Auftakt der Zentralmatura: Am 5. Mai 2015 startet die einheitliche Reifeprüfung

Den Schülern Österreichs steht die erste Zentralmatura bevor.
Den Schülern Österreichs steht die erste Zentralmatura bevor. - © APA
An den AHS beginnt am 5. Mai die erste österreichweite Zentralmatura im Fach Deutsch. Dabei müssen alle 19.200 Maturanten an den selben Tagen idente, zentral vorgegebene Aufgaben lösen. Korrigiert werden diese aber weiter vom Klassenlehrer  – nach einem standardisierten Raster.

Abgeschlossen wird die Zentralmatura am 13. Mai mit Latein und Griechisch.

Die (schriftliche) Zentralmatura ist Teil der neuen Reifeprüfung, die ansonsten noch aus der vorwissenschaftlichen Arbeit (inklusive Präsentation) sowie der mündlichen Matura besteht. Für die schriftliche AHS-Reifeprüfung müssen sich die Maturanten entscheiden, ob sie in drei oder vier Fächern antreten wollen – je nachdem sind dann mündlich zwei oder drei Prüfungen zu absolvieren.

Verpflichtende Fächer bei der Zentralmatura

Verpflichtend sind schriftliche Klausuren in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache, der vierte Gegenstand kann eine weitere lebende Fremdsprache, Latein, Griechisch, Darstellende Geometrie, Physik, Musik, Sport, Biologie, Bildnerische Erziehung oder ein schulautonomer Gegenstand sein. Für einige Gymnasien gibt es wegen einer anderen Unterrichtssprache Sonderregeln (Slowenisches Gymnasium in Klagenfurt, Zweisprachiges Gymnasium in Oberwart).

Die Aufgaben bei der Zentralmatura werden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegeben. Einschränkung: Nicht alle Fächer werden zentral abgeprüft – mit Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Latein und Griechisch (sowie auch Slowenisch, Ungarisch und Kroatisch an den beiden Schulen mit Sonderregeln) ist das aber bei einem Großteil der Klausuren der Fall. In allen anderen Fächern erstellen nach wie vor die Klassenlehrer die Aufgaben.

Österreichweit zur selben Zeit

Die Prüfungen in den Fächern mit Zentralmatura finden österreichweit zur selben Zeit statt. Begonnen wird mit Deutsch am 5. Mai, gefolgt von Englisch (6.), Spanisch bzw. den Volksgruppensprachen (jeweils 7.), Französisch (8.), Mathematik (11.), Italienisch (12.) sowie Latein bzw. Griechisch (13. Mai). Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der Bifie-Homepage veröffentlicht.

matura3

Die zentralen Reifeprüfungen in den Fremdsprachen sind übrigens nicht komplett gleich: Die Aufgabenstellungen orientieren sich an der jeweiligen Ausbildungsdauer (drei, vier, sechs oder acht Jahre) und sind daher nur innerhalb der gleichen Ausbildungszeit ident – jene Klassen, die also etwa sechs Jahre Französisch-Unterricht hatten, erhalten andere Aufgaben als jene mit vier Jahren.

Fünfer mündlich ausbessern

Negativ beurteilte Klausuren müssen grundsätzlich an einem der nächsten Maturatermine wiederholt werden. Allerdings haben die Schüler die Möglichkeit, sich Fünfer mit mündlichen “Kompensationsprüfungen” auszubessern. Die Entscheidung dazu müssen sie bis spätestens drei Tage nach Bekanntgabe der negativen Beurteilung treffen.

Die Kompensationsprüfungen finden am 1. und 2. Juni statt. Bei Fächern mit Zentralmatura werden auch die Aufgaben für die Kompensationsprüfungen vom Bifie erstellt. Die Prüfungen selbst dauern höchstens 25 Minuten und werden vom Fachlehrer der jeweiligen Klasse sowie einem Beisitzer abgenommen. Eine negative Note auf die schriftliche Matura hat keinen Einfluss auf die mündliche Reifeprüfung: Zu dieser können die Kandidaten in jedem Fall antreten.

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) wird die neue Matura – mit einigen Unterschieden zu den AHS – erst ab 2015/16 verpflichtend.

matura2

Logistische Aufgabe mit Rückblick auf 1849

Die Zentralmatura ist nicht zuletzt eine gewaltige Logistik-Aufgabe. Insgesamt müssen heuer 180.000 Aufgabenhefte (167.000 an AHS, 13.000 an BHS) an die rund 26.000 Schüler (19.200 an AHS, 7.000 an BHS) an 427 Schulen (334 AHS, 93 BHS) gebracht werden.

Mit der Einführung der schriftlichen Zentralmatura und der verpflichtenden vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) erfährt die Matura eine der größten Änderungen seit ihrer Einführung 1849/50. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Reifeprüfung selbst nach wie vor auf dem Fundament aus dieser Zeit steht. Selbst die Debatte über Stoffumfang bzw. “Kompetenzorientierung” lässt sich bis damals zurückverfolgen.

(APA/Red./Bilder: APA, Hans Klaus Techt)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen