105. Frauentag steht heuer im Zeichen der Flüchtlingskrise

Der Weltfrauentag steht im Zeichen der Flüchtlingsfrauen Der Weltfrauentag steht im Zeichen der Flüchtlingsfrauen - © APA/dpa/Harald Tittel
Der 105. Frauentag steht in diesem Jahr unter dem Eindruck der Flüchtlingsbewegung. Es sind einige Veranstaltungen geplant, in denen Frauen im Zentrum stehen sollen.

Rund um den 8. März laden die Parteien und Organisationen zu zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Im Frauenministerium findet wieder ein Open House statt, bei dem das Flüchtlingsthema mit all seinen Facetten beleuchtet wird.

Im Zeichen der Flüchtlinge

Frauen und Mädchen auf der Flucht benötigen mehr als alle anderen Unterstützung, heißt es in der Einladung des Frauenministeriums für den 8. März. Beim Open House soll daher das Thema mit Expertinnen beleuchtet und gemeinsam nach Lösungsansätzen gesucht werden. Ressortchefin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) eröffnet die Veranstaltung kurz nach 17 Uhr, danach wird ein Ausschnitt des Films “so far” von Lydia Kaminski gezeigt. Am anschließenden Talk nimmt unter anderem Birgit Einzenberger vom UNHCR teil.

Die SPÖ-Frauen starten anlässlich des Frauentags wieder einen Partizipationsprozess. Diesmal geht es um das Thema Arbeit und anders als zuletzt wird die Befragung nicht online, sondern persönlich etwa bei Straßenaktionen bis Ende April durchgeführt. Das Ergebnis wird wieder in Form des Leitantrags für die Frauenkonferenz und den SPÖ-Bundesparteitag im Herbst ausgearbeitet. Rechtzeitig zum Frauentag präsentieren die SPÖ-Frauen auch ihre neue Homepage, einen neuen Newsletter sowie eine Online-Zeitung, erklärte SPÖ-Frauen-Bundesgeschäftsführerin Andrea Brunner. Die Frauentagsfahne wird am 4. März vor der SPÖ-Bundesgeschäftsstelle gehisst.

Events am 105. Frauentag

Am 7. März laden die ÖVP Frauen und Bundesleiterin Dorothea Schittenhelm gemeinsam mit der Wiener Organisation zu einem Kinoabend. Gezeigt wird “Suffragette”, ein Film über eine Arbeiterin, die sich dem Kampf der Suffragetten um Frauenrechte im England des frühen 20. Jahrhunderts anschließt. Die ÖVP-Frauensprecherin beteiligt sich auch an der Aktion “Gemeinsam gegen Gewalt” der Parlamentsparteien (bis auf das Team Stronach) mit Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ).

FPÖ-Parlamentsklub und die Initiative Freiheitliche Frauen organisieren wieder eine Veranstaltung im Palais Epstein am 7. März. Unter dem Titel “Frauen. Stärken. Werte” wird über das Gendern in der Sprache diskutiert, erklärte Frauensprecherin und Obfrau Carmen Schimanek.

“Frauen an die Macht”

Die Grünen-Frauensprecherin Berivan Aslan und Sozialsprecherin Judith Schwentner informieren bei einer Pressekonferenz über die Auswirkungen der Krisen auf Frauen. Außerdem ist am 8. März unter dem Titel “Frauen in allen Sphären” eine Kunstaktion von Marianne Vlaschits geplant.

“Frauen an die Macht” heißt es bei der Podiumsdiskussion der NEOS am Frauentag und mit dabei ist auch die unabhängige Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss. Gesprochen werden soll darüber, was sich durch eine Bundespräsidentin oder eine Bundeskanzlerin ändern würde bzw. warum es für Parteien so schwierig ist, Frauen als Kandidatinnen zu gewinnen.

Um den “Selbstschutz für Frauen” geht es bei einer Pressekonferenz des Team Stronach am 4. März. Neben Klubchef Robert Lugar und Frauensprecherin Martina Schenk wird daran eine Frau teilnehmen, die eine Waffenbesitzkarte erwerben will. Im Anschluss an die PK werde man Pfeffersprays auf der Straße verteilen, hieß es.

Aktion in Wien

Die ÖGB-Frauen sind am 7. März bei einer Aktion im Einkaufszentrum Millennium City in Wien. Geplant ist ein Fragequiz, das sich auf Forderungen und Errungenschaften der ÖGB-Frauen bezieht.

