Falsche Postzusteller: Prozess um brutale Überfälle in Wien

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Die falschen Postler mussten sich vor Gericht verantworten.
Die falschen Postler mussten sich vor Gericht verantworten. - © APA (Symbolbild)
Die Täter, die in Deutschland lebten, seien für die Verbrechen extra nach Wien gereist. Sie überfielen ältere Frauen in deren Wohnungen auf brutale Weise.

Im Wiener Landesgericht ist am Montag ein Prozess um brutale Überfälle auf betagte Frauen zu Ende gegangen. Zwei Männer und zwei Frauen sollen laut Anklage in die Wohnungen der Pensionistinnen eingedrungen sein, indem sie sich als Postzusteller ausgaben. Die Angeklagten – allesamt bulgarische Staatsbürger – bekannten sich großteils “nicht schuldig”.

Zum ersten Mal hatte die Bande im April 2010 zugeschlagen. Drei Angeklagte, die eigentlich in Deutschland leben, reisten dafür laut Anklage extra nach Wien. Der 37-jährige Haupttäter läutete mit einer Komplizin an der Wohnung einer 85-jährigen, gehbehinderten Pensionistin und wachelte mit einem Brief in der Hand und mit den Worten “Post für Sie” vor dem Türspion.

Brutaler Überfall auf 85-Jährige

Als die 85-Jährige öffnete, hielt ihr der 37-Jährige laut Anklage den Mund zu und drängte sie in die Wohnung. Er nahm der betagten Frau den Rollator, auf den sie angewiesen war, weg, drückte sie zu Boden und verlangte 300 Euro. Da sich in der Tasche der Pensionistin nur 200 Euro befanden, nahm er die Bankomatkarte der Frau an sich und versuchte, der Frau den PIN-Code herauszupressen.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, zündete der 37-Jährige eine Fernsehzeitung an und warf das brennende Papier auf das Bett der Pensionistin. Da die 85-Jährige immer noch keinen Code nennen konnte, fesselte er die Frau und verließ mit seinen Komplizinnen, die inzwischen Kerzenständer, Unterwäsche und Handtücher an sich gerafft hatten, die Wohnung. Die Frau wurde erst tags darauf von ihrem Sohn aus der misslichen Lage befreit.

77-jährige schwer verletzt

Beim zweiten inkriminierten Überfall wurde das 77 Jahre alte Opfer schwer verletzt. Im Dezember 2014 drang der 37-Jährige wieder mit einem gelben T-Shirt und einem Paket in der Hand in die Wohnung einer Pensionistin ein und gab sich als Postzusteller aus. Ein Komplize folgte ihm, eine Mittäterin leistete draußen Aufpasserdienste. Obwohl die Männer 14.000 Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von 10.000 Euro erbeuteten, hatten sie nicht genug. Laut Anklage wollten sie das Opfer mehrere Tage festhalten und mit der Bankomatkarte täglich den Höchstbetrag beheben. Der 37-Jährige soll beim Versuch, den Widerstand der 77-Jährigen zu brechen, derart massiv auf sie eingeschlagen haben, dass er ihr mehrere Rippen brach und so schwere innere Verletzungen zufügte, dass die Frau seither mit einem künstlichen Darmausgang leben muss.

Den Angeklagten drohen Freiheitsstrafen zwischen zehn und 20 Jahren oder lebenslang.

(APA, Red.)

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