Die acht erstaunlichsten Videospielverfilmungen

Von Christoph Stachowetz
"Street Fighter" mit JCVD und Kylie Minogue: Ein nennenswerter Vertreter in Sachen Videospielverfilmungen
"Street Fighter" mit JCVD und Kylie Minogue: Ein nennenswerter Vertreter in Sachen Videospielverfilmungen - © Sony Home Entertainment
Bei den Kritiker fürchterlich gefloppt, dennoch bereits mit den bisherigen Einnahmen das doppelte Budget eingenommen: “Warcraft: The Beginning” zeigt gerade, dass das Thema Videospielverfilmung noch lange nicht vom Tisch ist (siehe auch: “Assassin’s Creed” mit Michael Fassbender). Ein Blick auf die erstaunlichsten Vertreter im Gerne bietet sich geradezu an.

Eines vorweg: Die Wortwahl “erstaunlich” wurde mit Bedacht gewählt, zählen doch einige der hier aufgeführten Filme nicht gerade zu den kreativsten Glanzleistungen der gesamten Branche. Gut oder schlecht liegt aber glücklicherweise oftmals im Auge des Betrachters und so kann auch ein gefloppter bzw. verschmähter Film bei genauerer Analyse oder mittels Hintergrundinfos genug Unterhaltung für einen vergnüglichen Abend bieten.

Super Mario Bros.

Genau einen dieser Superflops und wegweisend schlechten Filmen stellt “Super Mario Bros. von 1993 dar: Zumindest oberflächlich darf das Werk mit der auch damals schon legendären Spieleserie locken, die Ernüchterung folgt jedoch schnell. Bob Hoskins und John Leguizamo als Klempner-Brüderpaar (mit Nachnamen Mario wohlgemerkt, also Mario Mario und Luigi Mario) bringen zumindest etwas Leben in das überraschend trostlose Setting des Films, Bösewicht King Koopa wird von niemand anderem als Dennis Hopper gespielt, der in seiner Rolle in vielerlei Hinsicht Angst und Schrecken verbreitet. Viel Schleim, deplazierter Humor und eine absurde Handlung abseits aller Videospielvorlagen haben dabei wohl genau das ergeben, was man sich von einer Umsetzung eines Jump’n Runs erwarten konnte.

Warcraft

Die nächste Anomalie auf der Liste, dabei jedoch in einem weit größeren Ausmaß, als dies vielleicht auf den ersten Blick der Fall sein mag. Von Kritikern als belangloses und gerade noch für Fans der Vorlage erträgliches Werk betitelt, konnte momentan mit einem gigantischen Fall in Sachen Ticketverkäufen in den USA von sich reden machen. Nicht minder erwähnenswert ist jedoch die Tatsache, das “Warcraft: The Beginning” in China aktuell alle Rekorde sprengt: Mit massiven Einspielergebnissen vor allem aus dieser Region hat ist der Titel zum Erfolgreichsten des ganzen Genres aufgestiegen. Bei einem Budget von 160 Millionen US-Dollar wurden bisher 377 Millionen eingespielt (200 davon allein in China). Regisseur Duncan Jones steht jedenfalls für eine Fortsetzung schon bereit.

Final Fantasy – Die Mächte in dir

Man nehme eine rund um den Globus erfolgreiche Videospielvorlage, einen namhafte Besetzung mit einigen hochkarätigen Stars aus Hollywood und die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eindrucksvollsten CGI-Effekte: Alle Zutaten für einen großen Erfolg sollten bei “Final Fantasy – Die Mächte in dir” vorhanden sein. Doch es kam anders als erwartet: Ein gewaltiger Flop an den Kinokassen sollte abermals vorführen, das mit Namen und Technik allein noch kein Blockbuster aus dem Boden zu stampfen ist. Eine Besetzungsliste rund um Ving Rhames, Steve Buscemi, Donald Sutherland, Alec Baldwin und James Woods konnte trotz hörbarem Bemühen auch nichts daran ändern. Die finanziellen Einbußen seitens Produzenten Square sollten sogar soweit gehen, das die geplante Zusammenführung mit Softwarehersteller Enix verzögert wurde.

Prince of Persia – Der Sand der Zeit

Die Versuche Hollywoods, mithilfe einer Videospielverfilmung den Nerv der Zuseher zu treffen, sollten kein Ende nehmen. Auch Erfahrungen mit spektakulär gescheiterten Jump’n Runs waren augenscheinlich kein Anlass um erneut einen Anlauf in diese Richtung zu wagen: Mit “Prince of Persia – Der Sand der Zeit” wurde Filmemacher Mike Newell mit einer Umsetzung eines weiteren legendären Videospielvertreters beauftragt. Warum gerade der Regisseur des Gangsterdramas “Donnie Brasco”, “Vier Hochzeiten und ein Todesfall” und “Die Liebe in den Zeiten der Cholera” engagiert wurde? Vermutlich weil er mit dem 2005 erschienen “Harry Potter und der Feuerkelch” gezeigt hat, das er mit Fantasy-Vorlagen umgeben kann. So konnte die Verfilmung rund um einen verstoßenen Prinzen, der mit einem Dolch die Zeit manipulieren kann, dann immerhin nicht nur verhältnismäßig akzeptable Kritiken einfahren, sondern auch zur erfolgreichsten Videospielverfilmung (zumindest bis vor dem Erscheinen von “Warcraft: The Beginning” avancieren). Auch nett: Die Hauptrolle übernahm niemand geringeres als Jake Gyllenhaal, den Oberbösewicht durfte Ben Kingsley mimen.

