Brutaler Kredithai steht wegen schwerer Erpressung in Wien vor Gericht

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Ein brutaler Kredithai muss sich am Dienstag in Wien vor Gericht verantworten.
Ein brutaler Kredithai muss sich am Dienstag in Wien vor Gericht verantworten. - © APA (Symbolbild)
Ab Dienstag muss sich ein äußerst brutaler Kredithai, der seine Opfer eingeschüchtert, bedroht und attackiert haben soll, vor dem Wiener Straflandesgericht unter anderem wegen schwerer Erpressung verantworten.

Der 45-jährige Burgenländer soll seit dem Jahr 2007 Menschen in prekären finanziellen Lebenslagen einen privaten Kredit mit horrenden Zinsen verliehen haben. Wenn sie nicht zahlen konnten, wurden die Opfer eingeschüchtert, bedroht und auch attackiert.Wien. Laut Staatsanwaltschaft hat der selbstständige Inkasso-Unternehmer die Zwangslage seiner Opfer ausgenutzt, da sie nirgends mehr einen Kredit bekamen.

Kredit für 25 Prozent Zinsen monatlich

Als privater Geldverleiher gewährte er vermögens- und mittellosen Schuldnern Darlehen – vier- bis fünfstellige Beträge in mindestens 66 Fällen – und verlangte horrende Wucherzinsen in der Höhe von zehn bis 25 Prozent monatlich. Bei den Opfern handelte es sich um verzweifelte Menschen, einige waren spiel- oder drogensüchtig oder standen kurz vor der Zwangsdelogierung.

Die Vereinbarungen zu den Darlehen wurden laut Staatsanwaltschaft in der Regel mündlich abgeschlossen. Die Schuldner wussten nichts über die Laufzeit bzw. über Verzugszinsen. Der 45-Jährige legte nur die monatlichen Zahlungen fest. Im Falle von Verzug setzte der Burgenländer auch Strafzinsen an, deren Höhe er laut Anklage willkürlich festsetzte. Die Opfer durften den geschuldeten Betrag auch nicht nach und nach abstottern, sondern mussten alles auf einmal zurückzahlen – was sie natürlich nicht konnten und die Schulden häuften sich weiter an. So bekam ein Schuldner von dem Burgenländer im Sommer 2012 ein Darlehen in der Höhe von 1.500 Euro. Fünf Jahre lang zahlte er 150 Euro monatlich, um den Kredit zurückzuzahlen, sodass er am Ende 9.000 Euro reine Zinszahlungen an den 45-Jährigen übergeben hatte.

Ein Schuldner versuchte sich das Leben zu nehmen

Der Burgenländer übte starken Druck auf seine Opfer aus, indem er persönlich, in Anrufen und per SMS stets betonte, er könne sie und ihre Familien leicht aufspüren. Ein Schuldner versuchte sich sogar das Leben zu nehmen, weil er nicht mehr weiter wusste. Er ist bis heute in psychologischer Behandlung.

Kredithai drohte einer Mutter mit dem Tod

Einer jungen Mutter setzte der 45-Jährige ebenfalls stark zu. Er drohte ihr, sie auf den Strich zu schicken, sollte sie die Schulden nicht bezahlen können. Ansonsten würde ein Fahrzeug sie und ihren kleinen Sohn am Weg vom Kindergarten erfassen. Um den Drohungen Nachdruck zu verleihen, zeigte der Burgenländer der Frau seine Waffen – eine Pistole, ein Messer, einen Baseballschläger und einen Totschläger. Im Jänner 2016 fügte er der Frau eine Quetschung an der Hand zu. Danach begleitete er sie noch ins Krankenhaus, bläute ihr dabei ständig ein, sie soll sagen, dass es ein Unfall gewesen sei und sie gegen eine Tür gelaufen sei.

Damit nicht genug, er zwang die junge Mutter dazu, den vorgeblichen Unfall ihrer Versicherung zu melden, um für die eigentlich vom Burgenländer zugefügte Verletzung auch noch Geld zu kassieren. Somit erhielt der 45-Jährige 1.458 Euro von der Unfallversicherung der Frau. Bei einem weitere Versicherungsbetrug auf eine ähnliche Art und Weise bekam er weitere 1.900 Euro.

Mann engagierte Tschetschenen als Geldeintreiber

Als der 45-Jährige mitbekam, dass Mitte 2017 bereits die Polizei gegen ihn ermittelte, engagierte er zwei Tschetschenen, die für ihn als Geldeintreiber fungierten und den Schuldnern weiter Furcht einflößen sollten. Auch nach seiner Festnahme ließ er sich nicht davon abhalten, seine Klienten aus der Haft heraus mit illegal beschafften Mobiltelefonen zu kontaktieren. Die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung einen vom 45-Jährigen erstellten Sparplan. Bis zum 1. März 2020 hätte er mit seinen Machenschaften 450.000 Euro erwirtschaften wollen.

Der Burgenländer, der von Anwalt Andreas Reichenbach vertreten wird, hat bisher nicht gestanden. Er gab an, dass die Schuldner ihn nur deshalb belasten, damit er eine lange Haftstrafe bekomme und die Betroffenen so ihre Darlehen nicht mehr zahlen müssen.

Dem 45-Jährigen werden neben schwerer Erpressung auch Geldwucher, Körperverletzung, Betrug, gefährliche Drohung und falsche Beweisaussage vorgeworfen. Für das Verfahren unter Leitung von Richterin Julia Matiasch sind aufgrund der Vielzahl der Vorwürfe acht Verhandlungstage anberaumt. Bis zum 20. April soll ein Urteil gefällt werden.

(APA/Red)

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