70 Jahre Befreiung: Die Schlacht um Wien im 2. Weltkrieg – Chronologie Teil 1

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Eine Chornologie zu Wien im 2. Weltkrieg.
Eine Chornologie zu Wien im 2. Weltkrieg. - © APA/Archiv Portisch
Am 13. April vor genau 70 Jahren wurde das Wiener Stadtgebiet befreit. Zwischen 6. und 13. April 1945 fand die “Schlacht um Wien” im Stadtgebiet zwischen der Roten Armee und der deutschen Wehrmacht statt. Das ereignete sich an den Tagen vor dem Kriegsende in Wien.

Am 13. April 1945 war die Schlacht um Wien zu Ende gegangen und hinterließ mehrere tausend tote Soldaten und Zivilisten. Eine Chronologie von den Tagen 4. April bis 7. April:

Mittwoch, der 4. April 1945

o Oberfeldwebel Käs erreicht das sowjetische Kommando in Hochwolkersdorf und kann dort ein Abkommen vereinbaren. Die Rote Armee garantiert, bei der Eroberung Wiens möglichst schonend vorzugehen, die Stadt nicht zu bombardieren und die Wasserleitung nach Wien zu schützen. Käs verspricht namens der Freiheitskämpfer, den Kampf der Roten Armee zu unterstützen. Mit Leuchtsignalen soll der Beginn der aktiven Widerstandsaktionen in Wien mit dem Vordringen der Roten Armee koordiniert werden.

o Auch der einstige Staatskanzler und Parlamentspräsident Dr. Karl Renner, der in Gloggnitz gelebt hat, nimmt mit der sowjetischen Kommandantur in Hochwolkersdorf Kontakt auf. Er bittet vor allem um Schonung der Zivilbevölkerung und bietet an, bei der Wiederherstellung eines demokratischen und selbständigen Österreich zu helfen. Sein Angebot wird nach Moskau weitergeleitet und dort offenbar Stalin persönlich vorgelegt.

o Die Wiener Zeitungen berichten von all dem nichts. Sie melden dafür, dass zu Ostern nur ein einziges Fußballspiel stattfinden konnte, WAC gegen Austria.

Donnerstag, der 5. April 1945

o Oberfeldwebel Käs und Obergefreiter Reif kommen nach Wien zurück und informieren die Widerstandsgruppe im Wehrkreiskommando XVII über die Vereinbarungen mit dem sowjetischen Oberkommando.

o In ganz Wien hört man jetzt schon den Kanonendonner, die Flakstellungen in der Stadt greifen in die Erdkämpfe ein. Die Rote Armee erreicht den westlichen Stadtrand, Tullnerbach, Preßbaum und der Lainzer Tiergarten werden praktisch kampflos besetzt. Das deutsche Kommando erfasst erst jetzt, dass der Hauptstoß gegen Wien nicht vom Süden erfolgt, wo starke Verteidigungsstellungen aufgebaut wurden. Die Zeitungen melden: “Die Sowjets südlich Wien aufgefangen”.

o Die Rote Armee erobert Hainburg und Deutsch-Altenburg.

o In verschiedenen Teilen der Stadt werden Vorratslager und Geschäfte von der Zivilbevölkerung geplündert. Ein besonders großes Lebensmittellager im Jesuitenkolleg in Kalksburg wird gestürmt. SS und Polizei werden alarmiert. Auf die Plünderer wird geschossen, es gibt mehrere Toten.

o Das Radio sendet nur mehr Musik, keine Nachrichten und Meldungen.

o Im Chemischen Institut der Wiener Universität zerstört der fanatische Nationalsozialist Prof. Dr. Jörn Lange das Elektronenmikroskop, das einzige Gerät dieser Art in Österreich. Zwei junge Assistenten, Kurt Horeischy und Hans Vollmar, wollen ihn daran hindern. Er erschießt beide.

Freitag, der 6. April 1945

o In weitem Bogen, von Simmering bis Döbling, ist Wien von der Roten Armee umschlossen. Während es in den westlichen Bezirken nur schwachen deutschen Widerstand gibt, kommt es in Favoriten und Simmering, vor allem auf dem Zentralfriedhof, zu härteren und opferreichen Kämpfen.

o Die Zeitungen haben die Schlagzeile: “Durchbruch auf Wien gescheitert”.

o Radio Wien wird eingestellt, ein “Kampfsender Prinz Eugen”, den die SS betreibt, sendet Musik und den Wehrmachtsbericht. Am späten Nachmittag kommt die Durchsage: “Wien rechts der Donau”. Es bedeutet den Befehl, alle kriegswichtigen Anlagen und Einrichtungen in den Bezirken rechts vom Donaukanal zu zerstören und sich auf den Rückzug über den Donaukanal vorzubereiten.

