“Blau machen” aus Leidenschaft: Burgenländischer Blaudruck mit Tradition

Von Verena Kaufmann
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Wir waren zu Besuch bei Familie Koó und haben Interessantes über das Handwerk des Blaudrucks erfahren.
Wir waren zu Besuch bei Familie Koó und haben Interessantes über das Handwerk des Blaudrucks erfahren. - © VIENNA.at/Verena Kaufmann
Man nehme Tonerde, Indigo und ganz viel Leidenschaft und schon hat man die wichtigsten Zutaten, die für den Original Burgenländischen Handblaudruck nötig sind. Wir haben einem der letzten Blaudrucker-Betriebe in Europa einen Besuch abgestattet und dabei Interessantes über das traditionelle Handwerk von Familie Koó erfahren.

Früher zählten Blaudruckstoffe zur Alltags- und Arbeitsbekleidung, heute erfreuen sie sich neuer Beliebtheit. Eine der letzten Blaudruckereien Europas ist im Mittelburgenland in der Marktgemeinde Steinberg-Dörfl zu finden. Dort betreibt Familie Koó das traditionelle Handwerk im eigenen Betrieb – und das wie es auch schon vor 100 Jahren üblich war. VIENNA.at war zu Besuch und hat einen Nachmittag lang “blau gemacht”.

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Traditionelle Blaudruckerei im Burgenland: Zu Besuch bei Familie Koó

Gleich vorweg: Die Bezeichnung “Blaudruck” ist eigentlich nicht ganz richtig, denn es wird nicht blau gedruckt, sondern blau gefärbt. Soll heißen: Mit alten Holzmodeln wird der sogenannte “Papp” vor dem Färben auf den Stoff aufgetragen und erst danach wieder ausgewaschen. Die Technik des Blaudrucks ist somit sehr (zeit-)aufwändig, denn um ein unverwechselbares Indigoblau und das typische weiße Muster zu erreichen ist viel Geduld gefragt.

Die Blaudruckerei der Familie Koó wurde 1921 gegründet und noch heute wie schon damals betrieben. Die alten Holzmodeln, die aus Birnen- oder Lindenholz geschnitzt und mit Messingstiften zur Musterverfeinerung versehen sind, könnten wohl so einige Anekdoten erzählen, sind sie doch teilweise bereits über 200 Jahre alt. Auch die vier Meter tiefen Färbe- bzw. “Küpebecken” und die Walzmaschine sind noch original erhalten und in Verwendung.

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Der Färbevorgang an sich umfasst mehrere Schritte. Egal ob Tischtuch, Hut, Schuhe oder Kleidung: Mit dieser alten Technik können so gut wie alle Stoffe verschönert werden, solange es sich um Naturfaser handelt. Nach dem Bedrucken mit “Papp” – dieser wird bereits ein Jahr im Vorhinein vorbereitet und die Zutaten dafür sind ein gutgehütetes Geheimnis – müssen die Stoffe circa drei Wochen trocknen, ehe es ans Färben in der “Küpe” geht.

Dabei wird der Stoff in Sternreifen gespannt und ins Färbebecken hinabgelassen. Die Oxidation an der Luft bewirkt dann einen Farbumschlag von Gelb über Grün zu Blau, der beobachtet werden kann. Dieser Vorgang wird sechs bis zehn Mal alle zehn Minuten wiederholt, bis der gewünschte Blauton erreicht ist. Somit kann das Färben auch mehrere Stunden dauern. Während der Wartezeit kann der Färber derweil “blau machen”. Zum Abschluss wird der “Papp” ausgewaschen und der Stoff im Freien getrocknet.

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“Blau machen” im Wandel der Zeit: Tradition trifft auf Moderne

Heute ist die Werkstatt der Familie Koó eine der letzten in Europa, wo seit Generationen Stoffe bedruckt und mit Indigo gefärbt werden. Pro Jahr werden bis zu 3.000 Meter Stoff bedruckt, wobei der Betrieb auch wetterabhängig ist. Im Jahr 2010 wurde der Burgenländische Indigo-Handblaudruck vom UNESCO-Fachbeirat in die Liste “immaterielles Kulturerbe in Österreich” als traditionelle Handwerkstechnik aufgenommen.

Trotz langer Tradition sollte der Blaudruck jedoch nicht automatisch nur mit vergangenen Zeiten verbunden werden, denn die Tradition trifft hier durchaus auch auf Moderne: Zahlreiche Kooperationen und Projekte, aus denen bereits neue Ideen und Einsatzmöglichkeiten entstanden sind sprechen für sich und die Vielfältigkeit der Muster. Da kann auch schon einmal der traditionelle “Waldviertler”-Schuh mit klassischen Drucken versehen werden oder ein Blaudruck-Dirndl mit Totenköpfen entstehen.

Gleich neben der Werkstatt gibt es auch einen kleinen Shop, in dem eine große Auswahl an Blaudruck-Produkten wie beispielsweise Tischtücher, Schürzen, Taschen, Hemden, Krawatten und vieles mehr zu finden sind. Außerdem wird auch das Bedrucken von eigens mitgebrachten Stoffen angeboten.

Für alle, die ebenfalls nicht die Finger von der Farbe Blau lassen können: Ausflüge in die Blaudruckerei sind nach telefonischer Anmeldung jederzeit möglich, da ganzjährig geöffnet ist. Dabei erfährt man allerlei Interessantes über die Geschichte des Handwerks und die Bedeutung des “Blau machens”.

>> Mehr Infos zur Blaudruckerei Koó im Burgenland

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