Austria´s Startups: Österreichische Lebensmittelproduktion im Fokus

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Austria´s Startups: Österreichische Lebensmittelproduktion im Fokus
Weißt du, wie die Milch produziert wird, die Du täglich trinkst? Erinnerst Du Dich, wo dein letztes Steak herkam? Kennst Du den Weg, den die Tomate hinter sich hat, wenn sie in deinem Salat landet? Das sind alles Fragen, die uns Konsumenten immer mehr interessieren, zu denen wir aber meist wenig wissen. Das Österreichische Startup Land schafft Leben nimmt sich diesen Fragen an und sorgt für mehr Transparenz im Lebensmittelbereich.

Was ist Land schafft Leben?

Land schafft Leben ist ein neuer, unabhängiger und unpolitischer Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Bewusstseinsbildung über die Lebensmittel in Österreich zu stärken. Der Verein schafft mit detaillierten Recherchen zu den verschiedenen Lebensmitteln über die ganze Wertschöpfungskette hinweg Transparenz zu der tatsächlichen Produktion in Österreich. Hannes Royer der Gründer und Initiator des Vereins erklärt uns: „Wir sind keine Interessensvertreter und wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger argumentieren und sagen was gut beziehungsweise was schlecht ist. Der Konsument soll sich selber entscheiden, aber er soll es bewusst tun.“ Um genau dies tun zu können, findet man auf der Webseite www.landschafftleben.at  Texte, Videos und Fotomaterial zum Beispiel zum gesamten Weg des Apfels, der Tomate, des Huhns oder der Milch. Es soll ein regelrechtes Lebensmittel Lexikon aufgebaut werden.

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Foto aus der Recherche zum Weg der Tomate. © Land schafft Leben

Wie kommt man auf eine solche Idee?

Hannes Royer ist selber Bergbauer in Schladming und hat im Austausch mit seinen Kunden gemerkt, dass die meisten gar nicht wissen, wie das gekaufte Lebensmittel tatsächlich produziert wurde. Immer wieder hat Hannes bei den Konsumenten nachgefragt und realisiert, dass das ausschlaggebende Kaufargument praktisch ausschließlich der Preis war. Entweder wollten die Kunden einfach das Billigste oder aber sie dachten, dass das teuerste Produkt automatisch das Produkt mit der höchsten Qualität ist. Hannes erklärt uns: „diese reine Preisentscheidung macht mir Sorgen und ich wünsche mir, dass das Bewusstsein über die Lebensmittel, deren Herkunft und der tatsächlichen Qualität grösser wird.“

Mit dem starken Preisfokus haben lokale Bauern größte Schwierigkeiten zu produzieren, da sie nie über den Preis mit ausländischer Konkurrenz mithalten können. Die Zukunft einheimischer Produktion ist gefährdet. Das weiss auch Hannes und hat sich vor einigen Jahren kurzerhand entschlossen, einfach bei verschiedenen Generaldirektoren der größten Lebensmittelhändler anzurufen, um diese Thematik zu diskutieren. Natürlich wunderten sich diese, was ein Bauer aus Schladming mit ihnen besprechen wollte, nahmen sich aber viel Zeit, um über die Zukunft der österreichischen Produktion zu sprechen. Hannes verrät uns: „und sie waren interessanterweise noch pessimistischer eingestellt als ich, hatten selbst aber keinen wirklichen Handlungsspielraum. Da ist mir bewusst worden, dass das nur über den Konsumenten geht.“ Eineinhalb Jahre lang wurde der Gang an die Öffentlichkeit vorbereitet, bis es Ende April dieses Jahres so weit war und Land schafft Leben richtig losstartete.

Wie sieht das Team aus?

Im September 2014 hat Land schafft Leben mit der ersten Mitarbeiterin angefangen. Inzwischen sind es acht Mitarbeiter, die recherchieren, filmen, Texte aufbereiten, bloggen und Firmen besuchen. Hannes erzählt uns begeistert: „Meine Mitarbeiter sind alle für das Projekt und die Philosophie dahinter nach Schladming gezogen“.

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Gesprächspartner Stefanie Schmied (vordere Reihe, 2. von links) & Hannes Royer (vordere Reihe, 3. von links) mit dem Team von Land schafft Leben © Land schafft Leben

Wie finanziert sich das Startup?

Der unpolitische Verein wird derzeit von 28 Unternehmen aus der Lebensmittelverarbeitung und dem Lebensmittelhandel finanziell unterstützt. Die Höhe des Fördererbeitrags richtet sich nach der Höhe des Umsatzes des jeweiligen Förderers. Die Vereinsstruktur ist so ausgerichtet, dass Unternehmen aus dem Lebensmittelhandel und der Verarbeitung als Förderer auftreten, jedoch keine Vereinsmitglieder sind und somit keinen inhaltlichen Einfluss auf die Vereinstätigkeit ausüben.

Wie sieht die Zukunft aus?

Land schafft Leben untersucht weitere Lebensmittel, wie Truthahn, Salat, Karotte, Butter, Schwein oder Zucker. Die detaillierten Recherchen dauern je nach Komplexität bis zu einem Jahr pro Lebensmittel. Die Informationssuche und die Aufbereitung der Ergebnisse ist es momentan noch die Hauptaufgabe des Teams. Stefanie Schmied ist für die Umsetzung des Projekts verantwortlich und leitet das Team. Sie erklärt uns: „wir überlegen uns immer, wie wir möglichst viele Menschen erreichen können, denn unser Ziel ist es, die Masse an Konsumenten zu sensibilisieren.“ Eine Idee, die daraus entstanden ist, ist die Zusammenarbeit mit Schulen. Momentan wird überlegt, wie man die Materialien zu den Lebensmitteln für den Unterricht verwendbar machen kann. Ab diesem Herbst läuft bereits ein erstes Pilotprogramm mit einer Schule. Abschließend erwähnt Stefanie: „Wir haben aber sicher noch ein viel größeres Betätigungsfeld und freuen uns auf die neuen Herausforderungen.“

Wir sind gespannt, wie es weitergeht und werden uns immer wieder bei Euch informieren!

Mehr Informationen findet ihr hier:

www.landschafftleben.at ; www.facebook.com/landschafftleben ; Instagram: @land_schafft_leben

1030 Innovation, Mariana Wirz

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