Die Tribute von Panem: Mockingjay (Teil 2) – Trailer und Kritik zum Film

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Die Tribute von Panem: Mockingjay (Teil 2) – Trailer und Kritik zum Film
In “Mockingjay Teil 2”, dem letzten und zugleich düstersten Teil der dystopischen “Die Tribute von Panem”-Saga, sagt sich die Heldin Katniss Everdeen von den letzten sie kontrollierenden Mächten los, um die Tyrannei von Präsident Snow eigenhändig zu beenden. Ab Freitag im Kino.

Den dritten Roman der Jugendbuchreihe von Suzanne Collins in zwei Teile spaltend, knüpft “Mockingjay Teil 2” nahtlos an seinen 2014 veröffentlichten Vorgänger an. Ist Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) für die Rebellen aus den Distrikten von Panem zum Symbol des gemeinsamen Aufstands gegen den sadistischen Machthaber Snow (Donald Sutherland) geworden, ist sie in den Augen ihres einstigen Verbündeten aus den Hungerspielen, den unter Folter manipulierten Peeta (Josh Hutcherson), nur eines: ein Monster. Seine Würgeattacke hat sie verwundet und mit brüchiger Stimme, vor allem aber traumatisiert und noch einsamer hinterlassen.

Mockingjay II – Die Geschichte

Nicht länger willig, unter Distrikt-13-Präsidentin Alma Coin (Julianne Moore) lediglich motivationsstiftende Symbolfigur zu sein, schleicht sich Katniss ins Kapitol ein. Ihre Mitstreiter – darunter Gale (Liam Hemsworth), Finnick (Sam Cliflin) und der labile Peeta – im Glauben lassend, an vorderster Front lediglich Propagandavideos für die vordringenden Rebellen zu inszenieren, verfolgt Katniss ihren eigentlichen Plan, Präsident Snow zu töten. Doch Snow weiß den Vormarsch geschickt für seine eigenen Zwecke zu nutzen: Durch versteckte Fallen mutiert das in Ruinen liegende Kapitol zu einer Arena und Katniss’ live in ganz Panem übertragene Jagd auf Snow zu einer Art Neuauflage der Hungerspiele. Um auf ihrem Weg zum Präsidentenpalast weniger exponiert zu sein, flüchtet die Truppe in den Untergrund – doch das stellt sich als riesiger Fehler heraus.

Von Explosionen, die ganze Häuserblöcke zum Einstürzen bringen, über eine alles verschlingende Ölwelle bis hin zu Mutanten, die Katniss & Co. durch die Kanalisation jagen, reichen die spektakulär in Szene gesetzten Gefahren, die zahlreiche Opfer fordern. Sie werden gegen Ende noch überboten von einer in der Saga so nie da gewesenen, an Grauen kaum zu überbietenden Anschlagsszene, die einen vergessen lässt, dass es sich bei Collins Vorlage um Jugendbücher handelt. Zum dritten Mal infolge im Regiestuhl, inszeniert Francis Lawrence “Mockingjay Teil 2” mehr als veritablen Kriegs- denn Abenteuerfilm und liefert den bei weitem härtesten, blutigsten und gruseligsten Teil der 2012 gestarteten Saga ab, der für Nichtkenner des Buches zahlreiche Wendungen und Schockmomente bereithält.

Mockingjay II – Die Kritik

Weder Jennifer Lawrence noch Katniss Everdeen sind noch die, die sie zu Beginn der Reise waren: Damals 21-jährig und weitgehend unbekannt, ist Lawrence inzwischen zum Oscar-gekrönten Hollywoodstar avanciert, dabei aber erfrischend bodenständig geblieben. In ihrem letzten Panem-Auftritt verleiht sie der ursprünglich aus Schutz ihrer Schwester Prim agierenden Titelheldin ungemeine Tiefe, legt innere Ängste und Zweifel ebenso offen wie lähmenden Schmerz und beispiellosen Mut. All das lässt Katniss gegen Ende eine Entscheidung treffen, die die junge Frau vom symbolbehafteten Mockingjay zur moralisch überragenden Einzelkämpferin wachsen lässt.

Noch mehr als bei den drei Vorgängerfilmen erleben wir die Erzählung durch Katniss’ Perspektive, nehmen mit geschärftem Blick den erbitterten Propagandakrieg wahr, den der diabolische Snow auf der einen und die zunehmend korrupte, totalitäre Züge annehmende Coin auf der anderen Seite führt. So gewinnt die antiautoritäre wie auch medienkritische Jugenddystopie einmal mehr an politischer Sprengkraft, zeigt in unserer heutigen Zeit aktueller denn je, wie schmal der Grat zwischen Gut und Böse, zwischen Revolutionär und Rebell ist, wenn alle schwerst bewaffnet und bereit sind, für ihre Sache bis ans Äußerste zu gehen. Und wie schnell sich eine blutige Geschichte zu wiederholen droht, wenn ein Feindbild kreiert und zu viel Macht unter einer Einzelperson versammelt wird.

Unterstrichen wird der melancholische, trostlose Ton des Films durch die letzten Leinwandmomente mit Philip Seymour Hoffman. Der US-Schauspieler hatte vor seinem tragischen Tod Anfang 2014 noch nicht alle Szenen als Plutarch Heavensbee, Ex-Spielemacher und nunmehriger Stratege Coins, abgedreht. Eine finale Szene gewinnt so noch mehr an Emotionalität, als Plutarchs Worte Katniss von Haymitch (Woody Harrelson) als Brief überreicht werden. Es ist ein hoffnungsspendender Moment, nach dem es keines kitschigen Epilogs mehr bedurft hätte. Das herausgezögerte, sonnendurchflutete Ende ist das einzige, was man dem hochspannenden, emotional fordernden wie auch nachdenklich stimmenden, würdigen Finale einer eine Generation prägenden Blockbuster-Reihe vorwerfen kann.

(APA)

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