Brooklyn – Trailer und Kritik zum Film

Brooklyn – Trailer und Kritik zum Film
Es gibt wenige Filme, die einen derart beseelt zurücklassen wie “Brooklyn”. In John Crowleys für drei Oscars nominiertem Auswandererdrama glänzt die 21-jährige Saiorse Ronan als junge Irin, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben 1951 nach New York aufmacht.

Bald ist sie zwischen zwei Ländern, zwei Männern und zwei Lebensentwürfen hin- und hergerissen. Ab Freitag im Kino.

Brooklyn – Die Geschichte

Die irische Kleinstadt Enniscorthy hat für Eilis Lacey (Ronan) nichts zu bieten. Ihr Job in einem Lebensmittelladen unter einer tyrannischen Chefin ist schlecht bezahlt und auf Sonntage beschränkt, die jungen Männer im Dorf sind in ihrem machoiden Rugby-Fantum für die kluge junge Frau uninteressant. Auf Anraten ihrer älteren Schwester Rose (Fiona Glascott) und mithilfe des ausgewanderten katholischen Priesters Flood (Jim Broadbent) begibt sich Eilis auf die Überfahrt Richtung Amerika. Dort fängt sie im New Yorker Stadtteil Brooklyn neu an, arbeitet in einem Kaufhaus und wohnt mit weiteren ledigen irischen Immigrantinnen unter dem Dach der streng religiösen, aber liebenswerten Mrs. Keogh (wunderbar scharfzüngig: Julie Walters).

Heimweh und die Sehnsucht nach ihrer Mutter und Schwester scheinen Eilis in den ersten Wochen geradezu umzuhauen. Doch eine anbahnende Romanze mit dem jungen Italo-Amerikaner Tony Fiorello (Emory Cohen) und exzellente Noten im abendlichen Buchhaltungskurs heben bald ihre Stimmung und steigern ihre Hoffnung auf eine strahlende Zukunft in der Wahlheimat. Als ein Begräbnis und eine Hochzeit sie kurzzeitig zurück nach Irland ziehen, hat Tony Angst, sie zu verlieren – zu Recht, wie sich herausstellt. Denn in der einst so hoffnungslosen Heimat bieten sich Eilis plötzlich Möglichkeiten, die ihr zuvor noch schmerzlich gefehlt hatten: ein guter Job als Buchhalterin in einem respektablen Unternehmen und ein vielversprechender Verehrer in Form des charmanten Jim Farrell (aktuell äußerst umtriebig: Domhnall Gleeson).

Brooklyn – Die Kritik

Was Eilis erlebt und wobei das Publikum fortan regelrecht mitfiebert, ist mehr als nur ein gewöhnliches Liebesdreieck. Weder Tony noch Jim scheinen der “Falsche” für sie zu sein, beide sind sie charmante, ehrliche Männer, die Eilis Sicherheit bieten – jedoch auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Eine Entscheidung für einen von ihnen ist die Wahl eines bestimmten Lebensentwurfs, einer Heimat, mit der sie die andere gänzlich zurücklässt. Als Zuseher wird man sich dabei unweigerlich auf Tonys Seite wähnen: Jungstar Emory Cohen (25, “The Place Beyond the Pines”) gibt den ehrgeizigen Installateur und loyalen Baseball-Fan mit funkelnden Augen und verschmitztem Grinsen, das in entzückenden Szenen des Umwerbens signalisiert, wie glücklich er sich schätzt, allein in der Gegenwart der hübschen Eilis sein zu dürfen. Wenn Tony seine Angebete kurz vor ihrer Abreise auf die Hügel über den noch unbebauten Vorort Long Island führt, kann man sich die Zukunft, in der die beiden gemeinsam alt werden, bildlich vorstellen.

“Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten”, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Colm Tóibín, entführt in eine vergangene Zeit, ist aber nichtsdestotrotz aktuell. In Zeiten der Flüchtlingskrise, in denen sogenannte “Wirtschaftsflüchtlinge” in Verruf kommen, erzählt das Drama von einer jungen Frau, die nicht – wie Millionen von Iren und anderer Europäer vor ihr – vor Armut, Hunger oder Gewalt flüchtet, sondern vor fehlenden Gelegenheiten, Restriktion und Engstirnigkeit. Saoirse Ronan, einst Kinderstar und heute eine der vielversprechendsten Schauspielerinnen ihrer Generation, scheint als Eilis zunächst passiv und unberührt, weiß aber mit ihren Augen und kleinen Gesten den inneren Konflikt und die Sehnsüchte ihrer Figur zu vermitteln. Die Irin trägt den Film scheinbar mühelos in jeder einzelnen Szene – und wurde dafür nun nach “Abbitte” (2007) zum zweiten Mal für einen Oscar nominiert.

So zurückhaltend und subtil wie Ronans Darstellung ist auch die Inszenierung, die im besten Sinne wie aus der Zeit gefallen scheint. Sehnsüchte und Fragen des Erwachsenwerdens, der Heimat und der Loyalität verhandelt Regisseur John Crowley (“Boy A”) nach einem Drehbuch von Bestsellerautor Nick Hornby mit einer gewissen Nostalgie, aber ohne Pathos; mit Charme und trockenem Humor, ohne auf Tiefe zu verzichten. Eilis’ Wandlung im Laufe des Films äußert sich in zunehmend wärmeren Farben, in bunteren Kleidern, in erhabener Musik und aufgelockerter Erzählweise. Am Ende ist Eilis nicht mehr die, die sie bei ihrem Aufbruch nach Amerika war. Und als Zuseher wünscht man sich, man könnte sie noch länger auf ihrer Reise begleiten.

(APA)

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