Zwist um mündliche Matura: Schüler drohen sogar mit Streik

Die Diskussion um die verpflichtende mündliche Matura geht in die nächste Runde.
Die Diskussion um die verpflichtende mündliche Matura geht in die nächste Runde. ©APA/HELMUT FOHRINGER
In einem Offenen Brief fordern Schülervertreter erneut eine freiwillige mündliche Reifeprüfung sowie zusätzliche Erleichterungen. Die heurigen Abschlussklassen seien der bisher am meisten von der Pandemie betroffene Jahrgang.
Matura auch 2022 mit Erleichterungen
Schüler fordern freiwillige mündliche Prüfung

Die von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) geplante Rückkehr zur verpflichtenden mündlichen Matura sorgt weiter für Diskussionen. Schülervertreter fordern in einem Offenen Brief erneut eine freiwillige mündliche Reifeprüfung sowie darüber hinaus noch zusätzliche Erleichterungen.

Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) und FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl unterstützen dagegen Polascheks Entscheidung.

Weiter Diskussion um verpflichtende mündliche Prüfung

In den vergangenen beiden Jahren war die mündliche Matura nur freiwillig. Wer nicht antreten wollte, bekam in dem betreffenden Fach die Note der Abschlussklasse ins Maturazeugnis. Begründet wurde dies jeweils mit den langen Distance-Learning-Phasen in den vergangenen beiden Schuljahren.

Heuer hat es noch keine vergleichbaren Schulschließungen gegeben. "Dieses Jahr konnte die meiste Zeit des Schuljahres im Klassenzimmer verbracht werden", argumentierte Plakolm in einer der APA übermittelten Stellungnahme. "Ich sehe daher nicht wirklich einen Grund, warum die Matura nicht in der gewohnten Form stattfinden sollte." Man könne jungen Menschen durchaus etwas zutrauen: "Lehrlinge haben die letzten zwei Jahre ihre Lehrabschlussprüfungen ganz ohne Erleichterungen gemeistert. Ich habe daher vollstes Vertrauen in die Maturantinnen und Maturanten, dass auch sie das gut machen werden."

Diesjährige Abschlussklassen "am meisten betroffener Jahrgang"

In einem vom Schulsprecher des Gymnasiums Rahlgasse, Mati Randow, veröffentlichten Offenen Brief, der von rund 100 Schulsprechern bzw. deren Stellvertretern unterzeichnet wurde, wird umgekehrt argumentiert: Die heurigen Abschlussklassen seien (aufgrund der Schließungen in den beiden Vorjahren) der bisher am meisten betroffene Jahrgang. Gleichzeitig wird zusätzlich zur Freiwilligkeit der mündlichen Matura auch gleich noch eine Einschränkung der Themenbereiche für die schriftliche Reifeprüfung und eine nur freiwillige Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten (AHS) bzw. Diplomarbeiten (BHS) gefordert. Auf oe24 drohte Randow sogar ab Montag mit einem Streik (wobei das aufgrund der ohnehin aufgehobenen Präsenzpflicht technisch schwierig sein dürfte, Anm.).

"Schüler müssen sich beweisen können": Unterstützung von FPÖ

Ungewohnte Unterstützung für Polaschek kommt von den Freiheitlichen: Bildungssprecher Hermann Brückl plädierte bei einer Pressekonferenz ebenfalls für die Rückkehr der verpflichtenden mündlichen Matura: "Man muss den Schülern die Chance geben, sich beweisen zu können." Auch der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Herbert Weiß (FCG), kann die Vorgangsweise Polascheks laut Medienberichten nachvollziehen. Man habe dem aktuellen Maturajahrgang auch nie gesagt, dass die mündliche Matura heuer nur freiwillig sei.

Anders als die schriftliche Matura, deren Themen vom Bildungsministerium vorgegeben werden, wird die mündliche Reifeprüfung von den jeweiligen Lehrern erstellt. Diese können daher je nach Umfang des durchgenommenen Stoffs Themenbereiche eingrenzen oder weglassen.

(APA/Red)

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