Zeitumstellung: FPÖ will die Sommerzeit abschaffen

Dass durch die Zeitumstellung Samstagnacht an der Uhr gedreht wird, stört hauptsächlich die FPÖ
Dass durch die Zeitumstellung Samstagnacht an der Uhr gedreht wird, stört hauptsächlich die FPÖ ©APA/Herbert Pfarrhofer
Die FPÖ gab ihre Pläne für eine neue, ungewöhnliche Initiative bekannt: Die Freiheitlichen wollen sich dafür einsetzen, die Sommerzeit abzuschaffen. Ihrer Argumentation zufolge bringe die Zeitumstellung nämlich keinerlei Vorteile, aber viele Probleme. Herr und Frau Österreicher sehen dies allerdings weitgehend gelassener.

In der Nacht auf Sonntag ist es wieder so weit: Die Zeitumstellung steht ins Haus. Konkret “verlieren” wir bei der Umstellung auf Sommerzeit eine Stunde – und haben vor allem in den ersten Tagen vermehrt mit Frühjahrmüdigkeit zu kämpfen. Das Positive daran: Es bleibt gefühlt “länger hell” und die Zeitumstellung läutet traditionell die langen, schönen Sommertage ein, wo man noch spätabends draußen sitzen und laue Lüftchen genießen kann. Der FPÖ ist dieses eigentlich bewährte Vorgehen jedoch ein Dorn im Auge – wenn es nach den Freiheitlichen geht, soll die Uhr künftig nicht mehr angerührt und weder vor- noch zurückgestellt werden.

Zeitumstellung: Keine Energieesparnis, nur Ärgernis?

Ihre diesbezügliche Meinung und die geplante Initiative der Freiheitlichen zur Abschaffung der Sommerzeit wurde in einer aktuellen Presseaussendung der FPÖ erwähnt. “Einerseits wurden über die Jahre hinweg sämtliche Energiesparargumente widerlegt, die zur Einführung der Sommerzeit geführt haben. Andererseits stehen die Nachteile außer Zweifel. Es stellt sich also die Frage, wieso man etwas beibehalten soll, das keinem nützt, aber vielen Probleme bringt,” so Kärntner FPÖ-Obmann Uwe Scheuch.

Man werde daher mit den Kärntner Abgeordneten im Parlament in Wien die Möglichkeiten ausloten, um eine Abschaffung der Sommerzeit beziehungsweise ein Ende der Zeitumstellung zum politischen Thema zu machen, so Scheuch. Als Hintergrund verweist der Kärntner FPK-Chef auf Studien, die angeblich belegen, dass den geringfügigen Einsparungen im Frühjahr bei Privathaushalten ein umso stärkerer Stromverbrauch im Spätsommer und Herbst entgegensteht, insbesondere ein erhöhter Heizbedarf in den frühen Morgenstunden und eine stärkere Nutzung von Klimaanlagen an den längeren Nachmittagen und warmen Sommerabenden.

Österreicher bringt Zeitumstellung nicht aus der Ruhe

Außerdem hätten Psychologen und Mediziner negative Auswirkungen der Zeitumstellung für den menschlichen Organismus bei der Anpassung des chrono-biologischen Rhythmus festgestellt. Aber auch die rechtlichen Fragen bei Nacht- und Bereitschaftdiensten und die Umstellungsprobleme der Tiere bezüglich Fütterung oder Melkzeiten seien durchaus zu berücksichtigen, erklärt Scheuch. “Keinem hilft’s, keiner braucht’s und viele stört’s. Also weg mit der sinnlosen Zeitumstellung”, meinte FPK-Obmann Scheuch zum strittigen Thema Zeitumstellung.

Fakt ist: Die wenigsten Österreicher denken bezüglich Zeitumstellung wie die FPÖ – diese hat hierzulande außer der FPÖ kaum Gegner. Studien zufolge sehen die Österreicher den Fakt, dass am Sonntag die Uhren eine Stunde vorgestellt werden, zumeist recht gelassen. 80 Prozent stehen positiv bzw. neutral dazu, nur 19 Prozent sehen darin nur Nachteile, so eine “market”-Erhebung des Vorjahres. Aber egal, ob man es liebt oder nicht, um 2.00 Uhr springen die Zeiger auf 3.00 Uhr. Erst Ende Oktober werden die gestohlenen 60 Minuten “zurückgezahlt”. Bis dahin werden wir mit einem Extra-Stündchen Abendsonne belohnt.

Zeitumstellung leicht gemacht

Die Chronometer können bereits vor dem Schlafengehen umgestellt werden, mitten in der Nacht oder Sonntag früh. Besonders Schlaue lassen sich von einer Funkuhr die Arbeit abnehmen. Pünktlich wird das Zeitsignal aus der Nähe von Frankfurt die Zeiger wandern lassen. Möglich macht dies ein Langwellensender mit einer Mindestreichweite von 1.500 Kilometern, der Funkuhren auf den weltweit genauesten Chronometer abstimmt.

Keine Umstellungsmöglichkeit – außer eine gewaltsame und nicht empfehlenswerte – gibt es für Sonnenuhren, da sich unser Gestirn nicht um die Änderung kümmert. Damit die Sonnenuhr dennoch “richtig geht”, muss man beim Ablesen eine Stunde dazuzählen.

Darum stellen wir die Uhren um

Eingeführt wurde das Prozedere 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Hintergrund, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Frankreich machte damals den Anfang. Österreich beschloss die Einführung erst 1979 wegen verwaltungstechnischer Probleme und weil man eine verkehrstechnische Harmonisierung mit der Schweiz und Deutschland wünschte. Diese beiden Länder führten die Sommerzeit auch erst 1980 ein. Allerdings gab es in der Alpenrepublik bereits im Ersten Weltkrieg schon einmal die Sommerzeit. Im Jahr 1916 galt sie für die Monarchie vom 1. Mai bis 30. September, wurde dann aber wieder eingestellt. Ein zweiter – erfolgloser – Versuch zur Zeitumstellung wurde in den Jahren 1940 bis 1948 unternommen, bevor es 1973 tatsächlich klappte.

Betrachtet man das Einsparungspotential durch die Umstellung, so ist dieses durchaus gegeben – der Effekt ist messbar. Laut E-Control hatte die Vorgängerorganisation, der Bundeslastzuteiler, 1980 eine maximale Einsparung von 0,28 Prozent des Jahresverbrauchs berechnet. Dies entsprach beim damaligen Verbrauch 88 GWh (88 Millionen kWh). Seither hat der Stromhunger um den Faktor 1,8 zugenommen, woraus sich für 2005 eine Einsparung von rund 160 GWH oder 80.000 Tonnen CO2 ergibt. Zum Vergleich: Das Donaukraftwerk Ybbs erzeugt pro Jahr etwa 1.400 GWh, das KW Freudenau 1.100 GWh. Das Thema Zeitumstellung bleibt also wohl ein strittiges – das Herrn und Frau Österreicher anders als die FPÖ jedoch nicht wesentlich aus der Ruhe bringt.

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