unterstützung von FPÖ und Co.

Die Stadt Wien lässt den “Omadienst” im Stich. Das befürchtet jedenfalls der Katholische Familienverband der Erzdiözese Wien, der die Leih-Großmütter vermittelt. Die jährliche Förderung von 20.000 Euro sei für das kommende Jahr nicht mehr zuerkannt worden, beklagte eine Sprecherin am Montag. Hoffnung gibt es jedoch: Laut Stadt sind noch Gespräche geplant.

Wiener “Omadienst” fürchtet um Subvention

Der Familienverband zeigte sich vom Förder-Aus überrascht – noch dazu, da man seit 2011 keine Erhöhung mehr beantragt habe. Rund 300 Omas stehen zur Vermittlung bereit. Der 1973 gegründete Dienst schließe Lücken in der Kinderbetreuung, die weder eine Tagesmutter noch ein Kindergarten oder Hort fülle, wird betont.

Die Großmütter arbeiten auf eigene Rechnung, der Verband lukriert einen Vermittlungsbeitrag. Ansonsten, so hieß es, finanziere man sich durch Spenden oder Mitgliedsbeiträge. Die 20.000 Euro würden jedenfalls fehlen, beteuerte die Sprecherin. Es gebe zwar Reserven, im schlimmsten Fall müsse man im kommenden Jahr aber die Tätigkeit einstellen.

Im Büro der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) wurde auf APA-Anfrage bestätigt, dass dem Verband – im Rahmen einer Neubewertung von Förderungen an Kinderbetreuungseinrichtungen – für das kommende Jahr vorerst eine Absage erteilt worden sei. Es werde aber nun noch Gespräche geben, wurde im Rathaus angekündigt.

Förderstopp: Keine 20.000 Euro mehr von der Stadt Wien

“Wir sind Opfer des derzeitigen Förderchaos der Stadt Wien. Wir baden aus, was andere Kinderbetreuungseinrichtungen verursacht haben. Einerseits fördert die Stadt Wien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, andererseits stoppt sie Unterstützungen von innovativen Betreuungsformen. Das passt für uns nicht zusammen”, zeigt sich Barbara Fruhwürth, die Vorsitzende des KFVW, über den Förderstopp erzürnt.

Dabei ist man sich beim KFVW der schwierigen Lage bei der Stadt Wien durchaus bewusst: “Seit 2011 haben wir keine weitere Erhöhung unserer Förderung beantragt und stattdessen durch interne Umstrukturierungen den dadurch entstandenen Verlust abgefedert”, so Fruhwürth weiter. “Wir können uns nicht vorstellen, dass die Förderung von rund 20.000 Euro für die Stadt Wien nicht tragbar ist. Uns sichert sie jedoch den personalintensiven Fortbestand des Omadienstes.”

Omadienst: “Zukunftsweisende Betreuungsform”

In Anspruch genommen werden der Omadienst etwa von Müttern und Vätern, deren Arbeitszeiten außerhalb regulärer Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen liegen, von Eltern, die Unterstützung in der Kinderbetreuung während schwerer Erkrankungen benötigen oder die Hilfe in familiären Krisensituationen suchen. In solchen und ähnlichen Situationen vermittle man teils sogar kostenlos Leihomas.

Der KFVW sieht den Omadienst in Zeiten der sich ändernden Familienstrukturen als zukunftsweisende Betreuungsform. “Die Zahl der Anfragen von Familien zeigt uns, wie sehr eine solche Kinderbetreuung gefragt ist. Wir bieten Familien, was sie benötigen”, gibt Barbara Fruhwürth zu bedenken und bittet daher in einem offen Brief an die Wiener Stadtregierung sowie an familienpolitische VertreterInnen um Unterstützung. “Wir hoffen, die Stadt Wien sieht die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung und überdenkt den Förderstopp”, so Fruhwürth. Denn der Förderstopp bedeutet das Aus für den Omadienst.

Mehr Informationen zum Omadienst des KFVW

Der Omadienst des KFVW wurde 1973 gegründet und zeichnet sich durch eine langfristige Betreuungsform aus. Die Leihoma wird in die Familie integriert und ist so eine jahrelange Begleiterin der Kinder. Bei der Auswahl der Leihomas arbeitet der KFVW nach strengen Richtlinien. Diese inkludieren ein persönliches Gespräch, das Vorlegen eines Leumundszeugnisses sowie Ausweises und der Besuch von Schulungen. Die Vermittlung selbst erfolgt nach den jeweiligen Wünschen der Familie und der Leihoma sowie der regionalen Nähe. Diese Vorgehensweise bietet Familien ein höchstmögliches Maß an Sicherheit mit relativ wenig Aufwand. Die Förderung der Stadt Wien werde für den Personalaufwand und die notwendige Infrastruktur (Büro, EDV) benötigt, so der KFVW.

FPÖ: “Subventions-Stopp ist ein Skandal”

Von politischer Seite wurde der drohende Förderstopp massiv kritisiert. Vertreter von ÖVP und FPÖ forderten, den Dienst weiterhin zu unterstützten. Die Bundesvorsitzende des Österreichischen Seniorenbundes, die Wiener VP-Gemeinderätin Ingrid Korosec, versicherte: “Das ist eine Katastrophe für die betroffenen Familien, die dadurch ihre gewohnte Betreuungsperson verlieren.”

Erbost äußerte sich die FPÖ anlässlich des Förderstopps für den Omadienst. “Das ist ein Skandal, vor allem in Anbetracht der Tatsache, wofür sonst ohne mit der Wimper zu zucken Geld verschwendet wird. Ich fordere von den Verantwortlichen der MA10 diese Entscheidung umgehend zu revidieren”, so Maximilian Krauss, Bildungssprecher der Wiener Freiheitlichen. “Viele Wiener Familien haben die Leih-Omas nur zu gerne in Anspruch genommen, um Lücken in der Betreuung zu schließen. Zudem haben zahlreiche Kinder enge Beziehungen zu ihren Leih-Omis aufgebaut, die ihnen nun genommen werden. Hier ist über viele Jahre eine Win-Win-Situation entstanden, die sich nun in Nichts auflöst.”

>>Leihoma sein in Wien: Eine begeisterte “Ersatz-Großmutter” erzählt

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