BAWAG strebt Vergleich an

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Zum Milliardendebakel der Gewerkschaftsbank
BAWAG mit dem insolventen US-Broker Refco laufen seit gestern Abend
wieder die Telefone heiß. Die BAWAG hat angekündigt, sich mit den
US-Klägern in der US-Insolvenzaffäre vergleichen zu wollen.

Die Anwälte beider Seiten wollen nun verhandeln. Auch über die US-Vermögenswerte der BAWAG wird in Kürze Aufklärung erwartet. In
Wien werden indes Erklärungen des Gewerkschaftsbundes über eine aus
den USA kolportierte engere Verstrickung ins einstige Refco-Beteiligungsgeflecht erwartet.

Ein US-Richter hat der österreichischen Gewerkschaftsbank BAWAG
ein paar Tage Zeit gegeben, um die vorübergehende Einfrierung ihres
US-Vermögens im Zusammenhang mit dem Refco-Skandal anzufechten. Bis
Montag muss Österreichs viertgrößtes Finanzinstitut begründen, warum
die von den Refco-Aktionären geforderte Sperre aufgehoben werden soll.

Die Anhörung ist wieder um 14 Uhr Ortszeit, in Österreich begehen
vor allem auch die Gewerkschafter am 1. Mai den Tag der Arbeit.

Die Gläubiger werfen der Bank Beihilfe zum Bilanzbetrug vor und
fordern 1,3 Milliarden Dollar zurück. Sie hätte mit dem früheren Chef
des Brokerhauses Phillip Bennett unter einer Decke gesteckt und somit
den Konkurs der Firma im letzten Herbst verursacht, so der Vorwurf.

Vor Richter Robert Drain sagte ein Anwalt der Gläubiger, die BAWAG
sei bereit, ihr gesamtes US-Vermögen offenzulegen. Die Vertagung
hätte die BAWAG gewünscht. Ein Grund wurde nicht genannt.

In Wien hat BAWAG-Generaldirektor Erwin Nowotny bestätigt, dass an
einer Vergleichslösung gearbeitet werde. Die BAWAG sieht sich als
Opfer des Riesenbetrugs seitens Refco und Bennett. Sie sei überzeugt,
dass es gelingen wird, dies vor Gericht zu beweisen, heißt es auf der
BAWAG-Webseite. Kurz nach Refcos Konkursantrag hatte die BAWAG
ihrerseits Klage gegen Refco angestrengt.

Man wolle für die Bank eine Periode der Unsicherheit vermeiden und
sei dafür unter Umständen auch bereit, sich das auch etwas kosten zu
lassen, sagte Nowotny am späten Donnerstag Abend in einem Interview
für das ORF-Fernsehmagazin „Eco“.

Nowotny betonte, dass eine Vergleichsregelung, die man in
Verhandlungen anstreben wolle, für die BAWAG akzeptabel sein müsse,
weil man sich in der Sache „voll im Recht“ fühle. Wenn die
Forderungen der Refco-Gläubiger „unverschämt“ sein sollten, werde man
das ganze eben durchfechten, sagte der BAWAG-Generaldirektor.

Für Aufregung und hektischen Sitzungen auf Spitzenebene hat
gestern Abend auch eine Information des „Standard“ gesorgt, wonach
der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) tief in die Causa Refco
verstrickt sein soll. Der BAWAG-Eigentümer selbst stehe nämlich
offenbar hinter der liechtensteinischen Stiftung Desana, die Refco
laut Darstellungen der US-Anwälte finanziert und so kontrolliert hat,
so der „Standard“.

Die BAWAG war bis ins Jahr 2004 zu 10 Prozent an Refco beteiligt.
Die Österreicher sollen laut den Gerichtsdokumenten zusätzlich, wenn
auch indirekt, rund 27 Prozent kontrolliert haben – über Vehikel wie
die Liechtensteinsche Desana Privatstiftung und anderen
Finanzierungsgesellschaften, so die Zeitung. Hinter diesen stehe nach
Recherchen des „Standard“ der ÖGB. Bisher gab es dazu weder von der
BAWAG noch von der Gewerkschaft Angaben. Erklärungen werden aber für
heute erwartet.

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