Flüchtlingskrise: Wien stellt Notquartiere in Kirchen bereit

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Flüchtlinge - Notquartiere der Kirche nur in Wien und dem Burgenland
Flüchtlinge - Notquartiere der Kirche nur in Wien und dem Burgenland - © APA
Die katholische Kirche hat in Wien und im Burgenland Notunterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet. Im restlichen Österreich sehen die Diözesen offensichtlich keinen Bedarf für diese Maßnahme.

Allerdings betreue die Caritas Flüchtlinge in Notunterkünften der Länder, hieß es mehrmals auf APA-Anfrage. Die Pfarren zeigen sich weiter bemüht, weitere fixe Unterkünfte für Asylwerber zu schaffen.

NIEDERÖSTERREICH: Pfarren “engagiert”

Die Pfarren in der Diözese St. Pölten seien in der aktuellen Flüchtlingskrise “stark engagiert”, sagte Christian Köstler, Leiter der PfarrCaritas, zu Wochenbeginn auf Anfrage zur APA. Wöchentlich kämen weitere dazu, die sich um private Quartiere bemühen würden. Notquartiere wurden nicht erwähnt.

In 13 Pfarren und Stiften (z.B. Lilienfeld) und damit direkt in kirchlichen Einrichtungen der Diözese St. Pölten waren laut Köstler vorerst 88 Menschen untergebracht. Dazu kämen 270 weitere Flüchtlinge in von 25 Pfarren organisierten Privatquartieren. Weitere 14 Pfarren würden etwa 300 Asylwerber begleiten, die sich in der Grundversorgung befänden. Und nicht zuletzt suchten mit Stand vom Montag 17 Pfarren “intensiv” nach Unterkünften.

OBERÖSTERREICH & SALZBURG: Ausreichend Unterkünfte

In Oberösterreich gibt es derzeit ausreichend Großquartiere für durchreisende Flüchtlinge, die das Rote Kreuz und der Samariterbund zur Verfügung stellen. Daher habe die Diözese Linz keine Notunterkünfte, teilte Michael Kraml Pressesprecher der Diözese Linz mit. Per 15. September werden in 84 kirchlichen Einrichtungen 1.755 Asylwerber betreut.

In kirchlichen Einrichtungen Salzburgs waren mit Stand 15. September 573 Flüchtlinge (die aktuellsten Zahlen) einquartiert, so Wolfgang Kumpfmüller, der Sprecher der Erzdiözese. Davon rund 160 in Häusern der Erzdiözese und ca. 70 bis 80 in Pfarreien. Die Caritas beherbergt derzeit laut Direktor Johannes Dines rund 400 bis 500 Menschen, das betrifft aber sowohl eigene Häuser, aber auch solche, die nicht der Caritas gehören. Da sie auch Flüchtlinge in Unterkünften der Erzdiözese und der Pfarreien betreut, kommt es zu Überschneidungen. “Die Situation ändert sich auch ständig. So kommen etwa neue Quartiere hinzu”, so Dines. Er verwies zugleich darauf, dass die Caritas auch die die Versorgung von 500 bis 1.000 Menschen in der Bahnhofsgarage übernommen hat, nicht aber die Unterbringung. In Klöstern sind derzeit keine Flüchtlinge untergebracht, im Erzstift St. Peter waren schon zwölf da, zurzeit werden die Räumlichkeiten laut Kumpfmüller aber adaptiert.

STEIERMARK: Keine Einrichtungen in Pfarren

Bisher werden seitens der Diözese Graz-Seckau keine Notquartiere in steirischen Pfarren oder Einrichtungen bereitgestellt, da die seitens des Landes gewünschte Größe von mindestens rund 500 Plätzen nicht erfüllt werden könnte: “Solche Kapazitäten haben wir nicht”, erklärte der Integrationsbeauftragte der Diözese, Erich Hohl, im APA-Gespräch. Vergangene Woche sei zwar kurz der Turnsaal des Augustinums im Gespräch gewesen, aber nun sei dort der Schulbetrieb voll angelaufen, daher sei er nun keine Option mehr. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass einzelne “gestrandete” Flüchtlingsfamilien in Pfarren kurzzeitige Unterkunft bekommen, so Hohl.

Nach Angaben der Diözese Graz-Seckau sind aber in den vergangenen Monaten gemeinsam mit der Caritas 700 Plätze in der Grundversorgung von Asylwerbern in 35 kirchlichen Quartieren geschaffen worden. Im Grazer Bischofshaus ist erst am Wochenende eine siebenköpfige Flüchtlingsfamilie aus Syrien aufgenommen worden. Außerdem kündigte die Diözese an, dass die steirische Kirche ihren Beitrag bei der Quartiersuche mit Hilfe von Caritas, Pfarren und Orden weiter ausbauen wolle.

KÄRNTEN: Caritas hilft

In Kärnten hat Caritas-Direktor Josef Marketz die Koordination über sämtliche kirchlichen Aktivitäten in Sachen Flüchtlingsquartiere übernommen. Derzeit habe man bereits weit mehr als 100 Personen untergebracht, sagte Marketz. “Uns werden auch ständig neue Quartiere angeboten, unter anderem auch von Pfarrhöfen.” Man komme mit dem Überprüfen, ob die Räumlichkeiten auch geeignet seien, momentan kaum nach. In den kommenden Tagen würden in zwei Pfarren wieder Flüchtlinge untergebracht, wie viele es genau gebe, könne er derzeit nicht sagen. “Es ändert sich auch fast täglich.” Marketz hob hervor, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen stark gestiegen sei, man merke dies bei den Quartiersangeboten ebenso wie bei den Freiwilligen, die spontan bei der Versorgung in den Notquartieren mithelfen würden. “Gestern waren in der Halle in Klagenfurt gezählte 128 Freiwillige, das ist schon sehr beachtlich.”

VORARLBERG: Unterbringung in 17 Pfarren

In Vorarlberg waren am Montag insgesamt 186 Flüchtlinge in 17 Pfarren und kirchlichen Einrichtungen untergebracht. Es handelte sich dabei allerdings nicht um Notquartiere, sondern um Wohnraum für Menschen, die in Österreich um Asyl angesucht haben. Weitere Quartiere sollen schon in Kürze folgen, “wir sind sehr zuversichtlich”, sagte die Sprecherin der Diözese Feldkirch, Veronika Fehle. Einige Wohnungen würden derzeit geprüft, in anderen müssten noch kleinere Adaptierungen vorgenommen werden. In einem Fall handle es sich um ein großes kircheneigenes Gebäude, in dem 60 bis 80 Asylbewerber einziehen könnten, kündigte Fehle an. Von Notquartieren war auch hier keine Rede.

Bei der Diözese Innsbruck weiß man nichts über Notunterkünfte, weil das in Tirol die Caritas übernommen hat. In der Diözese Eisenstadt hatte man aufgrund der vielen Flüchtlinge an der ungarischen Grenze man bereits vergangene Woche 700 Notquartiere eingerichtet.

(APA)

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