Albertina 2015 mit “großen strukturellen Veränderungen”

2015 ist einiges in der Wiener Albertina geplant.
2015 ist einiges in der Wiener Albertina geplant. - © APA
2015 wird für die Albertina “ein ganz außergewöhnliches Jahr mit zwei großen Neuerungen. Die Albertina wird komplexer, reicher und vielfältiger”, verspricht Direktor Klaus Albrecht Schröder. Eine der geplanten Veränderungen betrifft offenbar die Fotografie, der ein größerer Platz eingeräumt werden soll.

Die beiden strukturellen Weiterentwicklungen sollen mit Februar und Mai schlagend werden, Details sollen erst auf einer Pressekonferenz im Februar bekannt gegeben werden. Sie werden aber keinen zusätzlichen Budgetbedarf beinhalten, in Zeiten der “Redimensionierung” von Projekten wie Weltmuseum oder Literaturmuseum nicht unwichtig.

“Wir haben nicht vor, Geld auszugeben, das wir nicht haben und auch nicht bekommen werden”, so Schröder. “Es ist eine Strukturfrage, keine Budgetfrage.” Notwendige Erstinvestitionen seien von dritter Seite finanziert worden.

Schwerpunkte für das Jahr 2015

Im Ausstellungsprogramm setzt die Albertina, für die Schröder heuer rund 600.000 Besucher erwartet (2013: 631.126), 2015 “einen absoluten Zeichnungsschwerpunkt”. Den Auftakt macht von 30. Jänner bis 3. Mai “Degas, Cezanne, Seurat. Das Archiv der Träume aus dem Musée d’Orsay”.

Dabei wird eine 200 Werke umfassende Auswahl aus der riesigen, rund 80.000 Stück umfassenden Zeichnungs-Sammlung des Musée d’Orsay präsentiert. “Weil diese Bestände im Louvre aufbewahrt werden, wussten die Wenigsten davon”, so Schröder, der sich außerordentlich erfreut zeigt, dass sich die neue Museumsleitung bewusst die Albertina für die erste internationale Präsentation dieser Preziosen ausgesucht hat.

Als Kontrapunkt dazu gibt es im Anschluss daran von 22. Mai bis 20. September unter dem Elke Krystufek-Zitat “I hate painting” die Schau “Drawing Now”: “Wir wollen künftig in unregelmäßigem Abstand immer wieder eine Bestandsaufnahme machen, was Zeichnung heute heißt – nicht nur in Österreich, sondern weltweit”, so Schröder. Dabei werde man mit jeweils einem anderen internationalen Partner kooperieren. 2015 wird es das SMAK in Gent sein, wodurch unter den 42 ausgesuchten Positionen (“Frauen spielen eine tragende Rolle”) ein gewisser Schwerpunkt auf Belgien und Frankreich liegen wird.

Sehenswertes in der Wiener Albertina

Von 14. Februar bis 17. Mai werden unter dem Titel “Drawing Double Reversal” 80 der bloß 100 hinterlassenen Zeichnungen der im Mai im Alter von 89 Jahren gestorbenen US-Künstlerin Elaine Sturtevant, der Begründerin der Appropriation Art, präsentiert. Schröder: “Sie hinterfragt die Bedeutung von Autorschaft und Singularität und ist eine der großen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.” Das MoMA in New York widmet Sturtevant unter dem Titel “Double Trouble” bis Februar eine große Retrospektive.

“Von der Schönheit der Natur. Die Kammermaler Erzherzog Johanns” heißt von 27. Februar bis 31. Mai eine Schau, die 150 Werke aus einer höchst qualitätsvollen Sammlung von annähernd 1500 Blättern zeigt, die von Erzherzog Johann (1782-1859) bei Künstlern wie Jakob Gauermann, Matthäus Loder oder Thomas Ender in Auftrag gegeben wurde – für Schröder “Höhepunkte der österreichischen Aquarellmalerei des 19. Jahrhunderts”. Die Grafen Meran, Nachkommen des Erzherzogs, haben ihre Bestände erstmals für eine öffentliche Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Lee Miller (1907-1977), der von 8. Mai bis 16. August eine große fotografische wie zeithistorische Ausstellung gewidmet ist, “kennen die meisten von uns vor allem unbekleidet”, verweist Schröder auf die Tatsache, dass die US-Fotografin das wahrscheinlich berühmteste Modell von Man Ray war. Dass sie auch Autorin etlicher dem Surrealisten-Star zugeschriebener Fotos war, habe sich erst im Laufe der Zeit herausgestellt. Ein Schwerpunkt der Schau liegt auf der Reportagefotografie aus den ersten Tagen nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als Miller die eben befreiten Konzentrationslager in Dachau und Buchenwald ebenso fotografierte wie das zerbombte Wien. Ein Foto zeigt sie nackt in der Badewanne von Adolf Hitler – “ein bewusster konzeptioneller Akt, eine radikale Umdrehung der Machtverhältnisse”.

Weitere Highlights bei den Ausstellungen

Im Sommer wird Edvard Munch zwölf Jahre nach der letzten großen Albertina-Ausstellung (“Thema und Variation”) eine große Druckgrafik-Ausstellung gewidmet. Schröder: “Wir zeigen seine 100 schönsten und ungewöhnlichsten Druckgrafiken. Es wird eine Pracht-Schau”. Nach Präsentation der an die Albertina gegangenen Schenkung der Sammlung Ploner (10. Juni bis 23. August) widmet man sich von 4. September bis 10. Jänner 2016 mit rund zehn Gemälden und an die 130 Zeichnungen der ungewöhnlichen Künstlerfreundschaft zwischen Lyonel Feininger und Alfred Kubin.

Den Herbst dominieren ab 25. September in Zusammenarbeit mit der Akademie der Bildenden Künste “Welten der Romantik”. “Wir stellen erstmals die norddeutsche, protestantische Romantik der Wiener katholischen Romantik des Lukasbundes gegenüber”, erklärt Schröder das Konzept der Schau zu der um 1800 einsetzenden geistesgeschichtlichen Strömung. Dabei werden Werke von Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, Karl Friedrich Schinkel, Julius Schnorr von Carolsfeld, Francisco de Goya, William Turner und vielen anderen gezeigt werden.

Mit der weiterhin eingefrorenen Basisabgeltung werde die Albertina “schon noch einige Jahre” auskommen, erklärt Schröder. “Ich bin kein Politiker und kein Weihnachtsmann. Ich habe keine Geschenke zu vergeben. Ich bin der Kunst und dem Besucher verantwortlich.” Daher werde er mit dem Budget Haus halten, das er zur Verfügung habe. Finanzielle Stabilität sei unabdingbar.

(APA)

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