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Zweiter Prozesstag im Fall Kührer: Julias Eltern und Personen aus Umfeld befragt

Bei der Verhandlung in Korneuburg
Bei der Verhandlung in Korneuburg ©VIENNA.AT/Alexander Blach
 Bei den Zeugenbefragungen im Prozess um den Fall Kührer in Korneuburg kamen am zweiten Tag unter anderem Schulfreundinnen und die Familie der zum Zeitpunkt ihres Verschwindens 16-jährigen Julia zu Wort. Das Umfeld des Opfers, die Beziehung Julias und das Drogenthema wurden beleuchtet.
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Das Schicksal von Julia Kührer blieb nach ihrem Verschwinden aus ihrem Heimatort Pulkau (Bezirk Hollabrunn) im Juni 2006 fünf Jahre lang ungeklärt war, bis ihre sterblichen Überreste 2011 in einem Erdkeller auf dem Grundstück des Angeklagten Michael K. entdeckt wurden.

Dieser wies am Dienstag den Mordvorwurf von sich. Am Mittwoch kamen Zeugen zu Wort.

Ex-Freund behandelte Kührer schlecht

Der Ex-Freund der Schülerin Julia Kührer – die Beziehung endete ganz kurz vor der Abgängigkeit – ließ sich krankheitshalber entschuldigen.

Er habe Julia schlecht behandelt und ständig betrogen, gab dessen damaliger “bester” Freund an. Der Hilfsarbeiter, Jahrgang 1985, soll anderen Aussagen zufolge selbst in das Mädchen verliebt gewesen sein. Zum verbreiteten drogenkonsum nicht nur in der Clique Julias meinte er: “Fast ganz Pulkau hat gekifft”. Mehr zu diesem Zeugen und den Einvernahmen von Julias Schulfreundinnen, die das Mädchen zuletzt sahen, lesen Sie hier.

Das sagten Julias Eltern aus

Julias Eltern, beide Lehrer, berichteten von “normalen” Problemen in der Pubertät und beschrieben ihre Tochter als ruhig, introvertiert und eher lethargisch. Dass ihre Stimmungsschwankungen auf Drogenkonsum zurückzuführen sein könnten, hat die Mutter damals nicht in Erwägung gezogen: “Vielleicht war ich da auch ein bischen verblendet.” Sie führte diese auf Migräne zurück und habe auch mit ihrer Tochter nicht über Drogen gesprochen, nachdem ihr Sohn – vier Jahre älter als Julia und jetzt 27 – den Verdacht geäußert hatte, seine Schwester könnte durch ihren Freund mit Suchtgiftkreisen in Kontakt kommen.

Der Freund sei Julias “Heiligtum” gewesen. Allerdings wurde ihr nicht erlaubt, bei ihm zu übernachten bzw. generell, über Nacht wegzubleiben: Sie sei noch so jung gewesen, sagte die Mutter. Julia habe wenig erzählt, also auch nicht von der Videothek, die als Jugendtreff fungierte – und auch nichts nach der Trennung von ihrem Freund, obwohl sie weinend nach Hause kam.

Michael K. fragte Vater nach Verbleib der Schülerin

Am Morgen des 27. Juni 2006 sah die Volksschullehrerin die Tochter das letzte Mal, als sie nach kurzer Diskussion über einen beabsichtigten Besuch bei einem Psychotherapeuten in Wien zum Bus aufbrach, um in die Schule zu fahren. Als sie am Abend noch nicht daheim war, rief die Mutter Julias Freund an, der schlaftrunken wirkte, ihr vom Beziehungsende erzählte und nicht wusste, wo das Mädchen war. 2005 war Julia einmal nach einer Auseinandersetzung weggelaufen, aber am nächsten Tag wieder da.

Am 28. Juni erstatteten die besorgten Eltern Vermisstenanzeige. Eine große Suche lief an – “ich habe monatelang nach ihr gesucht”, sagte der Vater. Der pensionierte Pädagoge erfuhr erst im Nachhinein, dass Julia in Suchtgiftkreisen unterwegs war. Er habe ihren Freund einmal zur Rede gestellt, weil er nicht wollte, dass dieser seine Tochter jeden Tag mit dem Auto in die Schule brachte. Julia sollte mit dem Bus fahren und Kontakt zu ihren Freundinnen halten, habe er gemeint. Nach dem Verschwinden seiner Tochter habe ihn Michael K. dreimal angesprochen, ob er Neues über ihren Verbleib wisse.

Cousine: Eng befreundet mit dem Opfer

Während die älteren, nicht mehr daheim lebenden Brüder 2006 wenig Kontakt zu Julia hatten, sprach ihre Cousine von einem engen freundschaftlichen Verhältnis. Über die Videothek wusste sie allerdings wenig zu sagen.

Julia habe von ihrem Freund geschwärmt, meinte die Cousine. Jahre nach ihrem Verschwinden habe dieser einen “Versuch” bei ihr gestartet, sie habe ihn aber abblitzen lassen. Dass er auf einem Gut lebte und viel Geld hatte, war ihr egal, meinte sie. In einer früheren Aussage erklärte sie, er wäre unberechenbar und aggressiv, wenn er Alkohol oder Marihuana konsumierte. Sein Name wurde damals unter den Verdächtigen genannt, sagte die Cousine. “Schockiert” war sie über ein Gespräch mit dessen bestem Freund, den das Gericht in der Früh als ersten befragt hatte. Dieser – 2006 selbst in Julia verliebt – habe rund ein Jahr später zu ihr unter vier Augen gesagt, “was willst du, dort wo die Julia jetzt ist, da geht’s ihr eh besser.” Julia sei ein sehr begehrtes Mädchen gewesen, für sie habe es aber nur ihren Freund gegeben.

Mitarbeiter: “K. schlug Freundin blaues Auge”

Der einstige Videothek-Mitarbeiter (27) sagte aus, dass Michael K. 2006 sogar sein Trauzeuge war. Die meiste Zeit sei er in der Videothek gewesen, während sein “Chef” viel unterwegs war. Julia sei öfters da gewesen, nicht nur zusammen mit ihrem Freund. Er bestätigte, dass K. sich als “Frauenheld” gegeben habe, dem jüngere Frauen gefielen.

Eine Freundin habe er nicht gut behandelt: “Einmal hat sie ein blaues Aug’ gehabt.” Eines Tages sei die Tschechin einfach weg gewesen. Einmal habe sich K. quasi prahlerisch vor ihm entblößt. Dessen abgeriegeltes Grundstück in Dietmannsdorf hätte er wegen der Hunde nicht zu betreten gewagt, meinte der Zeuge.

Am späten Nachmittag waren weitere Zeugen aus Pulkau geladen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

(apa/red)

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