Zwei "Flugengel" für Marco

Hohenems - Es ist viel los am gestrigen frühen Vormittag im kleinen Hangar beim Hohenemser Flughafen. Ein Privatflugzeug brachte Schwerstbehinderten zur Delfin-Therapie in die Türkei.

Aufgeregt trifft eine kleine Gruppe von Menschen letzte Vorbereitungen für einen ganz besonderen Flug. Marco, 26, soll endlich nach Kemer in die Türkei kommen. Zur Delfin-Therapie, von der sich seine Eltern so viel versprechen. Marco Graf ist schwerstbehindert. Seit vier Jahren. Seit der Harder zwischen Wangen und Leutkirch einen fürchterlichen Unfall hatte. Schwere Kopfverletzungen versetzten ihn ins Koma, die Ärzte gaben ihn mehr oder weniger auf.

Nie aufgegeben

Doch Marco hat seine Mutter Margit. Sie gibt ihn nie auf, betreut ihn liebevoll. Und Marco kommt plötzlich ins Leben zurück, beginnt auf die Umwelt zu reagieren, zu lächeln, Arme und Beine zu bewegen. „Ich glaube, er wird wieder sprechen lernen“, sagt Mama Margit tapfer. Dazu beitragen soll eine Delfin-Therapie im türkischen Badeort Kemer. „Ich habe schon viel Gutes darüber gehört. Wir erhoffen uns davon entscheidende Impulse“, demonstriert Margit Graf unerschütterlichen Optimismus.

Verweigerung

Dass Marco jetzt in die Türkei kann, verdankt er den erfahrenen Privatpiloten Dr. Reinhard Flatz und Dieter Oberhöller. Denn sie haben sich bereit erklärt zu tun, was arrivierte Fluglinien wie Swiss, Lufthansa oder Air Berlin verweigerten: Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der an den Rollstuhl gefesselte Marco behindertengerecht transportiert werden kann. „Alle Fluglinien, die ich angefragt habe, gaben mir einen Korb“, berichtet Margit Graf. „Sie waren nicht bereit, ein paar Sitze abzumontieren, damit Marco mit den Füßen genug Bewegungsfreiheit hat.“

25.000 Euro

Durch ihre Schwester hörte Frau Graf von Dr. Reinhard Flatz, ein Spezialist für ungewöhnliche Flugtransporte. „Unsere Cessna-Caravan bietet Marco genug Platz. Deswegen haben wir uns für diese Aufgabe bereit erklärt.“ Gemeinsam mit seinem Pilotenkollegen Dieter Oberhöller fliegt Flatz den Behinderten samt Mutter, Ergotherapeut und Krankenschwester nach Antalya. Honorar verlangen die beiden Piloten keines, die Familie muss „nur“ für die mit dem Flugzeug verbundenen Kosten aufkommen. Stichwort Kosten. „Therapie und Transport verschlingen 25.000 Euro“, verrät Margit Graf. Doch für Marco ist der Familie nichts zu teuer. Und sollte er in Kemer auch nur kleine Fortschritte machen, werden sie alle glücklich sein.

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