Street Fighter

So schlecht, dass er schon wieder gut ist: Die Rede ist nicht von einer der diversen Videospielverfilmungen aus dem Hause Uwe Boll (u.a. “Alone in the Dark”, “BloodRayne”, “House of the Dead”), sondern von der Adaption des Prügelspiels mit dehnbarem Inder, massivem Russen-Wrestler und grünem Elektro-Biest: “Street Fighter”. Wie kann man rund um einen Martial Arts-Wettkampf eine etwas tiefgehendere Handlung mit halbwegs interessanten Charakteren gestaltet wurde etwa bereits mit “Der Mann mit der Todeskralle” oder auch “Bloodsport” vorgezeigt. Nimmt man dann auch für die Hauptrolle gleich den Protagonisten von “Bloodsport”, der als “The Muscels from Brussels” gerade einen Höhepunkt seiner Karriere erreicht hat, sollte nichts schiefgehen. Und genau hier kommen die diversen Artikel rund um “Street Fighter” den interessierten Zusehern zugute, schaffen sie doch damit ein weitaus interessanteres Gesamtbild eines Films, den man vorschnell als Trash abstempeln könnten. Schon fast spektakulär zum Scheitern verurteilte Drehbedingungen, Koks- und Thai-Massagen-süchtige Darsteller und eine schwerkranker Schauspieler, der während der Dreharbeiten mit mangelnder Energie und Gewichtsverlust zu kämpfen hatte, werfen ein gänzlich anderes Licht auf den Film. (Der vielleicht beste Artikel rund um die Dreharbeiten ist hier zu finden)

Mortal Kombat

Nochmal Kampfsport-Turnier: Diesmal findet sich sogar schon im Vorfeld eine Story, wenn auch nicht gerade eine sonderlich tiefgehende. Ein böser Weltenherrscher drängt auf seine baldige Unterwerfung der Erde, nur ein blutiges Turnier der besten Krieger, “Mortal Kombat” eben, kann die Invasion aufhalten. Die illustre Charaktere kennen Fans der Spieleserie natürlich bereits in- und auswendig: Donnergott Raiden (verkörpert vom damals noch bekannteren “Higlander”-Schauspieler Christopher Lambert), Macho-Man Johnny Cage (hätte eigentlich von Jean-Claude Van Damme gespielt werden sollen) und auch der vierarmige Hüne Goro sind vertreten. Die vielleicht größte Überraschung: Der Film konnte nicht nur das Publikum, sondern auch einige Kritiker überzeugen.

Angry Birds

Spaßiges Gameplay, kunterbunte Präsentation, geringer Preis: Kein Wunder, dass das Smartphone-Spiel “Angry Birds” mehr als ein Dutzend Fortsetzungen und Spin-Offs erhalten hat, millionenfach runtergeladen wurde und sogar ein dazu passender Freizeitpark in Finnland mit einer Vielzahl an Attraktionen eröffnet wurde. Das ein Film rund um flügellahme Vögel, die ihre gestohlene Eier von grünen Schweinen mit brachialer Gewalt zurückerobern wollen, in Auftrag gegeben wird, liegt da auf der Hand. Eine 100 Millionen Dollar Produktion mitsamt dreimal so großer Marketing-Kampagne später erscheint im Mai 2016 also “Angry Birds”, die Erinnerung daran dürfte bei den meisten jedoch schon wieder verflogen sein.

Resident Evil

Videospiele und Filme gehen im “Resident Evil”-Franchise fast Hand in Hand: Je mehr Fortsetzungen spendiert wurden, desto lachhafter präsentierten sich sowohl Charaktere als auch die Handlung selbst. Wo einst noch mit Horror und Spannung gearbeitet wurde, ist nun letzlich pure, dabei aber belanglos inszenierte bzw. progammierte Action anzutreffen. Sieht man sich die (meist) von Regisseur Paul W. S. Anderson in Szene gesetzen Werke an, so wird schnell klar, dass die Filme selbst so beliebig, austauschbar und verwirrend sind wie die Gestaltung ihrer Titel. Welcher Teil ist etwa “Resident Evil: Afterlife”? Welcher “Resident Evil: Retribution”? Wie passt “Resident Evil: Apocalypse” in das Ganze? Fragen über Fragen, die vermutlich mit der körperbetonten Inszenierung von Hauptdarstellerin Milla Jovovich (die übrigens mit Paul W. S. Anderson verheiratet ist) und absurden, verstandbetäubenden Actionsequenzen ausgelöscht werden sollen. Eine Rückbesinnung wie beim geplanten Videospielableger “Resident Evil 7” darf man jedenfalls nicht erwarten.

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen
Werbung