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Wiens unbekannter Ort: Ein Besuch auf dem "Friedhof der Namenlosen"

Grabkreuze am "Friedhof der Namenlosen" in Wien
Grabkreuze am "Friedhof der Namenlosen" in Wien ©APA
Ganz versteckt beim Alberner Hafen befindet sich ein schaurig-schöner Ort, den selbst in Wien nur wenige kennen - der "Friedhof der Namenlosen". Hier fanden die meistens anonymen Opfer des Donaustroms vom Jahr 1845 bis 1940 ihre letzte Ruhe.
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Der Friedhof der Namenlosen in Wien-Simmering ist eine besondere Ruhestätte, die der Nebel noch mystischer macht. “Es ist eine Besonderheit, dass dieser mystische und schöne Ort weiter erhalten wird”, sagte der Geschäftsführer des Hafen Wiens, Friedrich Lehr, bei einem APA-Besuch auf dem Areal.

Einziger Friedhof für Opfer eines Flusses

Es ist nicht einfach, den Friedhof der Namenlosen zu finden. Nur ein Schild am Eingang zum Hafen weist darauf hin. Um das Areal zu erreichen, muss man durchs Hafengetümmel oder an alten Gleisen entlang spazieren. Nach einigen Minuten Fußweg sieht man schließlich links eine Kapelle emporragen.

Bei Stromkilometer 1.918 in Simmering, dort wo der Donaukanal in die Donau mündet, befindet sich die weltweit wohl einzige Begräbnisstätte, die ausschließlich Opfern eines Flusses vorbehalten ist. Mord- und Unfallopfer oder Selbstmörder wurden hier einst angeschwemmt und gleich begraben, meist blieben sie unbekannt.

Schlichte Kreuze für in der Donau Ertrunkene

Heute erinnern schlichte eiserne Kreuze mit weißen Christusfiguren noch an die Toten. Manchmal finden sich auch von Hand beschriebene Schilder: “Namenlos”, “unbekannt”, “männlich” oder “weiblich” ist auf diesen zu lesen. Über die Betroffenen weiß man sehr wenig, nur bei einigen stehen Name und Todesursache auf dem Schild – etwa: “Hier ruht Wilhelm Töhn. Ertrunken durch fremde Hand am 1. Juni 1904 im 11. Lebensjahr.”

Trotz der vielen unbekannten Toten, die keine Verwandten haben, welche die Grabpflege übernehmen könnten, wirkt der Friedhof der Namenlosen sehr gepflegt. Auf den letzten Ruhestätten der wenigen identifizierten Kinder liegen Kuscheltiere, Spielzeug aus Holz und Blumen. Auf fast jedem Grab brennt eine Kerze.

Ehrenamtlicher kümmerte sich um Areal

Das liegt wohl auch in der Leistung eines Mannes begründet: Der ehrenamtliche Totengräber Josef Fuchs hat bis 1939 die Verstorbenen am Friedhof der Namenlosen selbst begraben. Aber auch nach seiner Pensionierung kümmerte er sich um das Areal. So tauschte er etwa auch die Holzkreuze gegen die Eisenkreuze, die heute noch zu sehen sind. Für seine unermüdliche Arbeit wurde er sogar mit dem Goldenen Wiener Verdienstzeichen geehrt. Auch eine Gedenktafel an der Kapelle erinnert Fuchs, der 1996 starb. Seine Familie kümmert sich, mit Unterstützung der Stadt und des Hafens, noch immer um die Instandhaltung des Friedhofs.

Friedhof der Namenlosen ist zweigeteilt

Der Friedhof der Namenlosen besteht übrigens aus zwei Teilen. Der ältere Bereich, auf dem bis 1900 insgesamt 478 Tote bestattet wurden, ist heute kaum mehr zu sehen. Er wurde mehrfach überschwemmt, Bäume und Sträucher haben das Areal überwuchert. Heute erinnert nur mehr ein Gedenkkreuz an die zahlreichen Toten. “Hier konnten wirklich nur sehr wenig Begrabene identifiziert werden. Der alte Teil ist sozusagen der Ursprung des Friedhofs der Namenlosen”, erklärte Wolfgang Löhr, technischer Leiter des Hafen Wiens.

Der neue Friedhofsteil entstand im Jahr 1900 und wurde hinter dem Hochwasserschutzdamm errichtet. 1935 erhielt der Friedhof zudem die sogenannte Auferstehungskapelle und wurde mit einer Mauer eingefasst. Auf dem neuen Teil wurden zwischen 1900 und 1940 insgesamt 104 Wasserleichen beerdigt, nur 43 davon konnten identifiziert werden.

Gedenkfeier für Tote

Doch mittlerweile ist auf dem Friedhof der Namenlosen Ruhe eingekehrt: Durch die Hochwasserschutzdämme und der Änderung der Strömung werden mittlerweile keine Opfer mehr angespült. Außerdem beerdigt die Stadt seit 1940 unbekannte Personen am Zentralfriedhof.

Damit die Toten ohne Namen aber nicht in Vergessenheit geraten, wird ihnen jedes Jahr gedacht. Am Nachmittag des ersten Sonntags nach Allerheiligen wird ein vom Arbeiter-Fischer-Verein gebautes Floß, geschmückt mit Kränzen, Blumen, einem symbolischen Grabstein und brennenden Kerzen zu Wasser gelassen. In Gedenken an die anonymen Opfer des Donaustroms.

(apa/red)

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