Blick Hinter die Kulissen: Gemälde-Restaurierung im Kunsthistorischen Museum

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KHM-Restauratorin bei der Vorbereitung zur großen Rubens-Ausstellung.
KHM-Restauratorin bei der Vorbereitung zur großen Rubens-Ausstellung. - © APA
In der Restaurierwerkstätte der KHM-Gemäldegalerie stehen die Vorarbeiten für große Ausstellungen zum Werk von Rubens (2017) und Bruegel (2018) an. Ein blick hinter die Kulissen zeigt, wie der Tag von Ina Slama, Restauratorin am Kunsthistorischen Museum in Wien abläuft.

Auch bei einem genaueren Blick auf Peter Paul Rubens’ vermutlich um 1620/1625 begonnene und über Jahre weiterentwickelte “Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis” wird nicht gleich ersichtlich, dass die großflächige Landschaft und die Gestalten aus der griechischen Mythologie auf einer aus insgesamt 18 Brettern zusammengesetzten Eichenholztafel gemalt wurden. Das bringt Probleme mit sich – “Herausforderungen”, wie es Slama ausdrückt, die auch noch fast ein Jahr mit Rubens “Venus frigida” aus 1614 beschäftigt sein wird. Einer Leihgabe des Königlichen Museums der Schönen Künste in Antwerpen.

Restauration im Kunsthistorischen Museum Wien

Neben der detektivischen Arbeit des Freilegens des “wunderbar erhaltenen” Originals unter einem “dicken Paket” aus früheren Restaurierungsbemühungen und transparenten Schutzanstrichen, ist es auch die Zusammensetzung der Bildträger, die Slama und ihren Kollegen Kopfzerbrechen bereitet. So hat auch “Philemon und Baucis'” 500 Jahre alter Holzuntergrund immer noch ein gewisses Eigenleben. Manche der Holzbretter tanzen aufgrund ihrer entgegengesetzten Faserrichtung stärker aus der Reihe. All das führt zu Rissen im Holz, lässt Farbschichten kleine Blasen werfen oder gar Spalten zwischen den einzelnen Tafelteilen entstehen.

Im 19. Jahrhundert wollten Vorgänger der nun im Haus an der Ringstraße tätigen Restauratoren und Wissenschafter diese Entwicklung zähmen, indem die Rückseiten der Tafeln abgehobelt wurden und eine feste Holzstruktur genannt “Parkettierung” das Verwölben der Tafeln verhindern sollte. In entfernterer Vergangenheit schreckte man auch nicht davor zurück, Nägel auf der bemalten Seite des Rubens-Meisterwerks, das in einer Auktion vermutlich hohe zweistellige Millionenbeträge erzielen würde, einzuschlagen und diese dann zu übermalen.

Mit den Folgen solcher einst gut gemeinter Praktiken setzen sich heute Restauratoren aus zahlreichen renommierten Museen in einem groß angelegten, von der Getty Foundation unterstützten Forschungsprojekt auseinander. Im Rahmen der “Panel Painting Initiative” ersann man etwa eine neue, flexible Halterung für das Holztafel-Mosaik auf dem Rubens “Philemon und Baucis” erschuf.

“Rubens Metamorphosen” ab 2017 im KHM

“Das wird sicher der Höhepunkt der Ausstellung”, sagt Gerlinde Gruber, Kuratorin für flämische Barockmalerei im Hinblick auf die in Herbst 2017 beginnende Schau “Rubens Metamorphosen”. Das liege einerseits am starken Ausdruck des in KHM-Besitz befindlichen Bildes und andererseits auch an seiner Entstehungsgeschichte. “Rubens hat es zu seiner eigenen Freude gemalt und wie alle seine Landschaftsbilder nie verkauft”, erklärte Gruber. Bei genauer Analyse werde klar, dass der Meister immer wieder neue Ideen dafür hatte. Das Bild sei dementsprechend gewachsen. “Man sieht, es hat materielle Folgen, wenn man immer neue Einfälle hat”, schmunzelt die Rubens Expertin.

Dieser Ideenreichtum wurde nun mit neuen wissenschaftlichen Methoden sichtbar, ohne dass das Bild dabei Schaden nimmt. So zeigen etwa Röntgenaufnahmen Reiterfiguren, die Rubens einst in etwa an der Stelle der mythologischen Figuren begonnen hatte. Womöglich wollte der Meister einmal eine ganz andere Szene in die beeindruckende Landschaft stellen, über die die Sintflut unheilvoll hereinbricht.

Ähnliches offenbarte sich den Experten beispielsweise beim “Selbstmord Sauls” von Pieter Bruegel dem Älteren. Die auf das Jahr 1562 datierte Interpretation einer alttestamentarischen Szene hielt für Alice Hoppe-Harnoncourt, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gemäldegalerie, und ihre Kollegen neue Einsichten bereit, die erst auf Infrarot-Aufnahmen zum Vorschein kamen. So hatte der Künstler im Hintergrund des ebenfalls auf Eichenholz gemalten Bildes ursprünglich eine ganze Stadt vorbereitet und auch die Umrisse weiterer Figuren sind unter den sichtbaren Farb- und Firnisschichten des Gemäldes verborgen.

Mit zwölf Tafeln Bruegels verfügt das KHM über den größten einschlägigen Bestand weltweit. Bisher wurden zehn davon wissenschaftlich durchleuchtet. “Es gibt viel zu entdecken”, so Hoppe-Harnoncourts Zwischenfazit nach mehr als viereinhalb Jahren Forschungs- und Untersuchungsarbeit, die im Herbst 2018 in der Schau “Pieter Bruegel der Ältere” gipfeln wird.

Durch das Zusammenwirken vieler Analyseebenen und vor allem Experten aus verschiedenen Fachrichtungen lerne man nicht nur sehr viel über die verwendeten Materialien, “wir erkennen eben auch, wie der Künstler gemalt hat und erhalten wertvolle Einsichten in den Schöpfungsprozess der Werke”, erklärte der Direktor der Gemäldegalerie, Stefan Weppelmann. Im Rahmen der Ausstellung werde man daher auch den Erkenntnissen aus den technologischen Untersuchungen einen zentralen Platz einräumen.

(APA/Red)

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