By the Sea – Trailer und Kritik zum Film

By the Sea – Trailer und Kritik zum Film
Angelina Jolie versucht sich mit ihrem neuen Werk “By the Sea” an der Nouvelle Vague. Damit scheitert der Hollywoodstar grandios, sollte ihre Absicht als Drehbuchautorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin nicht gewesen sein, die Ödnis einer Beziehung durch einen öden Film zu vermitteln.

Über quälende zweieinviertel Stunden hinweg zeigt die Filmemacherin ab Donnerstag im Kino – praktisch nichts.

By the Sea – Die Geschichte

Die “Handlung” ist schnell erzählt: Anfang der 1970er kommt die depressive, tablettenschluckende Ex-Tänzerin Vanessa (Jolie) mit ihrem saufenden Schriftstellerehemann Roland (Brad Pitt, erstmals seit “Mr. & Mrs. Smith” 2005 wieder gemeinsam mit Jolie vor der Kamera) in ein Hotel an einer einsamen, französischen Bucht. Zu sagen hat man sich nichts mehr. Vanessa verlässt das Hotelzimmer praktisch nicht, während Roland im gegenüberliegenden Cafe säuft und kurze Beziehungsgespräche mit dessen Besitzer Michel (Niels Arestrup) führt.

So viel zur ersten Stunde des Films, der sich zäh wie eine Speckschwarte zieht und das Gefühl vermittelt, man wohne in Echtzeit dem mehrere Wochen dauernden Aufenthalt bei. Viele kurze Sequenzen reihen sich wortlos aneinander, dabei oftmals die gleichen Einstellungen und Kameraperspektiven immer und immer wiederholend. Der einzige Lichtblick in dieser Hölle des Stillstands sind die ästhetischen Bildern des Haneke-Kameramanns Christian Berger (“Das weiße Band”), der immerhin eine gewisse Variantenbreite zwischen Nahaufnahmen und statischen Tableaus bieten darf.

By the Sea – Die Kritik

Nach einer Stunde gibt es dann eine kurze Bewegung in der drögen Stagnation, als Vanessa ein Loch in der Wand entdeckt, durch das man das Nebenzimmer beobachten kann. Dort sind Lea (die großartige, aus “Inglourious Basterds” bekannte Melanie Laurent) und Francois (Melvil Poupaud) auf Hochzeitsreise und entsprechend sexuell aktiv. Der voyeuristische Blick positioniert diese als Wunschbild zum Paar in der Krise. Leider bleibt der Fokus jedoch auf Vanessa und Roland, die ihren Routinen auch durch kurze Begegnungen mit ihren Nachbarn nicht entkommen können. Natürlich steckt hinter der Entfremdung der beiden ein traumatisches Erlebnis, das am Ende enthüllt wird, wobei jeder soap-affine Zuschauer schon seit zwei Stunden erraten hat, welches schlimme Erlebnis eine Frau Ende 30 traumatisiert haben könnte…

“By the Sea” nimmt sich viel Zeit für seine Figuren – was daran liegt, dass er nichts anderes zur Verfügung hat, auf das er sich konzentrieren könnte. Allerdings liegt hier die Fehleinschätzung vor, dass es reichen würde, die Kamera auf ein Gesicht zu halten, um eine Geschichte zu erzählen. Dazu müsste sich in diesem Gesicht etwas bewegen können, Emotionen oder Gedanken spiegeln, was bei Angelina Jolie schlichtweg nicht der Fall ist. Mit einer Einheitsmimik, die an den Modelgesichtsausdruck aus Ben Stillers Komödie “Zoolander” erinnert, wirkt die Schauspielerin wie die späte Hildegard Knef. Für die Rolle der nervigen Depri-Diva irgendeine Form von Empathie oder zumindest Interesse aufzubringen, dürfte den wenigsten Zuschauern gelingen. Und so leidet man 132 Minuten wie die Figuren – allerdings nicht aus den gleichen Gründen.

(APA)

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