Bereits zum fünften Mal laden die Frauenhäuser in Kooperation mit der Volkshochschule WienUrania zu einem Themennachmittag. Die diesjährige Veranstaltung am 12. März steht unter dem Motto “Change – Veränderung als Chance”. Experten aus der Frauen- und Männerberatung werden dabei etwa einen Einblick in opferorientierte Täterarbeit geben, auf dem Programm stehen auch die Vorstellung des Kochbuchs “So schmeckt die Welt – besondere Frauen, besondere Rezepte” und die politisch-künstlerische Performance “One Billion Rising – Eine Milliarde erhebt sich”.

Der Internationale Frauentag für mehr Chancengleichheit wird dieses Jahr zum 105. Mal begangen. Zurück geht die Einrichtung des Frauentags auf einen Streik von Textilarbeiterinnen 1908 in den USA. Laut den Vereinten Nationen haben dabei Frauen in New York gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert. Am 19. März 1911 fand in Wien die erste große Demonstration für die Rechte der Frauen statt.

Änderungen in der Politik

Die Wahlen des Jahres 2015 – drei Landtagswahlen, fünf Gemeinderatswahlen und die Wien-Wahlen – haben in der politischen Landschaft zu teils massive Änderungen geführt und sich auch auf den Frauenanteil ausgewirkt. Aufgrund der Wahlen in Oberösterreich und Wienist der Frauenanteil in der Spitzenpolitik gesunken, in Oberösterreich gibt es nun eine rein männlich besetzte Landesregierung.

Die zwei Landtagswahlen im Burgenland und der Steiermark sowie die vier Gemeinderatswahlen in Kärnten, Niederösterreich, der Steiermark und Vorarlberg im ersten Halbjahr 2015 brachten einige strukturelle Änderungen, erklärte Werner Zögernitz (ÖVP), Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen. So wurde etwa die Zahl der steirischen Landtagsabgeordneten von 56 auf 48 verringert, was je zur Hälfte Männer und Frauen betraf.

Im Jänner 2016 amtierten insgesamt 138 Bürgermeisterinnen (6,6 Prozent) gegenüber 141 im ersten Halbjahr 2015. An der Spitze liegt hier Niederösterreich mit 57 der 573 Ortsvorsteher, das ist ein Frauenanteil von 9,9 Prozent. Abgesehen von Wien ist der Anteil in Salzburg am geringsten; in diesem Bundesland gibt es nur vier Bürgermeisterinnen (3,4 Prozent). Die Gemeinderatswahlen in Tirol am Sonntag dürften die Zahl der Ortschefinnen noch verringern. Zwei Landeshauptstädten – Innsbruck und Klagenfurt – und auch der größten Stadt Vorarlbergs, Dornbirn, steht eine Frau vor.

Schere an Unis sieht anders aus

Je höher die Sprossen auf der universitären Karriereleiter, desto geringer der Frauenanteil. Dieser Grundsatz gilt an den österreichischen Universitäten mittlerweile nicht mehr, wie ein Blick auf diverse Gender-Statistiken des Wissenschaftsministeriums zeigt. Vor allem auf Rektoratsebene ist der Frauenanteil massiv angestiegen, bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern herrscht bald Halbe-Halbe.

2014 betrug der Frauenanteil bei den Studenten 53 Prozent und bei den Erstabschlüssen rund 61 Prozent. Bei den Zweitabschlüssen (v.a. Master, Doktorat, PhD) sind Frauen mit 49 Prozent dann bereits knapp in der Minderheit. Bei den drittmittelfinanzierten Mitarbeitern sinkt die Frauenquote dann auf 38,5 Prozent, während sie bei den wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Assistenten wieder auf 46 Prozent ansteigt. Bei den Professoren erfolgt dann der Absturz auf nur mehr 23 Prozent.

Bei den Funktionen sieht es wieder ganz anders aus: Hier sind die Frauen an der Uni-Spitze besser vertreten als in “unteren” Leistungsfunktionen. Mittlerweile sind 14 von 22 Rektoren (36 Prozent) bzw. 40 von 78 Vizerektoren (51 Prozent) Frauen. Bei den Leitern von Organisationseinheiten in Lehre und Forschung (z.B. Institute) beträgt der Frauenanteil dagegen nur 23 Prozent.

In den Senaten liegt die Frauenquote bei derzeit 42 Prozent. Auch in den Habilitations-, Curricular- und Berufungskommissionen schwankt dieser Anteil um die 40 Prozent – dieser war allerdings durch eine Regelung im Universitätsgesetz (UG) vorgegeben.

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(APA)

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