Wiener Stadtpalais Liechtenstein: Erster Blick ins renovierte Gebäude

Im neuen Glanz erstrahlt das Palais Liechtenstein
Im neuen Glanz erstrahlt das Palais Liechtenstein ©APA
Am Mittwoch erhielt die Presse exklusiven Zutritt zu den in neuem Glanz erstrahlenden Räumlichkeiten des Stadtpalais Liechtenstein. Die offizielle Eröffnung steht im April auf dem Programm, die ersten Führungen sind im Mai gebucht. Die Räumlichkeiten werden danach auch zur Miete für andere exklusive Events zur Verfügung stehen.
Erste Begehung
Das renovierte Stadtpalais
Führungen im Liechtenstein

Für Wiener Barock-Fans ist 2013 ein besonderes Jahr: Ab Herbst bespielt das Belvedere die frisch restaurierten Prunkräume im ehemaligen Winterpalais Prinz Eugens, bereits im Frühjahr öffnet das Stadtpalais Liechtenstein nach vier Jahren aufwendiger Renovierungsarbeiten und 100 Millionen Euro Investitionsvolumen seine Pforten. Die breite Öffentlichkeit wird das Ergebnis in letzterem Fall allerdings nicht so einfach zu Gesicht bekommen. Wie schon das Gartenpalais, das den Museumsbetrieb vor einem Jahr zugunsten von Events und gebuchten Führungen einstellte, wird auch das prunkvolle Stadtpalais nur zwei Mal pro Monat für Besucher offen stehen. Die restliche Zeit ist für “exklusive Veranstaltungen” reserviert.

Empfang im Stadtpalais Liechtenstein

 “Mit großer Freude” empfing Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein am Mittwoch Vertreter der Presse zu einem ersten Rundgang durch die im wahrsten Sinne des Wortes neu erstrahlten Räumlichkeiten, die im April (nicht öffentlich) eröffnet und am 3. Mai im Rahmen der ersten gebuchten Führung zu sehen sein werden. Im Zentrum stehen vier Veranstaltungsräume, darunter der opulente Spiegelsaal im 2. Stock. Die beeindruckende Feststiege, barocke Stuckdecken, üppiges Neo-Rokoko-Interieur, ausladende Luster und filigrane wie farbenfrohe Seidenbespannungen zeugen von der einstigen Opulenz, die nun ins 21. Jahrhundert transferiert wurde.

Der Fürst selbst, der für die Renovierung verantwortlich zeichnet, betrat das Palais erstmals im Jahre 1953, wo sich ihm ein schreckliches Bild bot, wie er heute erzählte. “Es gab einen Bombentreffer und auf dem Dach lag noch ein abgestürztes Flugzeug. Es hat wüst ausgeschaut”, so Hans Adam II. Die Schäden nach dem Zweiten Weltkrieg wurden laut Architekt Manfred Wehdorn damals nur “schnell behoben”, zu Beginn der Renovierungsarbeiten vor vier Jahren habe man festgestellt, “dass das Palais nicht in so gutem Zustand war, wie erhofft”. Das Palais litt unter Wasserschäden und Setzungen von teilweise bis zu fünf Zentimetern. Und dennoch stieß man – ähnlich wie auch im Winterpalais Prinz Eugens – auf so manche Überraschung hinter Gipswänden und Fußböden.

Zeitgemäßes trifft auf Historisches

Und so sei es die größte Herausforderung gewesen, “zeitgemäße Technik so unterzubringen, dass man es nicht sieht”, wie Wehdorn betonte. Mithilfe historischer Materialien und historischer Techniken haben Restauratoren Innen- und Außenwände in den Originalzustand versetzt, das gesamte Palais erhielt ein Stahlskelett und einen dreigeschossigen Tiefspeicher, in dem fortan die bisher in ganz Wien in Depots verstreuten Sammlungsbestände untergebracht werden können. Die freigelegten Thonet-Böden wurden dort, wo sie schadhaft waren, in Handarbeit restauriert, die Seidenbespannungen wurden teils nachgewebt, wozu eigens ein Webstuhl adaptiert werden musste. Neuvergoldungen erfolgten nur dort, wo Ergänzungen durchgeführt werden mussten, ansonsten wurde die 170 Jahre alte Vergoldung gereinigt.

Im Palais selbst will Johann Kräftner, Direktor der Sammlungen, rund 100 Werke von Malerei bis zu Biedermeier-Möbeln zeigen. Der Großteil der Originalausstattung aus dem 19. Jahrhundert werde allerdings im Depot verbleiben: “Wenn wir alles zeigen würden, wäre kein Platz mehr für die Besucher”, so Kräftner. Ihm schwebt bei der Gestaltung ein “Dialog zwischen der üppigen Raumausstattung und dem kargen Biedermeier” vor, die konkrete Hängung der Gemälde sei jedoch noch offen. Geplant ist die Ausstellung von Werken Friedrich von Amerlings, Friedrich Gauermanns oder Ferdinand Georg Waldmüllers.

Sinnvolle und nachhaltige Nutzung

Prinz Constantin von und zu Liechtenstein, Vorsitzender der Stiftung Fürst Liechtenstein, stellte das Konzept einer “sinnvollen und nachhaltigen Nutzung” vor. Mithilfe der Geschäftsfelder Events und Führungen wolle man “die laufenden, nicht unerheblichen Kosten abdecken”. Zudem habe man im Palais Räumlichkeiten “teuer” (O-Ton Hans Adam II.) an die liechtensteinische Privatbank LGT Group sowie die Palais Liechtenstein GmbH vermietet, die das Stadtpalais und das Gartenpalais verwaltet.

Fürst Liechtenstein sieht es als Verpflichtung, das Palais, das seit 1694 im Besitz der Familie steht, “für die Nachwelt zu erhalten” und es mit Veranstaltungen und Führungen wieder zum Leben zu erwecken. Die Revitalisierung gilt als die “umfangreichste Restaurierung nach wissenschaftlich-denkmalpflegerischen Grundsätzen der letzten Jahre in Wien”. Die Gruppenführungen a 25 Euro/Person beginnen am 3. Mai und finden zweimal pro Monat jeweils freitags statt. Die Räumlichkeiten können ab 5.500 Euro für Veranstaltungen angemietet werden. Bernhard Krytinar, für das Eventmanagement im Palais Liechtenstein zuständig, fasste zusammen: “Wir sind nicht billig, das könnten wir uns nicht leisten.”

(apa/red)

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