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Wiener Praterstraße soll verkehrsberuhigter werden

Uschi Lichtenegger will mehr Platz für Radfahrer.
Uschi Lichtenegger will mehr Platz für Radfahrer. ©APA/HERBERT P. OCZERET
Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger (Grüne) ist für eine Verkehrsberuhigung der Praterstraße in Wien-Leopoldstadt und möchte auf der Achse zwischen Donaukanal und Praterstern unter anderem mehr Platz für Radfahrer schaffen.

“Im Frühjahr wurde eine Verkehrszählung durchgeführt. Auf deren Basis ist gerade eine Studie am Laufen, welche Auswirkungen es haben würde, wenn man eine Fahrspur wegnimmt. Ich hoffe, dass Ergebnisse im Frühherbst vorliegen. Diese werden wir analysieren und in Gespräche sowie Budgetverhandlungen mitnehmen”, skizzierte Lichtenegger das weitere Vorgehen. Wann mit dem Vorhaben tatsächlich begonnen wird, lasse sich noch nicht sagen. Nur soviel: Die gesamte Straße samt Gehsteigen müsse nach 40 Jahren generalsaniert werden. Insofern sei es naheliegend, dass man hier gleich eine Neugestaltung vornimmt.

“Der Radweg ist zu schmal – auch wegen der zunehmenden Lastenräder, der Botendienste usw. Da sind wir gefordert, etwas zu tun. Wir brauchen mehr Platz. Und wo werden wir den wegnehmen? Von den Fußgängern sicher nicht. Parkplätze gibt es jetzt schon wenige, sondern nur Ladezonen und die braucht es. Bleibt also nur die Fahrbahn”, erklärte die Grünen-Politikerin. Im Zuge eines Bürgerbeteiligungsprozesses sei neben besseren Querungsmöglichkeiten für Fußgänger vielfach auch eine Verkehrsberuhigung gewünscht worden.

Wiener Praterstraße: Mehr Platz für Radfahrer

Um letztere zu erreichen, kann sich Lichtenegger auch Geschwindigkeitsbeschränkungen vorstellen: “Außerhalb der Stauzeiten wird auf der Praterstraße sehr schnell gefahren. Da könnten wir auch an Tempo 30 denken – eventuell in der Nacht als Kompromiss. Aber wenn mehr Querungen für Fußgänger da sind, wenn mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen wird, glaube ich, dass es automatisch zu einer Verkehrsberuhigung kommt.”

Positiv beurteilt Lichtenegger die Diskussion um eventuelle Zufahrtsbeschränkungen für die Innenstadt. “Ich begrüße, dass sich der 1. Bezirk etwas überlegt, aber ganz klar ist: Der 2. Bezirk muss eingebunden werden. Es kann nicht sein – das weiß der Bezirksvorsteher (Markus Figl, ÖVP, Anm.) auch -, dass das alles in die umliegenden Bezirke verlagert wird.” Die Leopoldstadt sei ein Transitbezirk, “wo sich in der Früh viele in Richtung City bewegen und am Abend wieder hinaus”. Deshalb benötige es Gesamtlösungen: “Es braucht Überlegungen hinsichtlich Citymaut, Parkpickerl für ganz Wien, Öffi-Ausbau und Verhandlungen mit Niederösterreich und dem Burgenland.”

Autoverkehr in Wien-Leopoldstadt vermindern

Den Autoverkehr vermindern will Lichtenegger auch vor Schulen. Deshalb startet nach den Sommerferien vor der Ganztagsvolksschule in der Vereinsgasse das Pilotprojekt “Schulstraße”, das erste dieser Art in Wien. “Wir wollen, dass Eltern darüber nachdenken, ob die Kinder wirklich täglich mit dem Auto zur Schule gebracht werden müssen. Dafür sperren wir eine halbe Stunde vor Schulbeginn die Straße ab.” Am betreffenden Schulstandort gebe es derzeit viele Elterntaxis, obwohl die Schüler aus der Umgebung kämen. Nach zwei Monaten wird evaluiert, wobei Lichtenegger hofft, dass die Schulstraße weiterhin bleiben kann.

Apropos Kfz-Verkehr: Sauer stößt der Vorsteherin nicht zuletzt ein Projekt der Pensionsversicherungsanstalt auf. Die PVA plane eine 445 Stellplätze fassende Hoch-Parkgarage mit einer Länge von 100 Metern und einer Höhe von 17 Metern auf Kosten von Grünflächen. Und das, obwohl im PVA-Gebäude schon 800 Parkplätze untergebraucht seien und der Standort auch öffentlich gut angebunden sei: “Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, wo man Mitarbeiter mit Gratis-Parkplätzen lockt. Viele Firmen denken um und bieten Jahreskarten oder E-Fahrräder an.” Die Bezirksvertretung sei einstimmig dagegen, insofern hat Lichtenegger kürzlich einen offenen Brief an die PVA-Führung geschrieben. Denn rechtlich habe man gegen das Vorhaben keine Handhabe, betonte sie. Die Flächenwidmung lasse einen derartigen Bau dort zu.

Pläne stoßen auf Skepsis bis Ablehnung

SPÖ-Mandatar Gerhard Kubik kritisierte per Aussendung am Freitag das “Vorpreschen” Lichteneggers: “In dieser Form ist die Diskussion um eine Spurverengung nur ein Aufwärmen eines Wahlkampfthemas.” Die vom Bezirk initiierte Verkehrsstudie müsse abgewartet werden. “Wir wollen keine Resultate der Erhebung vorwegnehmen. Wenn wir über Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung diskutieren, dann nur, wenn wir alle Fakten kennen. Das ist vernünftige Verkehrspolitik, die alle Interessen wahrt”, meinte Kubik.

FPÖ-Klubobmann Anton Mahdalik ärgerte sich über die “Schnapsidee” und die “neuerliche Schikane der Wiener Autofahrer”. Die Wegnahme von Fahrspuren würde ein “absolutes Chaos” zur Folge haben, ergänzte der blaue Bezirksparteiobmann Wolfgang Seidl. Vor allem Pendler aus der Donaustadt würden mit enormen Einschränkungen konfrontiert.

Auch die Volkspartei ist von der “Frotzelei für alle Verkehrsteilnehmer” alles andere als begeistert. “Die Grünen wollen ihre Ideologie den Menschen zwanghaft auferlegen, damit sie ihr Auto stehen lassen müssen. Das kann nicht sein”, resümierten Verkehrssprecher Manfred Juraczka und die Leopoldstädter Parteiobfrau Sabine Schwarz. Im Bürgerbeteiligungsverfahren hätten viele Bewohner Bedenken bezüglich einer Fahrspurverengung gezeigt. “Sie vertreten die Bevölkerung als Bezirksvorsteherin, nicht Ihre Partei”, richtete die ÖVP Lichtenegger aus.

ÖAMTC: Wegfall nicht vorstellbar

Ablehnend äußerte sich zudem der ÖAMTC. Der Wegfall eines Fahrstreifens sei “nicht vorstellbar”, denn als wesentliche Verbindungsstrecke zwischen Innenstadt und Praterstern müsse der Verkehrsfluss unbedingt erhalten bleiben, forderte Nikolaus Authried vom Autofahrerclub. Für Alternativen ist der ÖAMTC aber zu haben – etwa eine Aufhebung der Radweg-Benützungspflicht in der Praterstraße. Außerdem könnten die Radwege in Richtung der Grünflächen – dort, wo es möglich ist – verbreitert werden, so der Vorschlag Authrieds.

APA/red

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