Amy – Trailer und Kritik zum Film

Amy – Trailer und Kritik zum Film
Die Bilder der auf der Bühne torkelnden, lallenden Amy Winehouse haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Auch Asif Kapadia zeigt sie in seinem Dokumentarfilm über die tragisch früh gestorbene Sängerin – jedoch nicht, ohne zuvor die private, talentierte, alberne Ausnahmekünstlerin greifbar zu machen. Gerade deshalb macht “Amy” so betroffen. Ab Freitag läuft die berührende Doku im Kino.

Amy  – Die Geschichte

“Ich will niemals berühmt sein. Ich glaube, da würde ich durchdrehen”, sagt Amy Winehouse an einer Stelle des Films in einem TV-Interview – und wird wenige Jahre später recht behalten. Von den ersten Klubgigs über den Durchbruch mit dem Grammy-gekrönten Album “Back to Black” 2006 bis zu ihren Drogen- und Alkoholeskapaden zeigt Asif Kapadia Aufstieg und Fall der Londoner Singer/Songwriterin, die mit ihrer charakteristischen Beehive-Frisur und dem dicken Lidstrich zum Paradiesvogel der Jazz- und Popszene und mit ihrer unnachahmbaren Stimme zur größten Künstlerin ihrer Generation wurde.

Winehouse ist im Laufe der 130 Minuten fast ständig zu sehen oder zu hören, und wird dadurch auch immer greifbarer: Ganz ohne Talking Heads, einzig unterlegt von Wegbegleiter-Interviews aus dem Off, zeigt Kapadia Winehouse mittels teils unveröffentlichter Homevideos, Konzert-, Studio- und Interviewaufnahmen als großes Talent mit einzigartiger Stimme, als junge, schüchterne, verspielte Frau mit markantem Lacher, als Schlüsselfigur in der Künstlerszene in Londons Stadtteil Camden, aber zweifellos auch als Opfer opportunistischer Menschen, einer (über)fordernden Musikindustrie und erbarmungsloser Medien.

Gerade mal 27 Jahre war Winehouse alt, als sie am 23. Juli 2011 an einer schweren Alkoholvergiftung starb. “Amy” zeichnet glaubwürdig den Weg bis dorthin nach, verankert viele spätere Probleme in der schwierigen Kindheit und lässt – trotz Kapadias Anspruch, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen – keinen Zweifel an den Mithelfern oder gar Verursachern der Tragödie. So macht “Amy” wütend auf Medien, die Bulimie und Drogensucht auf ihre Titelseiten hoben, auf die zerstörerische Beziehung mit Ex-Ehemann Blake Fielder-Civil, mit dem sie im Drogensumpf landete. Und vor allem auf den einst absenten und später erfolgsverwöhnten Vater Mitch Winehouse, der sie in bereits kritischem Zustand immer noch vor die Kameras und auf die Bühne zerrte, wie Freunde erzählen. Dass der sich nun falsch wiedergegeben fühlt, Kapadia als “Schande” bezeichnet und eine Doku mit der eigenen Sicht auf seine Tochter plant, verwundert angesichts der wenig schmeichelhaften Darstellung nicht.

Amy  – Die Kritik

Kapadia macht es auch dem Zuseher nicht leicht, bedient unser aller Obsession mit dem Tod Prominenter mit detaillierten Schilderungen mahnender Ärzte und weinender Freunde und unseren Voyeurismus mit Paparazzi-Videos, die Winehouse sichtlich verstört von Lärm und Blitzlicht zeigen. Was “Amy” abhebt, ist die mühe- und liebevolle Darstellung ihres Talents, das erstmals in diesem Umfang auf Leinwand gebannt und von Kollaborateuren wie Yasiin Bey (Mos Def) und Tony Bennett gepriesen wird.

Schon die erste Szene, in der die 16-jährige Amy einer Freundin ein Geburtstagsständchen mit ihrer später berühmten, bebenden Stimme schmettert, erzeugt Gänsehaut. Genauso wie ihre zutiefst persönlichen, oft expliziten Songtexte, die Kapadia auf der Leinwand ausschreibt und direkt mit Erfahrungen der Sängerin in Verbindung setzt. Da singt Amy von der Depression nach der Scheidung ihrer Eltern, vom Herzschmerz nach der ersten Trennung von Blake, und schreibt sie ihren größten Hit “Back to Black” innerhalb von nur drei Stunden.

Mit “Amy – The Girl Behind The Name” liefert der Brite Asif Kapadia, der zuvor bereits dem verunglückten Formel-1-Rennfahrer in “Senna” ein filmisches Denkmal setzte, eine aufrüttelnde Abrechnung und zugleich eine teils schmerzhafte, berührende, absolut sehenswerte Würdigung einer viel zu früh verstorbenen Künstlerin. Und schafft es – wie kürzlich Brett Morgen mit “Cobain: Montage of Heck” -, die Privatperson hinter dem öffentlichen Mythos vorzustellen. Und die Musik zurück in den Mittelpunkt zu rücken.

(APA)

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