Die Liebhaberin – Kritik und Trailer zum Film

Die Liebhaberin – Kritik und Trailer zum Film
In seiner schwarzen Gesellschaftssatire entdeckt die schüchterne Hausangestellte Belen, dass jenseits der abgeriegelten Wohnanlage für Reiche, in der sie arbeitet, eine Nudistengruppe das Leben genießt. Für Belen wird der Schritt ins Nacktsein eine Befreiung, die allerdings im finalen Kampf mit den konservativen Nachbarn kulminiert.

Der gebürtige Salzburger und Wahlargentinier Lukas Valenta Rinner rückt auch in seinem zweiten Spielfilm nach “Parabellum” wieder die beißende Gesellschaftskritik ins Zentrum. In langen Einstellungen und präzise kadrierten Bildern folgt “Die Liebhaberin” Belen (Iride Mockert), wie sie ihren neuen Job am Stadtrand von Buenos Aires annimmt. Wie ein geducktes Reh, stets zum Sprung bereit, wandelt sie durch die geschlossene, bewachte Wohnsiedlung für die Oberschicht, die sich durch hohe Mauern von der Umwelt abkapselt.

Die Liebhaberin – Die Handlung

Auf ihren Streifzügen stolpert Belen, begleitet von langen Kamerafahrten, über ein Nudistencamp, dessen freie Dschungellandschaft sich unmittelbar an die Enklave der Reichen anschließt – und der Frau das Tor zu einem freien, sinnlichen Leben öffnet. Der Konflikt mit den wohlhabenden Nachbarn eskaliert allerdings unweigerlich.

Der Dialog spielt bei Valenta Rinner allenfalls eine Rolle als Geräuschkulisse. Die Sprache dient nicht der Erklärung – diese entsteht ausschließlich im Auge des Betrachters. Letztlich herrscht große Sprachlosigkeit. Umso zentraler ist der Fokus auf die Gestalt der Schauspieler, wobei Iride Mockert als Belen mit ihrer Körpersprache das Werk dominiert. Erst nach der Hälfte des Films entfleucht dieser in sich eingeschlossenen Frau ein Lächeln.

Und doch bleibt die Kamera von Valenta Rinners Schulkollegen Roman Kasseroller stets in der Distanz, ist beobachtend, nie affirmativer Teilnehmer. Wie in Jacques Tatis “Playtime” scheinen die Figuren isoliert in einer sterilen, übermächtigen Umgebung – beide, scheinbar so antagonistischen Orte bleiben letztlich aseptisch, inszeniert als Bühnen ihrer selbst wie in späten Fellini-Filmen. Allenfalls Jazz bringt bisweilen Dynamik in die bewusst-sterilen Bilder.

Die Liebhaberin – Die Kritik

In dieser Gestalt entwirft Valenta Rinner eine Parabel auf die gesellschaftlichen Zustände im Nachkrisen-Argentinien, eine Metapher auf die Abschottung und Öffnung des Menschen an sich. Dabei hat beim Erzählrhythmus “Die Liebhaberin” keine Eile, sondern nimmt sich die Zeit, die es braucht – eine Überraschung angesichts des Zeitdrucks, unter dem das Werk entstanden ist.

So wurde der zweite Spielfilm des nach Argentinien ausgewanderten Österreichers unter anderem vom südkoreanischen Jeonju Filmfestival finanziert, das auch schon Werke von Regiegrößen wie Apichatpong Werasethakul unterstürzt hat. Nur wenige Monate beträgt dabei die vorgegebene Zeitspanne bis zum Abschluss eines Projekts. Die tickende Uhr hat der Entstehung von “Die Liebhaberin” aber jedenfalls nicht geschadet, was sich neben dem Spezialpreis der Jury in Toronto auch bei der heurigen Diagonale zeigte, wo Valenta Rinners Zweitling nicht nur die Auszeichnung für das beste Sounddesign, sondern vor allem auch den Großen Spielfilmpreis für sich entscheiden konnte.

> Alle Spielzeiten im Überblick

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen
Mehr auf vienna.at