Fall Seisenbacher: Jetzt muss Ukrainisches Gericht handeln

Ex-Judoka Seisenbacher wurde am Dienstag in Kiew festgenommen.
Ex-Judoka Seisenbacher wurde am Dienstag in Kiew festgenommen. - © APA/HELMUT FOHRINGER
Am Dienstag klickten für Peter Seisenbacher in Kiew die Handschellen. Der Doppelolympiasieger steht unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs. Ein ukrainisches Gericht muss entschieden, ob dem Auslieferungsersuchen der Wiener Justiz, die Seisenbacher mit internationalem Haftbefehl suchen hatte lassen, entsprochen wird.

“Seisenbacher wird jetzt einem Richter vorgeführt”, erklärte sein Verteidiger Bernhard Lehofer am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Informationen der APA zufolge muss binnen 48 Stunden entschieden werden, ob der Beschuldigte in Auslieferungshaft genommen wird. Vorbehaltlich der genauen zwischenstaatlichen Auslieferungsmodalitäten mit der Ukraine geht Lehofer davon aus, dass in weiterer Folge “relativ zügig” entschieden wird, ob der Ex-Judoka den Wiener Behörden zur Strafverfolgung übergeben wird. Das Wiener Landesgericht für Strafsachen hat die entsprechenden Unterlagen bereits nach Kiew übermittelt.

Seisenbacher tauchte vor seinem Prozess unter

Auch für Lehofer war der Doppelolympiasieger seit vergangenem Dezember von der Bildfläche verschwunden, als Seisenbacher kurz vor seinem geplanten Prozess wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen – er soll sich als Trainer in einem Wiener Judo-Verein an ihm anvertrauten Mädchen vergangen haben – untertauchte. “Ich habe seit damals null Kontakt gehabt”, sagte der Grazer Rechtsanwalt. Erst unmittelbar nach Seisenbachers Festnahme hörte Lehofer wieder von seinem Mandanten – in Form eines kurzen Telefonats, das dem 57-Jährigen von der ukrainischen Polizei zugebilligt wurde. “Ich bin davon genauso überrascht worden wie alle anderen”, betonte Lehofer. Was Seisenbacher letztlich nach Kiew geführt hatte und wie dieser die sieben Monate seiner Flucht zugebracht hat, konnte sein Verteidiger nicht beantworten.

Video von Seisenbachers Festnahme von Polizei ins Internet gestellt

Erbost zeigte sich Lehofer über von mehreren österreichischen Medien verbreitetes Bildmaterial von Seisenbachers Festnahme, das die ukrainische Polizei ins Internet gestellt hatte und das nach Ansicht seines Rechtsvertreters einem medialen Pranger gleichkommt: “Dass Seisenbacher bei seiner Festnahme von der ukrainischen Polizei gefilmt wird, überrascht mich nicht. Aber dass diese Bilder von einigen Medien hier in Österreich übernommen werden, ist eine Schweinerei”, kritisiert Lehofer.

APA/Red.

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