Zwei 18-jährige Salzburger wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht

Die beiden 18-jährigen Angeklagten sind am Nachmittag von dem Salzburger Jugend-Geschworenengericht wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz schuldig gesprochen worden. Der Erstangeklagte erhielt sechs Monate bedingt, der Zweitangeklagte fünf Monate bedingt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Der Strafrahmen bei diesem Delikt beträgt für jugendliche Straftäter bis zu fünf Jahren Haft.
Bilder vom Prozess

Zwei 18-jährige Salzburger aus dem Flachgau standen wegen NS-Wiederbetätigung vor einem Geschworenengericht. Die Angeklagten haben rechtsextreme Lieder verbreitet, die Hand zum „Hitler-Gruߓ erhoben und laut „Heil Hitler“ gerufen. Es sei der Reiz des Verbotenen und jugendlicher Leichtsinn gewesen, nun hätten sie aber alle “Nazi-Allüren” abgelegt, meinten die beiden reumütig.

„Nicht viel dabei gedacht“

Viel habe er sich nicht dabei gedacht, als er die Lieder wie “Der Führer“, “Josef Goebbels“, “NSDAP” anhörte, manchmal auch zusammen mit sechs Freunden, erklärte der Erstangeklagte der vorsitzenden Richterin Bettina Maxones-Kurkowski. Im Alter von 14 Jahren, begann sich der mittlerweile gelernte Koch intensiv für den Rechtsextremismus zu interessieren. Er lud einschlägige Texte auf seinen USB-Stick herunter. Auf die Festplatte seines Computers getraute er sich nicht aus Angst vor einer Schelte seiner Eltern.

“Das Militante hat auf mich eine gewisse Faszination ausgeübt. Erst bei der Hausdurchsuchung und bei der Einvernahme wurde mir bewusst: Jetzt ist es vorbei mit lustig“, meinte der 18-jährige.

Der Erstangeklagte habe auch in der Öffentlichkeit des Öfteren “Heil Hitler” gerufen und sich gegen Ausländer und insbesondere Juden ausgesprochen.

Der Schüler sei damals so extrem aufgetreten, dass ihn der “Ring Freiheitlicher Jugendlicher” rausgeschmissen hätte, schilderte der Staatsanwalt. Der Zweitangeklagte, ein Kfz-Lehrling, habe dagegen eine untergeordnete Rolle gespielt. Er gab ein Lied weiter und rief bei der Party “Heil Hitler”. “Da wollten wir nur eine andere Gruppe von Jugendlichen provozieren”, meinten die Angeklagten.

„Von Ausländern geschubst“

Was die Ausländerfeindlichkeit ausgelöst hat? “Ich wurde in der ersten Klasse Hauptschule bei der Bushaltestelle von 15-jährigen Ausländern geschubst”, sagte der Koch. Jetzt habe er mit dem “Neonazi-Thema” abgeschlossen. “Ich werde so etwas nie wieder anrühren”, beteuerte er. Sein Verteidiger Johannes Hebenstreit bat wie der Anwalt des Zweitangeklagten, Christian Schubert, um ein mildes Urteil. “Sie sind keine eingefleischten Nationalsozialisten. Sie haben aus ihren Fehlern gelernt und bereuen die Tat sehr”, betonten die Juristen.

  • VIENNA.AT
  • Salzburg-News
  • Zwei 18-jährige Salzburger wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen