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"Wittgenstein 1918-2018" als Hommage an Universalgenie

Es wirkt wie ein geheimnisvoller, zauberischer Fremdkörper inmitten von Palais und Gründerzeitbauten und im Schatten eine riesigen neuen Rohbaus: Das 1928 fertiggestellte Wittgenstein Haus in Wien-Landstraße, nach den Plänen des Philosophen Ludwig Wittenstein (1889-1951) erbaut, hat eine Aura, der man sich nicht entziehen kann. Seit Dienstag ist hier eine internationale Kunstausstellung zu sehen.

“Wittgenstein 1918-2018” lautet der Ausstellungstitel, der Bezug auf den vor 100 Jahren fertiggestellten “Tractatus Logico-Philosophicus” Wittgensteins nimmt. Während die vor wenigen Tagen zu Ende gegangene kleine Ausstellung “Die Tractatus Odyssee” im Wiener Grillparzerhaus sich mit Inhalt und Entstehung der berühmten Abhandlung beschäftigte, setzt die Kunstschau auf betonten Pluralismus. “Die Ansätze der Künstler sind so vielfältig wie Wittgenstein selbst”, betonte Kuratorin Denise Parizek, die drei Jahre an der Umsetzung ihres Konzeptes gearbeitet hat. Wittgenstein habe als sich als Philosoph und Erfinder betätigt, habe Musik komponiert, geschrieben, gezeichnet oder “so etwas wie Performances” ersonnen. Die eingeladenen Künstler setzten sich linguistisch, ästhetisch oder historisch mit seinem Werk auseinander: “Wie haben versucht, alles hineinzubekommen.” Dabei soll Wittgensteins Vielfältigkeit mit dem 21. Jahrhundert verbunden und in Bilder verschiedenster Medien übersetzt werden.

Parizek hat gemeinsam mit Minna Antova (die auch selbst mit einer Installation vertreten ist) und Oscar Sanchez Künstler aus Bulgarien, Australien, Serbien, Japan, Ungarn, Deutschland, Mexico, Österreich und Rumänien eingeladen. So bunt wie die Einladungsliste sind auch die Genres der Arbeiten: Zu sehen sind Malereien, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen. Dazu kommen performative Arbeiten und am Donnerstag um 15 Uhr eine Lecture von Laurentiu-Virgil Spataru, der sich Wittgensteins Codes ebenso experimentell wie musikalisch annähern möchte.

Die Skulptur einer weibliche Brust als Wasserspender (Maria Grün), einige Gipsplatten (Edgar Honetschläger), eine rote Außeninstallation (Svetlana Mircheva), ein experimentelles Video mit einem Gespräch zwischen einem fiktiven Wittgenstein und einem Mann mit Tourette-Syndrom (Oscar Cueto), ein Faxgerät, das rätselhafte Botschaften ausspuckt 
(Agnes Hamvas und Hubert Hasler) – gemeinsam ist allen Arbeiten, dass sie sich und ihren Wittgenstein-Bezug nicht von alleine erschließen. Insofern kommen sie dem “Tractatus” wohl tatsächlich nahe. Rumjana Koneva, die Direktorin des im Haus Wittgenstein residierenden Bulgarischen Kulturinstituts, zeigte sich bei der Vernissage jedenfalls außerordentlich zufrieden. Österreich habe ja am 1. Juli von Bulgarien die EU-Ratspräsidentschaft übernommen: “Diese Ausstellung ist mit Sicherheit einer der Höhepunkte des gemeinsamen Kulturprogramms.”

(APA)

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