Zwei von drei Beschäftigten fühlen sich überlastet

Feldkirch - Die Vorarlberger Arbeiterkammer (AK) hat am Freitag ein Modell zur behutsamen Wiedereingliederung für Mitarbeiter nach Langzeitkrankenständen vorgestellt.

Im Mittelpunkt stehe dabei der Mensch. Ziel sei es, dass Mitarbeiter durch Arbeitsversuche während des Krankenstands langsam wieder im Beruf Fuß fassen könnten. Die Einführung des “Betrieblichen Eingliederungsmanagements” (BEM) würde eine “Win-Win-Situation” für alle Beteiligten bedeuten, so AK-Präsident Hubert Hämmerle und Manfred Brunner, Abteilungsleiter des AK-Betriebsreferats und Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK).

Laut Studien, etwa dem Arbeitsgesundheitsmonitor, nehmen gerade psychische Belastungen der Arbeitnehmer immer mehr zu. Bereits 65 Prozent der Beschäftigten leiden unter einem Gefühl der Überlastung. Neben körperlichen Gebrechen haben gerade Stress und Burn-out häufig Langzeitkrankenstände – also eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40 Tagen – zur Folge. 2009 gab es in Vorarlberg laut Brunner 4.500 Langzeitkrankenständler, sie verursachten insgesamt 530.000 Krankenstandstage und einen Aufwand von rund 20 Mio. Euro. Bei dieser Gruppe soll das neue Modell nun ansetzen.

Während es derzeit nur die Option Krankenstand oder volle Belastung gibt, sollen langzeitkranke Arbeitnehmer künftig sanft wieder in den Betrieb eingegliedert werden. Voraussetzung ist für Hämmerle dabei die Bewilligung eines Arztes, der Arbeitszeitausmaß und Tätigkeitsbeschränkungen definiere. Das an Deutschland angelehnte Modell basiere auf Freiwilligkeit beider Seiten und sei kein Teilzeitkrankenstand, da die Maßnahme innerhalb des Krankenstands des Mitarbeiters durchgeführt werde. Ein Ausstieg sei jederzeit möglich. Wichtig sei, dass kein Druck entstehe, der einem Heilungserfolg entgegenstehe.

Laut Brunner könnten in der Zeit Mitarbeiter und Arbeitgeber die Ursachen für den Krankenstand analysieren und eventuelle Arbeitsplatzanpassungen vornehmen. Mit der stufenweisen Wiedereingliederung würde verhindert, dass Langzeitkranke arbeitslos oder berufsunfähig würden. Ihre Leistungsfähigkeit könnte schneller wiederhergestellt werden. Vorteile hätte das Modell auch hinsichtlich älterer Mitarbeiter, die damit länger in der Arbeitswelt bleiben könnten. “Das BEM nutzt sowohl dem einzelnen Beschäftigten als auch seinem Arbeitgeber und den Sozialversicherungen”, so Brunner.

Zur Einführung wären laut Brunner gesetzliche Änderungen im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz und in den Satzungen der Unfallversicherung nötig. Hämmerle betonte, man habe bereits positiv verlaufene Vorgespräche mit den Vorarlberger Sozialpartnern, dem Hauptverband, der Bundes-AK und der Ärztekammer geführt. “Das Modell wird von allen Seiten positiv gesehen”, so Hämmerle. Wie gesetzlich vorgesehen soll es in Bälde auch eine Beratungsstelle für Menschen mit arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen geben. Hier fehle aber die Vernetzung mit den Betrieben, bemängelte Brunner. Diese Lücke soll durch das BEM geschlossen werden.

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