Boykott wegen fehlender Vielfalt bei Academy Awards

Spike Lee kritisiert die diesjährigen Oscars
Spike Lee kritisiert die diesjährigen Oscars - © AP
“Wir können das nicht unterstützen”, meint Filmemacher Spike Lee und trifft dabei bei vielen Schauspielern und Regisseuren auf offene Ohren. Die Nicht-Nominierung schwarzer Schauspieler bei den Oscars, zieht Boykottaufrufe nach sich.

Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs reagierte auf Kritik um das Fehlen schwarzer Schauspieler bei der Oscar-Nominierung mit einer ihrer sonst seltenen Aussendungen. Sie sei “untröstlich und frustriert” ob der fehlenden Vielfalt unter den Nominierten, schrieb Isaacs in einem veröffentlichten Statement.

Boykottaufrufe oder Entschuldigung

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences unternehme drastische Schritte, um ihre Mitgliederschaft vielfältiger werden zu lassen. “Es ist Zeit für große Veränderungen”, so die Afroamerikanerin. “Unser Auftrag ist Inklusion in allen Belangen: Geschlecht, Rasse, Ethnizität und sexuelle Orientierung.”

Und die schien bisher nicht gegeben, wie eine Studie der “Los Angeles Times” aus dem Jahr 2014 aufzeigte. Demnach waren zu dem Zeitpunkt 94 Prozent der rund 6.000 Academy-Mitglieder, die über Oscar-Nominierungen und -Gewinner entscheiden, weiß und 77 Prozent männlich. Das Durchschnittsalter betrug 63 Jahre. Die in den vergangenen Jahren in Gang gesetzten Veränderungen, so Isaacs, “treten nicht so schnell ein, wie wir uns das gewünscht hätten”.

Aufregung rund um Oscar-Nominierungen

Ein Mitglied, das sich mit der Akademie nicht identifiziert, ist David Oyelowo. Im Vorjahr trotz seiner viel gepriesenen Darstellung als Martin Luther King in “Selma” bei den Oscar-Nominierungen übergangen, kritisierte der Schauspieler die Academy bei einer Gala zu Ehren von Isaacs am Montagabend in Los Angeles (Ortszeit) scharf. “Die Academy hat ein Problem”, sagte der Brite, “ein Problem, das gelöst werden muss.” Es sei eine Sache, wenn schwarze Darsteller in einem Jahr in sämtlichen 20 Darstellerkategorien fehlten. “Aber dass das dieses Jahr wieder passiert, ist unverzeihlich.”

Laut Regisseur Spike Lee sei das Problem nicht beim Filmpreis selbst zu suchen, sondern bei den Verantwortlichen in den Hollywoodstudios. Diese würden Filmrollen, die Aussicht auf einen Oscar haben, nicht mit dunkelhäutigen Schauspielern besetzen. Einer der Gründe sei der Mangel an schwarzen Entscheidungsträgern in der US-Filmindustrie. “Es ist einfacher für einen Schwarzen US-Präsident zu werden als ein Studio zu führen”, schlussfolgerte Lee, der erst im November von der Academy für sein Lebenswerk geehrt wurde.

Boykottaufrufe nach #OscarsSoWhite

Unterstützung erhält Lee u.a. von Jada Pinkett-Smith. Ihrem Ehemann, Hollywoodstar Will Smith, waren Chancen auf eine Nominierung für seine Rolle im Footballdrama “Erschütternde Wahrheit” (Original: “Concussion”) eingerechnet worden. Er ging aber ebenso leer aus wie seine schwarzen Kollegen Michael B. Jordan (“Creed: Rocky’s Legacy”), Idris Elba (“Beasts of No Nation”) sowie das Ensemble des Hip-Hop-Hits “Straight Outta Compton”. “Das Betteln um Anerkennung oder sogar das Fragen danach verringert Würde und verringert Macht, und wir sind würdevolle Menschen und mächtig”, sagte Pinkett-Smith in einem auf Facebook veröffentlichten Video. “Ich werde nicht bei der Oscar-Verleihung sein und ich werde sie mir nicht anschauen.”

#OscarsSoWhite… Again. I Would Like To Thank President Cheryl Boone Isaacs And The Board Of Governors Of The Academy Of Motion Pictures Arts And Sciences For Awarding Me an Honorary Oscar This Past November. I Am Most Appreciative. However My Wife, Mrs. Tonya Lewis Lee And I Will Not Be Attending The Oscar Ceremony This Coming February. We Cannot Support It And Mean No Disrespect To My Friends, Host Chris Rock and Producer Reggie Hudlin, President Isaacs And The Academy. But, How Is It Possible For The 2nd Consecutive Year All 20 Contenders Under The Actor Category Are White? And Let’s Not Even Get Into The Other Branches. 40 White Actors In 2 Years And No Flava At All. We Can’t Act?! WTF!! It’s No Coincidence I’m Writing This As We Celebrate The 30th Anniversary Of Dr. Martin Luther King Jr’s Birthday. Dr. King Said “There Comes A Time When One Must Take A Position That Is Neither Safe, Nor Politic, Nor Popular But He Must Take It Because Conscience Tells Him It’s Right”. For Too Many Years When The Oscars Nominations Are Revealed, My Office Phone Rings Off The Hook With The Media Asking Me My Opinion About The Lack Of African-Americans And This Year Was No Different. For Once, (Maybe) I Would Like The Media To Ask All The White Nominees And Studio Heads How They Feel About Another All White Ballot. If Someone Has Addressed This And I Missed It Then I Stand Mistaken. As I See It, The Academy Awards Is Not Where The “Real” Battle Is. It’s In The Executive Office Of The Hollywood Studios And TV And Cable Networks. This Is Where The Gate Keepers Decide What Gets Made And What Gets Jettisoned To “Turnaround” Or Scrap Heap. This Is What’s Important. The Gate Keepers. Those With “The Green Light” Vote. As The Great Actor Leslie Odom Jr. Sings And Dances In The Game Changing Broadway Musical HAMILTON, “I WANNA BE IN THE ROOM WHERE IT HAPPENS”. People, The Truth Is We Ain’t In Those Rooms And Until Minorities Are, The Oscar Nominees Will Remain Lilly White. (Cont’d)

Ein von Spike Lee (@officialspikelee) gepostetes Foto am

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hatte am 14. Jänner die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben. Kurz darauf startete in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #OscarsSoWhite die Kritik am Fehlen schwarzer Oscar-Anwärter. Moderiert wird die Preisverleihung am 28. Februar vom schwarzen Komiker Chris Rock, der mit seiner Kritik an der fehlenden Diversität ebenfalls nicht zurückhielt: Auf Twitter bezeichnete er die Oscars als “weiße Version der BET Awards” – jenen Preisen, die alljährlich dezidiert an afroamerikanische Künstler vergeben werden.

> Alle Informationen zu den Oscars 2016

(Red./APA)

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