Alter Bridge live in Wien: “The Last Hero” mit voller Wucht im Gasometer

Von Amina Beganovic
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Myles Kennedy ließ seine Stimme durch den Gasometer hallen.
Myles Kennedy ließ seine Stimme durch den Gasometer hallen. - © AP Photo/Paul Jeffers
Manche Konzerte sollten eigentlich nicht aufhören – der Montagabend im Gasometer war genauso ein Fall: Die US-Rockhelden von Alter Bridge gaben sich mitsamt neuem Album und lautstarkem Support live die Ehre in Wien.

Wenn die Setlist nahezu keine Wünsche offen lässt, die Vorbands ordentlich Stimmung gemacht haben, sogar der Sound der Halle durchwegs (überraschend) hervorragend ist und die gesamte Menge lauthals mitsingt, weiß man: Das war ein guter Konzertabend. Nicht mehr und nicht weniger gab es am Montag im ordentlich gefüllten Gasometer, wo Myles Kennedy, Mark Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall alias Alter Bridge die Wiener Rockfans versammelten.

Und wir machen uns jetzt gar nicht die Mühe, irgendwelche Vergleiche mit Creed anzustellen, der Band, der Tremonti und Co. in den 1990er-Jahren entwachsen sind. Das haben Alter Bridge nicht nötig, wie sie wieder einmal bewiesen haben. Hart aber herzlich, mit fantastischen Gitarren-Soli (wie könnte es bei Ausnahme-Instrumentalisten Tremonti auch anders sein?) und einem Frontmann, dessen über vier Oktaven reichende Stimme durch Mark, Bein und Dezibel geht – was will man mehr?

Alter Bridge mit aktuellem Album “The Last Hero”

Trotz vieler politischer Botschaften, die sich in ihren Songs, nicht zuletzt auch auf ihrem aktuellen Album “The Last Hero” immer wieder finden, hielt sich das Quartett aus Orlando an dem Abend mit Stellungnahmen rund um das Wahl-Erdbeben, das die USA unlängst erschütterte, dezent zurück – im Gegensatz zur New Yorker Vorband Living Colours, die die Zuschauer nicht nur mit ihrem Rock-Funk-Mix, sondern auch mit einem lauten “F*** Donald Trump!”-Chor aufwärmten.

Darauf verzichteten Alter Bridge selbst allerdings. Stattdessen gab es eine Song-Mischung aus bewährtem Alten und krachendem Neuen, dass es eine Freude war: Von den Opener-Nummern “Poison In Your Veins” und “Addicted To Pain”, über bekannte Hits wie “Broken Wings” oder “Blackbird” bis hin zu einem stimmungsvollen Akustik-Teil, der sich auf Myles Kennedy, seine Gitarre und dem Fan-Chor des Gasometers reduzierte, der gemeinsam mit dem Sänger die Ballade “Watch Over You” anstimmte.

Aber auch die neuen Nummern taten der Stimmung keinen Abbruch: Im Gegenteil, was nicht zuletzt die Songwriting-Qualität von Alter Bridge widerspiegelte. Laut mitgesungen wurde ebenso bei “My Champion” oder dem kraftvollen “Show Me A Leader”, das Teil der laustarken Zugabe wurde. Durch insgesamt 18 Songs rockten Kennedy und Co. das Publikum, von Montagsmüdigkeit aber keine Spur bei den Fans. Was nicht zuletzt dem Habitus der Band zu verdanken war: “The Last Hero” etwa handelt davon, dass unsere Gesellschaft gerade in der jetzigen Zeit mehr moderne Helden vertragen könnte. Man kann sie nun als heldenhaft bezeichnen oder nicht, Fakt ist, dass Alter Bridge noch bodenständigen Rock machen, wie er sich gehört: Ohne Allüren oder Brachialgetue, dafür mit ordentlich Können und viel Sympathie. Und die Wiener Fans dankten es ihnen, denn es tut gut zu sehen, dass Musik auf diese Weise noch funktioniert.

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