Elle – Trailer und Kritik zum Film

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Elle – Trailer und Kritik zum Film
Eine vergewaltigte Frau, die sich von dem Gewaltakt nicht zerstören lässt, sondern diesen als Chance zur Selbstermächtigung nutzt – und zur kühlen Rache. Diesen ungewöhnlichen Ansatz wählt Paul Verhoeven für seinen ersten Spielfilm seit zehn Jahren. Das narrative Experiment “Elle” lebt dabei vollkommen vom Spiel der Isabelle Huppert – und verstört gängige Sehgewohnheiten.

Michele ist eine unabhängige Frau, die als Gründerin eines Videospielunternehmens in der gutbürgerlichen Pariser Oberschicht zwar alleine lebt, mit ihrem Ex-Mann und dem etwas einfach gestrickten Sohn aber einen guten Kontakt und einen breiten Freundeskreis hat. Dann wird sie in ihrem Haus am helllichten Tag von einem Maskierten überfallen und brutal vergewaltigt. Drei Mal ist in verschiedener Schnittfassung diese zentrale Sequenz im Verlauf des Films zu sehen. Sie eröffnet gleich zu Beginn aus dem Schwarzbild heraus den Gang der Dinge – und doch wird bis zum Schluss ungeklärt bleiben, ob Micheles Schreie rein aus Schmerz oder doch auch aus Lust gellen.

Elle – Die Handlung

Denn Michele reagiert anders, als die Konventionen es von einem Gewaltopfer verlangen würden. Ihre Empfindungen bleiben im Ungefähren. Sie bleibt äußerlich nicht nur ruhig, sondern geradezu kühl, auch wenn sie bald Pfefferspray und eine Axt kauft. Zur Polizei geht sie allerdings nicht, was auch mit ihrer traumatischen Kindheit zusammenhängt, die von einem schrecklichen Verbrechen überschattet ist. Letztlich lässt sich Michele auf ein Katz-und-Maus-Spiel mit ihrem Angreifer ein, der sie weiterhin bedrängt. Und die Rollen von Katze und Maus sind bald anders verteilt als man erwartet.

Hierfür lässt sich “Elle” allerdings Zeit, handelt es sich doch nicht um einen Thriller, sondern um ein Psychogramm, das den Zuschauer auf eine verworrene Reise mitnimmt. Nie weiß man, welche Wendungen sich in der Narration ergeben, wohin der erratische Weg Michele führen wird – eine Frau jenseits der Konventionen, die sich nicht als Opfer sehen will, ihr Leben nicht von einer Gewalttat bestimmen lassen will.

Elle – Die Kritik

Letztlich zeigt “Elle” die Selbstermächtigung einer ohnedies starken Frau, die sich von den Dämonen ihrer Vergangenheit und der Fixierung auf Männer löst. Diese unterschiedlichen Gefühls- und Narrationsebenen glaubhaft zu verzahnen, würde ohne Isabelle Hupperts enigmatisches Spiel jedoch nicht funktionieren, ohne das beinahe sphinxhafte Gesicht der 63-Jährigen, würde der Film vermutlich an seiner eigenen Vielgestaltigkeit kollabieren. Dass Huppert das Werk mit ihrer Leistung zusammenhält, würdigte auch die Oscar-Academy – kann die Französin doch bei der Verleihung am 26. Februar auf den Preis als beste Hauptdarstellerin hoffen.

Als kongenialer Sparringpartner steht ihr der geschulte Provokateur Verhoeven (“Basic Instinct”) zur Seite, der mit seiner Verfilmung von Philippe Djians “Oh …” die gängige Gefühlsschubladen des Hollywoodkinos unterläuft, keine moralische Bewertung des Geschehens bietet. Perversion und Obsession, sexuelle Überschreitungen und mehr oder minder alltägliche Familiendramen haben in dem nicht in Genregrenzen einzuhegenden Werk ebenso Platz wie Thrillerelemente.

In gewissem Sinne ist “Elle” jedoch eine klassische französische Gesellschaftssatire über die Pariser Oberschicht mit ihren Affären und Intrigen. Die einzelnen Sequenzen sind meist leicht überspitzt, überschreiten jedoch nie die Grenze zur Skurrilität. Verhoeven relativiert nichts und lässt doch immer wieder auch Humor einfließen. So reiht sich “Elle” mit der nüchternen und zugleich irritierend surrealen Schilderung sexueller Begierden in eine Tradition von Werken wie “Belle de Jour” – und hat damit durchaus das Zeug zum Klassiker.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Elle”

(APA)

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