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Wiener Universitätskliniken: Neue Ärzte-Dienstzeiten führen zu Engpässen

Wiener Universitätskliniken: Neue Ärzte-Dienstzeiten führt zu Engpässen
Wiener Universitätskliniken: Neue Ärzte-Dienstzeiten führt zu Engpässen ©APA/HELMUT FOHRINGER
An den Wiener Universitätskliniken (MedUni Wien) führt eine neue Betriebsvereinbarung über die Ärzte-Dienstzeiten zu Engpässen in der Patientenversorgung. Das kann längere Wartezeiten und geringere Behandlungskapazitäten an Österreichs Spitzenklinik bedeuten.

Maßgebliche Klinikchefs beklagen einen katastrophalen Personalmangel. Rektor Wolfgang Schütz hingegen sieht vorübergehende “Defizite”. “Mir tut es leid, dass dieses wunderbare Spital vor die Hunde geht. (…) Dieses Spital wird heruntergewirtschaftet”, erklärte Peter Husslein, Vorstand der Universitäts-Frauenklinik der MedUni Wien im AKH, gegenüber der APA.

Neue Vereinbarungen führe zu Engpässen in den Kliniken

Die neue Betriebsvereinbarung gilt seit 1. September 2013. Der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres, ehemals selbst Betriebsrat, bezeichnete die Grundsätze der neuen Vereinbarung als gut – vor allem, weil damit annehmbare Dienstzeitenregelungen verbunden und auch Platz für Forschung sei. Alle Betroffenen beklagen den ärztlichen Personalmangel, vor allem zu den “Stoßzeiten” am Vormittag, an den Wiener Universitätskliniken.

Der Grund: Mit der Betriebsvereinbarung geht jeder Arzt nach einem Nachtdienst und Dienstübergabe aus dem “patientenbezogenen Dienst”. An der Uni-Klinik bzw. an der MedUni Wien soll und kann er dann seine Forschungsarbeit bzw. die Lehre betreiben. Bisher gab es an den Wiener Universitätskliniken 173 Ärzte im Nachtdienst.

In Wien fehlen die Ärzte

Genau diese Mediziner fehlen am Tag nach dem Nacht-/Bereitschaftsdienst für die Patientenversorgung. Das Beispiel der Wiener Universitäts-Frauenklinik, auch eine der größten Entbindungskliniken: Es gibt jede Nacht neun diensthabende Ärzte. Sie fallen am nächsten Vormittag aus. Die Anästhesie hat laut einem Klinikchef 24 diensthabende Ärzte in der Nacht – und die fehlen dann ebenfalls jeden Tag. Die Kritik eines der maßgeblichen Klinikchefs: Es stehen beispielsweise Operationssäle leer, Operationen werden verschoben.

“Unter den voraussichtlich ab Herbst gegebenen Umständen sehen wir uns allerdings zur Aufrechterhaltung der notwendigen Qualität der Patientenbehandlung gezwungen, die Zahl der in unserer Klinik behandelten Patienten mit Implementierung der neuen Betriebsvereinbarung deutlich zu reduzieren”, schrieb bereits im Juni dieses Jahres der Chef der Uniklinik für Strahlentherapie, Richard Pötter, in einem E-Mail an die Wiener Klinikchefs. Die Angelegenheit hat besondere Brisanz wegen des in einer europäischen Vergleichsstudie von “Lancet Oncology” eindeutig erhobenen Defizits von 20 Prozent bei den Strahlentherapie-Kapazitäten für Krebspatienten in Österreich.

Flugblätter in Krankenhaus ausgeteilt

Zu einer Aufsehen erregenden Aktion gerade unter besonders Betroffenen – Krebspatienten – kam es am Dienstag dieser Woche rund um die mit jährlich rund 7.000 Patienten frequentierten Tageskliniken der Klinischen Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I. Ausgerechnet dort, wo einerseits auch komplexe Chemotherapien und Behandlungen im Rahmen der modernsten zielgerichteten und individualisierten Krebsbehandlung möglichst patientenfreundlich und kostensparend (keine stationäre Aufnahme) erfolgen, wurden Flugblätter mit eher alarmierendem Inhalt verteilt.

“Bisher ist es uns nicht gelungen, die äußerst restriktive Personalpolitik des Rektorats der medizinischen Universität in Hinblick auf die Zuteilung von Ärztestellen durch organisatorische Maßnahmen seitens der Klinikleitung zu kompensieren. Dementsprechend kann es heute und wahrscheinlich in Zukunft zu deutlichen Verzögerungen in Ihrer Versorgung kommen”, hieß es da.

An Uni-Kliniken herrscht Beunruhigung

Unter den Spitzenmedizinern der Wiener Uni-Kliniken herrscht offenbar Beunruhigung und tiefe Besorgnis. Derzeit fehlen 15 bis 20 Prozent an Kapazitäten bei den Ärzten, meinen Mediziner. “Ein anderer Klinikchef bestätigte die Aussagen Peter Hussleins mit einer immer schlechter werdenden Situation: “Das AKH geht den Bach runter. Die medizinischen Standards sind wegen der neuen Dienstregelungen längst verlassen.” Man arbeite daran, “das jetzige Defizit wieder auszugleichen”. Dies sei bis 1. März kommenden Jahres geplant.

Der Kernpunkt seien Management-Maßnahmen ohne Erhöhung der Geldmittel für Ärzte durch das Wissenschaftsministerium, so der Rektor. Derzeit wird überlegt, wo man einsparen könnte.  Zusätzlich wolle man den Ärztestand insgesamt erhöhen. Ausgeruhte Ärzte in der Patientenbetreuung wären wichtiger als unausgeruhte im Dauerdienst.

Mangel auch bei der Ausbildung von Ärzten

Von den kritisch eingestellten Klinikchefs der MedUni Wien werden auch die gesamten Rahmenbedingungen an der Universität beklagt. An den Universitätskliniken und somit im AKH solle Lehre, Forschung und Spitzenmedizin betrieben werden. Für die Gemeinde Wien ist seien sie eben ein “Allgemeines Krankenhaus”. In der Ausbildung der Mediziner solle bei mehr Studenten in Kleingruppen gelehrt werden.

Husslein zog folgende Bilanz: “Das System zerbröselt. Wir sind vor 25 Jahren in das Neue AKH eingezogen. Es ist einleuchtend, dass man es generalsanieren und Re-Investitionen von 1,5 Milliarden Euro tätigen muss. So kann es nicht weitergehen.” Statt ein neues “Krankenhaus Nord” zu bauen, sollte die Gemeinde Wien besser darauf achten, die Universitätskliniken und somit das AKH nicht zu vernachlässigen. Der Gynäkologe: “Es ist jedem in Wien zuzumuten, über die Gürtelbrücke ins AKH zu fahren. Die Patienten in Wien wollen das AKH.” Man müsse die Wiener über die Zustände aufklären.

(Red./APA)

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