Bluttat am Brunnenmarkt: 54-Jährige wurde in Wien-Simmering bestattet

Bei der Bestattung am Simmeringer Friedhof
Bei der Bestattung am Simmeringer Friedhof - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Am Simmeringer Friedhof in Wien ist am Dienstag das Opfer der Bluttat vom Brunnenmarkt in Ottakring bestattet worden. Rund hundert Personen fanden sich am frühen Nachmittag bei der Trauerfeier in Wien-Simmering ein.

Dem Wunsch des Witwers der 54-Jährigen nach einem würdevollen Begräbnis wurde entsprochen. Unterdessen nimmt die vom Justizminister eingerichtete Sonderkommission Form an.

Bluttat am Brunnenmarkt: “Abscheuliche Tat”

Während der Trauerfeier in der Pfarrkirche bezeichnete der Geistliche die tödliche Attacke auf die Putzfrau in der Nacht auf den 4. Mai als “abscheuliche Tat, die absolut keiner versteht”. Danach setzte sich der Trauerzug unter der musikalischen Begleitung von Johann Sebastian Bachs “Air” in Bewegung.

Wegen des großen Andrangs verfolgten zuvor viele der Anwesenden die Trauerrede beim Haupteingang vor der Kirche. Unter den Trauergästen befanden sich auch der Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus und der Simmeringer Bezirksvorsteher Paul Stadler, beide von der FPÖ. Die von einem Kenianer mit einer Eisenstange getötete Frau war ein Mitglied der Freiheitlichen Partei.

21-jähriger in U-Haft

Der 21-Jährige, der die Frau auf ihrem Weg zur Arbeit am Brunnenmarkt erschlagen hat, befindet sich seit 6. Mai in Untersuchungshaft. Ein psychiatrisches Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hat als Konsequenz aus der Bluttat eine Sonderkommission unter Leitung des Vizepräsidenten des Wiener Landesgerichts für Zivilrechtsachen, Helfried Haas, eingerichtet. Diese soll allfälliges Behördenversagen im Vorfeld des Mordfalles klären, nachdem der psychisch auffällige Tatverdächtige ohne Aufenthaltstitel bereits seit Oktober 2010 mehrfach juristisch aufgefallen war.

“Im Großen und Ganzen ist die Kommission beisammen”, sagte Haas am Dienstag im Gespräch mit der APA. Bei der Bestellung hatte der Vizepräsident freie Hand, er holte sich zahlreiche hochrangige Fachleute ins Team, darunter auch Sektionschefs von Justiz- und Innenministerium. Ausständig ist auch noch die formelle Bestellung durch den Minister, diese soll spätestens Anfang kommender Woche passieren. Die Experten seien bereits dabei, Material zu sammeln. “Jeder sichtet in seinem Bereich Unterlagen, diese werden bei der ersten Sitzung zusammengetragen, dass wir dann bereits inhaltlich arbeiten können”, erklärte Haas.

Sonderkommission nimmt Form an

Einen ersten Zwischenbericht erwartet sich der Zivilrichter in zwei Monaten. Die Arbeit der Sonderkommission könne auch zu gesetzlichen Änderungen führen. “Es kann sein, dass man an der einen oder anderen Schraube das Gesetz drehen muss, um besser rasch helfen zu können und eine Gefährlichkeit rechtzeitig einzudämmen”, erklärte Haas. “Es ist auch möglich, dass uns jetzt eine Institution fehlt, um Leute kurzfristig in einer geschlossenen Station anhalten zu können, ohne dass dies ein Gefängnis oder eine psychiatrische Anstalt ist. Mit einer neuen Einrichtung könnte “jemand kurzfristig zwangsweise sozialpädagogisch angehalten werden, um mit ihm in Kontakt zu treten und zur Kooperationsbereitschaft zu motivieren”, sagte Haas. All das müssen sich jedoch erst die Fachleute der Soko überlegen.

(apa/red)

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