Die Designer von Verdandy im Interview: “Man muss Wien erst überzeugen”

Von Amina Beganovic
Das Label "Verdandy" mischt nun am Wiener Modemarkt mit.
Das Label "Verdandy" mischt nun am Wiener Modemarkt mit. - © Vienna.at/Kosmas Pavlos
Hose ist nicht gleich Hose: Die beiden Models und Neo-Designer Martin Pichler und Manuel Rauner kreieren mit ihrem Label Verdandy Hosen, die Schick mit Tragbarkeit vereinen – und beweisen obendrein viel Liebe zum Detail. Bei der diesjährigen Vienna Fashion Week stellen sie ihre Modelle vor. Wir trafen die beiden kreativen Köpfe zum Gespräch über nachhaltige Produktion, Jogginghosen auf der Straße, nordische Gottheiten und Wien als Modestadt.

Ihr seid heuer am 11. September erstmals bei der Vienna Fashion Week dabei – wie geht es den Nerven?

Manuel: Wir haben ein wenig mit Schlafentzug zu kämpfen (lacht). Wir waren selbst schon Models auf der Vienna Fashion Week – und Modeln ist oft mit sehr viel Wartzeit verbunden. Wenn du selbst aktiv hinter den Kulissen mitgestaltest, gibt es die definitiv nicht, da wird gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet. All jene, die so eine Show als One-Man- oder One-Woman-Betrieb durchziehen, echt Hut ab!

Ihr seid Models und  jetzt auch Designer. Wolltet ihr die Modewelt von der anderen Perspektive mitgestalten?

Manuel: Natürlich waren wir immer Fashion-interessiert, das bringt der Job als Model mit sich. Aber wir wollten uns auch immer schon selbst verwirklichen, selbstständig arbeiten. Wir sind seit Jahren gute Freunde und harmonieren gut miteinander. Und so kam die Idee auf, etwas eigenes in Sachen Mode zu machen.

Martin: Wir haben auch schon viel Erfahrungen in der Mode-Welt gemacht, die sich jetzt als sehr hilfreich herausstellen, nicht zuletzt das Netzwerk, das wir durchs Modeln aufgebaut haben. Dafür sind wir sehr dankbar.

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Bild: Kosmas Pavlos

Was sind die Grundzüge eures Labels – was ist “Verdandy”?

Martin: Verdandy bedeutet vor allem Tragbarkeit, mit angenehmen und innovativen Stoffen. Bei unserer ersten Kollektion, den “Verdanyms”, haben wir eine Mischung aus Jeans und Jogginghosen produziert – aus Jersey-Denim, einem neuartigen Stoff, den es erst seit drei Jahren gibt. Jersey wird für Jogginghosen verwendet, ein bequemer Stoff, der sich weich anfühlt, Denim wiederum ist der bekannte Jeansstoff. Sprich: Die Optik ist wie Jeans, aber die Bequemlichkeit gleicht einer Jogginghose, mit großer Bewegungsfreiheit, aber formstabil, ohne auszuleiern, wie es oft bei Trainingshosen der Fall ist.

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Bild: Vienna.at

Sieht aus wie Jeans, trägt sich wie eine Trainingshose

Männer in Jogginghose auf der Straße … Naja …

Martin: Das war auch unser Grundgedanke! Wir wollten etwas machen, das uns beide anspricht, aber noch nicht am Markt ist. Ich selbst hasse es zum Beispiel, nachhause zu kommen und mir etwas Bequemes anzuziehen, nur um mich dann wieder umziehen zu können, weil ich spontan doch in den Supermarkt muss. Und ich gehe in Jogginghose nicht gerne auf die Straße. Und so kam die Idee zu Hosen aus diesem Stoff auf, die alle Benefits vereinen. Zuerst gab es einige Skeptiker für unser Projekt. Aber die haben die Hosen dann probiert – und waren durch die Bank überzeugt!

Manuel: Der Größte Benefit ist die Vielseitigkeit des Stoffs: Bequemlichkeit, aber mit dem Look von Jeans. Und sie halten auch einiges aus, wir tragen unsere ständig, zerrissen ist noch keine.

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Bild: Kosmas Pavlos

Kostenfaktor?