o Eine SS-Einheit kommt ins Simmeringer Gaswerk, um das Werk zu zerstören. Der Gaswerks-Arbeiter Otto Koblicek stellt sich ihnen entgegen. Er wird verprügelt, in den Bauch geschossen und sterbend ins bombenzerstörte Olympia-Kino geschleppt, wo er mit einem Genickschuss getötet wird. Am 12. April wird sein Leichnam gefunden. Inzwischen haben sowjetische Truppen das Gaswerk erreicht, die SS-Männer fliehen, das Gaswerk ist gerettet.

o Hunderte Angehörige der deutschen Wehrmacht, vor allem Wiener, setzen sich von ihren Einheiten ab, werden von der Bevölkerung mit Zivilkleidung versorgt und versteckt.

o Nur auf der Sophienalpe gibt es noch heftigen Widerstand gegen die sowjetischen Truppen. Hier kämpfen Hitler-Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren, unterstützt von zwölf- und dreizehnjährigen Meldegängern, mit Flakgeschützen, Panzerfäusten und Maschinengewehren noch mehrere Tage lang.

o Letzter Einsatz deutscher Flieger über Wien. Sie werfen Bomben auf Purkersdorf, wobei die Kirche getroffen wird.

o Die Polizei ist zum Fronteinsatz befohlen. In der ganzen Stadt werden Geschäfte und Lagerräume von der Bevölkerung aufgebrochen und geplündert.

o Ein Leutnant der Heeresstreife verrät die Widerstandsgruppe im Wehrkreiskommando an die SS. Die wichtigste Persönlichkeit der geplanten Aktionen, der Kommandant der Heeresstreife Major Biedermann, wird als erster verhaftet.

Samstag, der 7. April 1945

o Auf persönlichen Befehl Hitlers treffen in Wien die Panzerdivision “Führer” und als neuer Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd Generaloberst Lothar Rendulic ein.

o Zum letzten Mal erscheinen die letzten noch bestehenden Wiener Nazi-Zeitungen, “Völkischer Beobachter” und “Kleine Wiener Kriegszeitung”. Sie melden: “Wien im harten Abwehrkampf. Preßburg gefallen”. Sie melden nicht, dass die Rote Armee in breiter Front die March überschritten hat und nun auch von Osten gegen Wien vorrückt.

o Im Wiener Landesgericht werden einige politische Häftlinge, entgegen dem Befehl der vorgesetzten Stellen, freigelassen, unter ihnen Paul Hörbiger, die Dichterin Paula v. Preradovic und ihr Mann, der Journalist Ernst Molden.

o Die Gasversorgung ist aus Sicherheitsgründen eingestellt, der Großteil Wiens ist ohne Strom, vielfach ist auch die Wasserversorgung unterbrochen. Die Straßenbahn wird eingestellt. In einigen Bezirken funktioniert noch das Telefon. Der Postbetrieb ist eingestellt.

o Die Wiener Feuerwehr erhält den Befehl, Wien zu verlassen. 3.800 Männer mit 627 Fahrzeugen verließen die Stadt über die Reichsbrücke. Sie kamen während des Rückzuges über das Waldviertel bis Oberösterreich und erst im Verlauf des Sommers 1945 gruppenweise nach Wien zurück. In Wien verblieben nur wenige Männer, die sich dem Abmarschbefehl entziehen konnten, mit einigen veralteten und nur bedingt einsetzbaren Geräten. Gleichzeitig flammten überall in der Stadt Brände auf, vor allem beiderseits des Gürtels und im Bereich der Ringstraße. Die Bevölkerung war bei der Bekämpfung der Brände im Wesentlichen allein, ohne Feuerwehr.

o An verschiedenen Stellen, zum Beispiel bei der Spinnerin am Kreuz und beim Sandleitenhof, haben Wienerinnen und Wiener die deutschen Soldaten dazu überredet, den Kampf aufzugeben und die Barrikaden wegzuräumen. Sie haben ihnen die Waffen abgenommen und sie mit Zivilkleidung versorgt. Genaue Angaben darüber gibt es natürlich nicht, doch sprechen Zeitzeugen davon, dass es allein in Ottakring mindestens 500, vielleicht sogar 3.000 Männer waren, die auf diese Weise aus dem Krieg gerettet wurden.

Text: Rathauskorrespondenz

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