Die Oscar-Verleihung am Sonntag im Zeichen politischer Statements

Stichwort Trump: Die Oscar-Verleihung 2017 wird sich für politische Statements genutzt
Stichwort Trump: Die Oscar-Verleihung 2017 wird sich für politische Statements genutzt - © AP
Auch wenn vor der 89. Oscar-Verleihung in Hollywood am Sonntag, den 26. Februar 2017, das schon jetzt als großer Gewinner gehandelte Musical-Drama “La La Land” als bewusst unpolitischer Favorit gehandelt wird, so dürfte sich der Abend selbst dahingehend überaus kontrovers gestalten.

Gerade wegen der umstrittenen politischen Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump äußerte sich die Academy of Motion Picture Arts and Sciences besorgt hinsichtlich des Reisebanns, ein Aufgreifen der Thematik seitens Schauspieler und Filmemacher dürfte sicher sein.

Oscars am Sonntag im Zeichen brisanter Statements

Seit seiner umjubelten Weltpremiere in Venedig als Oscar-Fixstarter gehandelt, hat “La La Land” den von “All About Eve” (1950) und “Titanic” (1997) gehaltenen Rekord der meisten Nominierungen bereits egalisiert. Tatsächlich hat Damien Chazelles charmante Hommage an die Blütezeit der Musicals aufgrund einer Doppelnennung in der Kategorie “Bester Song” aber “nur” 13 Preischancen – und muss elf davon in Trophäen ummünzen, wenn sie mit dem meistnominierten und -prämierten Blockbuster “Titanic” gleichziehen will.

“La La Land” als absoluter Favorit gehandelt

In – teils zentralen – Kategorien scheint dem Film die goldene Statuette laut Branchenexperten und Wettanbietern kaum noch zu nehmen zu sein. Siege bei den Golden Globes, den britischen Filmpreisen sowie den Verleihungen der Produzenten- und Regieverbände lassen u.a. auf Auszeichnungen als Bester Film sowie für Regie, Produktionsdesign, Kamera, Soundtrack und – mit großer Wahrscheinlichkeit – Hauptdarstellerin Emma Stone schließen. Wird Chazelle zum besten Regisseur gekürt, wäre er mit 32 Jahren und 38 Tagen der Jüngste, dem das jemals gelang.

Ernste Themen bei Filmen dominieren

Ist den rund 7.000 Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences doch mehr nach ernstem Stoff als nach nostalgischem Rückblick auf die eigene Branche, werden “La La Land” vor allem zwei gefährlich: Barry Jenkins’ sensibler Coming-of-Age-Film “Moonlight” über das in drei Stationen erzählte Erwachsenwerden eines homosexuellen Afroamerikaners sowie Kenneth Lonergans erschütterndes Familiendrama “Manchester by the Sea” haben sich die wichtigsten Kritikerpreise bisher untereinander aufgeteilt. Moonlight, acht Mal nominiert, dürfte in jedem Falle seinem charismatischen Nebendarsteller Mahershala Ali den ersten Oscar einbringen; das fünffach nominierte “Manchester” Lonergan den ersten, lang verdienten Drehbuchpreis.

Spannung rund um Verleihung des besten Hauptdarstellers

Die wirklich spannenden Entscheidungen aber zeichnen sich unter den nominierten Hauptdarstellern ab. Dank seiner eindringlichen Darstellung eines trauernden Mannes in “Manchester by the Sea” schien Casey Affleck lange als uneinholbar – bis Denzel Washington, Hauptdarsteller und Regisseur der Theateradaption “Fences”, überraschend den Preis bei den Screen Actors Guild Awards holte, die als Oscar-Vorboten gelten. Ebenda reüssierte auch Emma Stone, die in den letzten Wochen für ihre scheinbar mühelose Performance als strauchelnde Schauspielerin Mia in “La La Land” Schwung holte. Gefährlich werden ihr der französische Leinwandstar Isabelle Huppert (“Elle”) oder auch Natalie Portman in einer klassischen Oscar-Rolle: First Lady “Jackie” Kennedy.

Backlash gegen “La La Land”

Nicht abzuschätzen ist, ob der jüngste Backlash gegen “La La Land” in sozialen Medien auch die Academy erfasst hat. Der Film ist das Paradebeispiel für Eskapismus made in Hollywood – eine charmante, willkommene Ablenkung in beunruhigenden Zeiten. Viele stoßen sich nicht nur daran, sondern auch an der allzu “weißen”, romantisierten Darstellung von Los Angeles, in der ausgerechnet Ryan Goslings Figur Sebastian den Jazz “retten” will. Aktuell, so scheint es, ist jede Art von Kunst auch ein Politikum. Und die Academy klopft sich auf die Schulter, weil man nach zwei Jahren “#OscarsSoWhite” so viele nominierte Afroamerikaner vor und hinter der Kamera hat wie nie zuvor.

“Toni Erdmann” und ein politisches Statement

Womit wir bei den Anwärtern auf den Preis als bester fremdsprachiger Film wären. Bis vor kurzem nämlich hatte Maren Ades viel gepriesene Vater-Tochter-Tragikomödie “Toni Erdmann” die Auszeichnung nach Meinung vieler bereits in der Tasche. Immerhin ist die französische Produktion “Elle”, die dem deutschen Beitrag den Golden Globe wegschnappte, beim Auslandsoscar gar nicht im Rennen.

Gegenüber der APA brachte Hauptdarsteller und Burgschauspieler Peter Simonischek zuletzt aber jene “politischen Unwägbarkeiten” auf, über die auch viele Branchenblätter aktuell spekulieren: Vor dem Hintergrund von Trumps verfügtem Einreiseverbot für Staatsbürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern wäre eine Ehrung des iranischen Dramas “The Salesman” nämlich ein politisches Statement – hat doch Regisseur Asghar Farhadi angekündigt, auch trotz möglicher Ausnahmeregelung aus Protest nicht an der Gala teilnehmen zu wollen. Nicht zu unterschätzen ist auch die schwarze Komödie “Ein Mann namens Ove” aus Schweden, werden hier doch Themen wie Arbeitslosigkeit und Ausländerfeindlichkeit unterhaltsam verpackt.

Mahnenden Plädoyers gegen Trump

Sind bisherige Preisverleihungen oder auch die Eröffnung der Berlinale ein Indikator, so ist am 26. Februar (Ortszeit) auf der Bühne des Dolby Theatre jedenfalls mit mahnenden Plädoyers gegen Trumps Politik zu rechnen – wenn auch der Name des Adressierten selbst selten fällt. Die Academy jedenfalls hatte sich im Vorfeld bereits “extrem besorgt” geäußert und Filmemachern aus aller Welt Rückendeckung versprochen. Als Moderator fungiert heuer erstmals Jimmy Kimmel, der sich bekanntermaßen auch in seiner Late-Night-Show kein Blatt vor den Mund nimmt. Als Laudatoren an seiner Seite: Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Charlize Theron oder Javier Bardem, die die Bühne vor einem Millionenpublikum nützen könnten.

(APA/Red.)

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