Asylwerber am Praterstern niedergestochen: Mordprozess am 8. August

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Die beiden Asylwerber kamen einer Frau zu Hilfe, die mit dem Serben in Konflikt geraten war.
Die beiden Asylwerber kamen einer Frau zu Hilfe, die mit dem Serben in Konflikt geraten war. - © APA (Sujet)
Am 8. August muss sich ein 39-jähriger Mann wegen Mordes vor Gericht verantworten. Er soll im September 2015 zwei algerische Asylwerber am Praterstern niedergestochen haben, die einer Frau zu Hilfe kamen, die mit dem Serben in Streit geraten war. Der ältere Asylwerber verblutete nach erheblichen Verletzungen.

Ein Schöffengericht fällte im Mai zu dem Fall ein Unzuständigkeitsurteil. Die Staatsanwaltschaft hatte damals nämlich nur absichtliche schwere Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, obwohl der 39-jährige Beschuldigte dem einen Algerier einen Stich in den Oberbauch und einen weiteren ins Auge verpasste hatte. Der 37-Jährige starb noch am Tatort an einer Hirnlähmung. Obendrein hatte der Serbe zunächst dem Begleiter des ums Leben gekommenen Algeriers die Klinge seines Messers in die Brust gerammt.

Start des Mordprozesses

Richterin Gerda Krausam kam in der Hauptverhandlung im Mai zu der Ansicht, dass das Delikt Mord bzw. Mordversuch nicht ausgeschlossen werden kann. Damit fällt die Strafsache in die Zuständigkeit eines Schwurgerichts. Den Vorsitz des Schwurgerichts am 8. August übernimmt Andreas Böhm. Die Verhandlung ist für einen Tag anberaumt.

Der Angeklagte, der nun von Ernst Schillhammer vertreten wird, wird weiterhin auf Notwehr plädieren. Er habe sich von den Algeriern und deren Helfern bedroht gefühlt.

Der mehrfach wegen Diebstahls und Suchtgiftdelikten vorbestrafte Serbe hatte mit einem Freund in der Nacht auf den 11. September 2015 am Praterstern bei der Straßenbahnlinie 5 gewartet, um nach Hause zu fahren. Dort gerieten sie mit einem Pärchen in Streit, das mit einem Rottweiler unterwegs war. Die Frau hatte den 39-Jährigen zunächst um Feuer gefragt und dann immer wieder “Substi” (das Drogenersatz-Präparat Substitol, Anm.) erbeten. Der Angesprochene fühlte sich von der Frau und ihrem großen Hund bedrängt.

Tödliche Messerstecherei am Praterstern

Um die Frau wegzudrängen, kam es laut Staatsanwaltschaft zu einem Handgemenge und Schubsereien. Nachdem er den Hund getreten und die Frau zu Boden gestoßen hatte, fing sie laut an zu schreien. Ihr Begleiter kam ihr zu Hilfe und wurde ebenfalls zu Boden gestoßen. Die beiden Algerier, die den Vorfall beobachtet hatten, wollten die Serben zur Rede stellen bzw. die Polizei einschalten, als sich der 39-Jährige und sein Begleiter vom Praterstern Richtung Nordbahnstraße entfernten. Sie riefen ihm nach, er solle stehenbleiben, wobei sich ihnen weitere Nordafrikaner anschlossen.

Schließlich holte die Männergruppe den Serben ein und ging mit Faustschlägen auf ihn los. Daraufhin zückte der 39-Jährige ein Messer und stach laut Anklage zu. Der 39-Jährige rammte demnach dem einen Algerier die Klinge in die Brust. Der 35-Jährige lief noch rund 150 Meter vom Tatort davon, ehe er beim Bahnhof zusammenbrach. Der jüngere Algerier überlebte seine schweren Verletzungen nur deshalb, weil er rasch ins Spital gebracht und im UKH Meidling notoperiert wurde. Sein 37-jähriger Begleiter erlitt durch einen Stich ins Auge die Hirnlähmung und starb noch am Tatort.

>> Asylwerber am Praterstern niedergestochen

(apa/Red)

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