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Wiener Universalkünstler Arik Brauer feiert 90. Geburtstag

Arik Brauer wird am 4. Jänner 90 Jahre alt.
Arik Brauer wird am 4. Jänner 90 Jahre alt. ©APA/ROBERT JAEGER
Wenn Arik Brauer lässig über die vereiste Vortreppe seines Hauses in Wien-Währing trippelt, scheint es unglaublich, dass der Maler am 4. Jänner seinen 90. Geburtstag feiert.


“Ich male einfach gern, ich kann nicht anders”, sagt der Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Sänger Arik Brauer wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag am 4. Jänner, wenn man ihn nach seinem Pensum fragt. Sofern er nicht gestört werde, wie etwa durch ein Interview, sei er in seinem Atelier in seiner Villa in Wien-Währing am Arbeiten.

So entstand erst jüngst jenes Bühnenbild, das er für ein neues Stück im Rabenhof geschaffen hat: In “Arik. Die wunderbar realistische Welt des phantastischen Herrn Brauer” zeichnet seine Tochter Ruth Brauer-Kvam das bewegte Leben ihres Vaters nach, ihr Ehemann Kyrre Kvam übernimmt die musikalische Leitung. Ab 22. Februar sind dann jene “Frauenschicksale” im Salzburg Museum zu sehen, an denen Brauer in den vergangenen zwei Jahrzehnten gearbeitet hat.

Brauer versteckte sich vor den Nazis

Arik Brauer wurde am 4. Jänner 1929 in Wien als Erich Brauer in eine russisch-jüdische Handwerkerfamilie geboren. Der Nationalsozialismus beendete seine Kindheit im Wien der 30er-Jahre, über die er in seinem auch vom Fernsehen ausgestrahlten Soloprogramm “A Gaude war’s in Ottakring” berichtet hat. Brauers Vater starb in einem Konzentrationslager, er selbst überlebte in einem Versteck.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges inskribierte der damals 16-Jährige an der Akademie der bildenden Künste in Wien (1945 bis 1951). Dort waren u.a. Albert Paris Gütersloh und Herbert Boeckl seine Lehrer. Nach Abschluss seines Studiums unternahm Brauer ausgedehnte Reisen, besonders Eindrücke aus dem Orient sollten sein späteres Werk prägen. Mit seiner Frau Naomi ließ er sich in Paris nieder, wo das Paar mit Singen seinen Lebensunterhalt verdiente. Wenig später stellten sich auch erste Ausstellungserfolge ein. Als Brauer 1964 die Pariser Boheme verließ und wieder nach Wien zurückkehrte, genossen die Protagonisten der “Wiener Schule des Phantastischen Realismus” bereits große Popularität.

Dialektlieder als Ursprung des Austropops

Brauers Gesangskarriere erreichte in den 70er-Jahren ihren Höhepunkt: Mit Dialektliedern wie “Sie ham a Haus baut” und “Hinter meiner, vorder meiner” war er an der Geburt des Austropops maßgeblich beteiligt. “Ich habe mich nie als Austropopper gesehen, obwohl ich da wirklich am Anfang dabei war”, sagte Brauer einmal in einem Interview. Er habe kritische Texte singen wollen. “Diese Liedtexte sind teilweise zu unserem großen Leidwesen aktuell geblieben. Einige davon wurden richtige Volkslieder, die man beim Heurigen oder auf einer Schutzhütte singen hört. Darauf bin ich stolz.”

Zudem war Brauer an Fernsehspielen beteiligt und als Grafiker, Bühnen- und Kostümbildner tätig. 1975 stattete er etwa “Die Zauberflöte” (Kostüme und Bühnenbild) an der Pariser Oper aus. Anfang der 90er-Jahre beschäftigte sich der Künstler – wie seine Kollegen Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser – mit Architektur. 1993 entstand auf der Wiener Gumpendorfer Straße ein “Brauer-Haus”, 1996 gestaltete Brauer die Fassade einer katholischen Kirche in Wien-Leopoldstadt. Im September 1997 zog er sich nach zwölfjähriger Lehrtätigkeit als Professor an der Wiener Akademie der bildenden Künste zurück.

Mehrfach ausgezeichnet

Anlässlich seines 85. Geburtstag widmete ihm das Leopold Museum in Wien unter dem Titel “Gesamt.Kunst.Werk” eine Werkschau aus, im selben Jahr präsentierte er im Wiener Jüdischen Museum eine von ihm gestaltete Pessach-Haggada. Brauer hatte das Buch, das am Sederabend, der den Beginn des jüdischen Pessach-Festes markiert, gelesen wird, schon 1979 einmal illustriert.

Brauer erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter das Österreichischen Ehrenkreuz 1. Klasse, den Preis der Stadt Wien für Malerei und die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold. 2015 wurde er mit einem “Amadeus Award” für sein Lebenswerk geehrt. Erst vor wenigen Wochen erhielt er im Rahmen der Antisemitismus- und Antizionismus-Kongress in Wien das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich.

(APA/red)

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