Carol – Trailer und Kritik zum Film

Carol – Trailer und Kritik zum Film
Todd Haynes versteht es, vergangene Zeiten elegant auszuschmücken und zugleich ihre moralischen Grenzen zu zeigen. Nach “Dem Himmel so fern” und der Miniserie “Mildred Pierce” ist auch “Carol” ein visuell makelloses Melodram geworden, das auch dank seiner Hauptdarstellerinnen Cate Blanchett und Rooney Mara geradezu hypnotisierend wirkt.

In der Vorweihnachtszeit im Jahr 1951 verdient sich die junge Therese Belivet (Mara) ihr Geld nicht wie erträumt als Fotografin, sondern als Verkäuferin in einem schicken New Yorker Kaufhaus.

Carol – Die Geschichte

Ihr monotoner Arbeitsalltag hinter der Theke der Spielzeugabteilung wird versüßt, als die galante Blondine Carol Aird (Blanchett) erscheint. Therese fühlt sich sofort zu der rund 20 Jahre älteren Frau, die ein Geschenk für ihre kleine Tochter Rindy sucht, hingezogen. Und erhält mit den Handschuhen, die Carol auf der Theke liegen lässt, eine Möglichkeit zur erneuten Kontaktaufnahme.

Wenige Tage später sitzen die beiden Frauen bei Martinis und Zigaretten beim Mittagessen. Die gegenseitige Anziehung ist spürbar, und schon bald sehen sie sich wieder. Ein gemeinsamer Road Trip in Richtung Chicago rund um Weihnachten hat schließlich schwerwiegende Folgen. Denn neben Thereses Verehrer Richard (Jake Lacy), der auf eine gemeinsame Europareise und Heirat hofft, wird auch Carols wohlhabender Ehemann Harge (Kyle Chandler) vor den Kopf gestoßen. Der weiß seit der engen Verbindung von Carol und ihrer Freundin Abby (Sarah Paulson) zwar schon lange von den wahren Bedürfnissen seiner Frau, will die laufende Scheidung aber nicht akzeptieren. Und nutzt nun die neu aufkeimende Liebe von Carol und Therese als Mittel im Sorgerechtskampf um die gemeinsame Tochter…

Als Patricia Highsmith als 30-Jährige ihren Roman “Salz und sein Preis” 1952 unter einem Pseudonym veröffentlichte, war sie ihrer Zeit voraus. Der Roman über die verpönte Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen erschien in einem von Angst und Paranoia befeuerten, homophoben Klima, das in Phyllis Nagis’ Drehbuchadaption für “Carol” nur in den Reaktionen von Harge und Richard hervorblitzt. Schrieb Highsmith ihren Roman noch aus Thereses Perspektive, lässt US-Regisseur Todd Haynes (54) eine beinahe gleichberechtigte Erzählung zu, und trägt sein Film nun den Namen jener Protagonistin, die mehr zu verlieren haben scheint.

Carol – Die Kritik

Cate Blanchett (46), die in Haynes’ ungewöhnlichem Biopic “I’m Not There” eine von sechs Bob-Dylan-Darstellern war, ist auch hier absoluter Blickfang. Die Oscarpreisträgerin verkörpert die vermögende Dame der Gesellschaft jedoch wesentlich zurückgenommener als zuletzt in Woody Allens “Blue Jasmine”, gibt Carol als ihr eigentliches Wesen unterdrückende, im herrschaftlichen Anwesen spürbar eingeengte Hausfrau, die sich mit dem Auftritt Thereses weit aus dem Fenster lehnt und zunehmend verletzlicher erscheint. Als “Wesen von einem anderen Stern” bezeichnet Carol die reservierte, stille Therese beim ersten gemeinsamen Essen, und tatsächlich wirkt Rooney Mara (“Verblendung”) an Blanchetts Seite stets ein wenig entrückt, wartend, dass etwas passiert und doch mutig bereit, am Wendepunkt ihres jungen Lebens den schwierigeren Weg zu gehen.

Für ihr subtiles Spiel erhielt Mara bei den Filmfestspielen von Cannes den Darstellerpreis, im Gedächtnis bleibt von “Carol” aber das einnehmende Zusammenspiel der beiden: Einzig durch schüchterne Blicke, kleine Gesten und verstecktes Lächeln geben Carol und Therese ihre Gefühle preis, sprechen das, was sie zurückhält oder auch antreibt, nie aus. Haynes lässt dieses Begehren langsam und stetig aufkeimen, inszeniert die Entladung der aufgestauten Sehnsucht schließlich in einem wunderschön unaufgeregten, zarten Moment in einem Motel in Waterloo (Iowa).

Sein Kameramann Ed Lachmann filmt die zaghafte Annäherung oft durch Glas, durch Fenster und offenstehende Türen. Detailaufnahmen wechseln sich mit Totalen, das in matten, dunklen Tönen gehaltene Produktionsdesign von Judy Becker und Kostümdesign von Sandy Powell schafft eine realistische, elegante Oberfläche, unter der sich eine komplexe, und doch universelle Geschichte verbirgt: Jene einer durch Umstände verunmöglichte Liebe, die sich im Zweifel dann doch ihre Wege bahnt. So ist “Carol” ein optisch wie darstellerisch makelloser Film und der trotzdem noch nahe geht.

(APA)

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