Der Exportschlager der japanischen Küche: Sushi in Wien

Von Sarah van den Berg
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Sushi gibt es in Wien in allen erdenklichen Arten - auch in einer österreichischen Version.
Sushi gibt es in Wien in allen erdenklichen Arten - auch in einer österreichischen Version. - © dpa
Sushi ist Vertrauenssache, so viel steht fest. Denn auch wenn nicht immer roher Fisch im Spiel ist, handelt es sich bei Sushi ganz klar um eine der Speisen, bei Lebensmittelhygiene eine tragende Rolle spielt. Wer also einmal das Sushi-Restaurant seines Vertrauens gefunden hat, bleibt diesem treu. Nur: In Wien wird einem die Auswahl wirklich schwer gemacht, denn die Anzahl guter japanischer Restaurants ist stetig steigend.

Der Begriff Sushi wird im Japanischen durch das Schriftzeichen dargestellt, das gleichzeitig auch „langes Leben“ bedeutet. Das Wort leitet sich ab von dem altjapanischen Wort für sauer oder säuerlich und das ist Sushi ja letztendlich auch: ein Gericht aus erkaltetem, gesäuerten Reis. Und ein Gericht, das typischer für die japanische Küche nicht sein könnte. Schließlich versuchte man von jeher, mit dem auszukommen, was die Anbaumöglichkeiten auf der Insel hergaben. Das waren neben Reis vor allem Gemüse, Bohnen (insbesondere Soja-Bohnen), Hirse und Süßkartoffel. Außerdem werden auch Fisch und Seetang (Nori) in vielen Gerichten verwendet. Dass der Bedarf nicht immer ohne Import gedeckt werden kann, zeigt das Beispiel Obst sehr gut. Frisches Obst ist noch heute sehr teuer, da es zum Großteil importiert wird. Daher stellt es auch – für österreichische Verhältnisse schwer nachvollziehbar – ein beliebtes Geschenk dar und wird in vielen Geschäften direkt mit Geschenkverpackung angeboten.

Japanische Esskultur

Aber auch andere Besonderheiten Japans sind für Österreicher gewöhnungsbedürftig: Während es als extrem unhöflich gilt, sich bei Tisch die Nase zu putzen, ist Schlürfen (zumindest bei Männern) vollkommen in Ordnung. Sushi wird übrigens in Japan nicht mit Stäbchen gegessen, sondern mit den Händen zum Mund geführt. Eine weitere Besonderheit der japanischen Esskultur sind Bento-Boxen mit kleinen Portionen verschiedener Speisen. Diese werden eigentlich als Mittagessen mit in die Schule oder Arbeit genommen, sind aber in vielen Lokalen in Wien auch auf der Speisekarte zu finden und werden quasi als Bento-Teller serviert.

Sushi in Wien

Zwei Restaurant-Ketten sind in Wien unzertrennlich mit Sushi verbunden. Und beide haben – wie meistens bei Ketten der Fall – mindestens genauso viele Anhänger wie Kritiker. Das eine ist Akakiko mit mittlerweile neun Filialen und das Dots mit drei Filialen. Während man bei Akakiko „easy japanese Dining“ verspricht, gibt es bei Dots „experimental Sushi“ mit Mottos wie „Hello Kitty“ oder „Anti Pasti“. Hier werden heimische Zutaten wie etwa Spinat oder Frischkäse mit Sushireis zu einem Fusionsgericht, das für viele einfach zu österreichisch ist, um als japanisch gelten zu können. Erst kürzlich war das Lokal in den Schlagzeilen wegen eines Spiegels in einer Filiale (6., Mariahilfer Straße 103), der von der Herrentoilette Einblicke in die Damentoilette ermöglicht. Nach Protesten wurde der Spiegel nicht etwa entfernt, aber es wurde angekündigt, ihn in Zukunft umzudrehen, so dass die Frauen zu den Männern schauen können. Weitere Filialen gibt es in Döbling (Kahlenbergerstraße 1) und Landstraße (Arsenalstraße 1).

Mit „50 Prozent auf Sushi und Maki“ wirbt Natsu schon seit Bestehen des Restaurants im Jahr 2003. Mittlerweile gibt es drei Standorte in Wien: Zwei täglich durchgehend von 11 bis 23 Uhr geöffnete Restaurants (6., Gumpendorfer Straße 45 und 7., Burggasse 72) und ein Take-Away in der Passage der U2-Station Museumsquartier (Montag bis Samstag 11 bis 21 Uhr). Betreiberin Fangfang Jin hat zahlreiche Stammkunden gewinnen können, die nur einen Kritikpunkt kennen: die fehlende Hauszustellung. Tipp: Das vegetarische Sushi-Set.

Sosaku (7. Neustiftgasse 24) bietet „neue japanische Küche“. Auf der Karte finden sich Köstlichkeiten wie Avocadoravioli, Taco Sashimi oder Grüntee-Tiramisu. Preislich etwas höher, aber keinesfalls überzogen. Montag bis Freitag von 11.30 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr geöffnet, Samstag von 18 bis 23 Uhr.

Japanologie-Studenten lieben das Kuishimbo (6., Linke Wienzeile 40/6). Das Restaurant ist zwar sehr klein und da keine Reservierungen möglich sind, ist es schwierig einen Platz zu bekommen, aber die Küche hier ist authentisch. Es gibt japanisches Bier und neben Sushi, Maki und Currys auch bodenständige Hausmannskost. Wer nicht um einen Tisch bangen will, bestellt Essen zum Mitnehmen. Montag bis Samstag von 12 bis 21 Uhr geöffnet.

Luxus-Take-Away gibt es bei Teka Sushi (19, Billrothstraße 5). Geleifert wird in den 9., 18., 19. und 20. Bezirk, auch Abholung ist möglich. Es gibt ein eigenes Online-Bestellsystem und ein täglich wechselndes Mittagsmenü um stolze 9,30 Euro. Die Preise für einzelne Sushis hingegen liegen mit 1,10 bis 2,50 Euro pro Stück schon fast wieder im normalen Bereich. Montag bis Freitag von 11.30 bis 14.30 Uhr und 17 bis 22.30 Uhr geöffnet, Sonntag von 17 bis 22.30 Uhr.

Ins Senkoma (1., Kärntner Straße 44) geht man nicht hauptsächlich wegen des Essens. Die Attraktion hier ist nämlich eine andere: Die vermutlich einzige japanische Karaoke-Maschine Wiens mit unglaublichen 35.000 (!) Songs befindet sich in diesem Restaurant. Montag bis Samstag von 12 bis 15 Uhr und 18 bis 24 Uhr geöffnet.

Weitere Artikel aus der Reihe „Kulinarische Weltreise durch Wien“ behandeln norddeutsche, indische und französische Küche in Wien. (SVA)

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