Manuel: Wir haben uns bewusst dazu entschieden, nur in Europa zu produzieren. Die Bestandteile, der Stoff, die Nieten, Garn und Nähte, kommen alle aus Europa. Dementsprechend sind die Produktionskosten höher, als wenn wir in Asien produzieren würden. Dafür wissen wir über alle Abläufe genau Bescheid, kennen so gut wie alle Leute und wissen, dass alles sozial gerecht abläuft, faire Löhne gezahlt werden, ressourcenschonend gearbeitet wird und keine Chemikalien in Flüsse abgeleitet werden. Das wurde auch zertifiziert.

Martin: Wir sind zwar kein Öko-Label, aber wir achten auf möglichst nachhaltige Produktion.

Manuel: Die Modelle starten bei rund 189 Euro – wir liegen im Premiumsegment, da wir nie mit Massenanbietern wie H&M konkurrieren wollten. Das könnten wir auch nicht sozial vertreten. Qualität hat eben ihren Preis.

Ihr macht ausschließlich Herrenmode?

Martin: Die Betonung liegt auf “noch” – es ist bereits einiges geplant, auch in Richtung Damen-Fashion. Aber am Anfang muss man sich als Start-Up erst einmal auf etwas Bestimmtes spezialisieren. Und bei Herren tun wir uns doch etwas leichter (lacht). T-Shirts sind bei der Kollektion für die Fashion Week auch schon dabei. Die sind aus der Naturfaser Tencel gefertigt, von einer österreichischen Firma. Der organische Stoff ist viel weniger arbeitsintensiv als zum Beispiel Baumwolle, für die man sehr viel Wasser und Pestizide braucht. Tencel wird aus Holz gewonnen – von Feldern, die auch wieder aufgeforstet werden.

Manuel: Es ist ein “Alljahresstoff” – kühlend im Sommer, weil sehr sauerstoffdurchlässig, aber auch wärmend im Winter. Und sehr weich und angenehm!

Verdandy und die Götter aus dem hohen Norden

Woher kommt der Labelname?

Martin: Er stammt von einer nordischen Schicksalsgöttin. Es gibt drei Göttinnen in der nordischen Mythologie, die den “Schicksalsfaden” spinnen. Eine dieser Göttinnen ist “Verdandi”, die für das menschliche Leben in der Gegenwart zuständig ist. Und dieser “Schicksalsfaden” zieht sich durch unsere Modelinie, etwa durch die Kontrastfarben bei den Nähten, denn die Legende besagt, dass der Schicksalsfaden in den verschiedensten Farben geschillert hat – und diese Geschichte fanden wir einfach sehr schön.

Wir verwenden die nordische Mythologie als Namensgeber für unsere Produkte:  Jedes Modell bezieht einen Namen daraus, etwa das Hosen-Modell “Thor”. Die Designs der Hosen sind außerdem auf den ersten Blick sehr minimalistisch, aber wenn man genau hinsieht, entdeckt man versteckte Details. Wenn man unserer Hosen zum Beispiel von innen nach außen dreht, findet man kleine Geschichten darin, die erzählen, warum die Hose ihren Namen hat.

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Bild: Vienna.at

Ist ist schwierig, in Wien ein neues Produkt auf den Markt zu bringen?

Martin: Wien ist im Vergleich mit dem internationalen Fashion-Markt eine Stadt, die doch etwas nachzieht – und die man bei neuen Produkten erst einmal überzeugen muss. Aber das ist derzeit im Umbruch: Früher war Wien noch viel konservativer, man traut sich hier schon viel mehr. Das sieht man auch bei der Vienna Fashion Week. Wir haben als Models die Anfänge davon miterlebt, und da hat sich einiges getan. Es findet eine Evolution in die richtige Richtung statt. Wir wollen mit unseren Designs aber weniger polarisieren, sondern daran erinnern, warum man Mode trägt: Es soll stylish sein, aber vor allem bequem!

Die Show von Verdandy auf der Vienna Fashion Week findet am 11. September um 15.00 Uhr statt. Die Mode der Linie gibt es exklusiv in der Boutique Runway (Goldschmiedgasse 10, 1010 Wien) und im Addicted to Rock Store (Getreidemarkt 11, 1060 Wien).

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