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Wiener Pilotanlage verwandelt Abfall in Synthesegas

Baustart für eine neue Pilotanlage in Wien-Simmering.
Baustart für eine neue Pilotanlage in Wien-Simmering. ©SMS group
Am Standort der Sondermüllverbrennungsanlage in Wien-Simmering soll Mitte 2021 eine Pilotanlage den Betrieb aufnehmen, mit der ein hochwertiges Synthesegas aus Holz- oder Plastikabfällen gewonnen wird.

Neue Wege zur Gewinnung eines hochwertigen Synthesegases aus Holz- oder Plastikabfällen, vor allem aber aus Klärschlamm will ein Forschungsteam mit Industriepartnern erschließen. Zu diesem Zweck entsteht momentan am Standort der Sondermüllverbrennungsanlage in Wien-Simmering eine Pilotanlage in großem Maßstab. Im mit rund neun Millionen Euro ausgestatteten, vom Grazer Kompetenzzentrum BEST koordinierten Projekt will man technologisch auch wirtschaftliche Barrieren überwinden.

Vom Abfall zum Synthesegas: Wiener Pilotanlage vor Start

Im Zentrum des Vorhabens steht die Zwei-Bett-Wirbelschicht-Technologie zur Gaserzeugung. An deren Weiterentwicklung arbeiten das COMET-Kompetenzzentrum BEST (Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH) zusammen mit der Technischen Universität (TU) Wien schon seit geraumer Zeit. Im Rahmen des "Waste2Value"-Forschungsverbundes (auf Deutsch in etwa: "Wertschöpfung aus Abfall") erfolgte kürzlich am Rande der Bundeshauptstadt der Spatenstich für die groß dimensionierte Anlage, an der auch die Wien Energie, die SMS Group, Heinzel Paper, Wiener Linien, Wiener Netze und die Österreichischen Bundesforste beteiligt sind.

Die Technologie beruht grob gesagt auf zwei Reaktoren, die in Verbindung stehen und mit dem Ausgangs- bzw. Brennstoff gefüllt sind. In einem der beiden Reaktoren wird aus beispielsweise Holz-Hackschnitzeln unter Zugabe von Dampf bei hohen Temperaturen das Synthesegas mit hohem Wasserstoff-, Kohlenmonoxid- und Kohlendioxid-Anteil erzeugt. Dieses sogenannte Synthesegas kann in weiterer Folge in umweltfreundlichen Dieseltreibstoff (sogenannter "Fischer-Tropsch(FT)-Kraftstoff"), Kerosin, in für industrielle Anwendungen brauchbare gemischte Alkohole oder auch Wasserstoff und Erdgas weiterverarbeitet werden.

Anlage soll Mitte 2021 in Betrieb gehen

Ein weiterer Teil des Brennstoffes wird im zweiten Kessel verheizt und die so entstehende Wärme wieder in den ersten Behälter geleitet. "Im Grunde genommen ist der Effekt des gesamten Systems so, dass ich eigentlich sehr viele erdenkliche Brennstoffe nehmen kann und daraus das Synthesegas mache, mit dem ich in weitere Prozesse hineingehen kann", sagte BEST-Forscher Markus Luisser im Gespräch mit der APA. Er hofft, dass die Anlage Mitte 2021 in Betrieb gehen kann.

Angesichts der Tatsache, dass große Blockheizkraftwerke, in denen aus Holz Strom und Wärme erzeugt wird, aufgrund geringerer Preise für Elektrizität und Wärme vielfach still stehen, müsse man darüber nachdenken, welche höherwertigen Stoffe auch aus anderen organischen Abfällen gewonnen werden können, so der Forscher: "Unsere neue Anlage kann daher neben Holz auch Klärschlamm und Plastik verarbeiten. Das ist wie ein Verbrennungsmotor, der mit einem komplett anderen Treibstoff fahren kann - also eine Neuentwicklung, die es in dieser Art nicht gibt."

Bei Verwertung fällt auch Phosphor ab

Durch die Umwandlung von Klärschlamm oder Holz in Gas und in weiterer Folge etwa in Diesel ließe sich ab einem gewissen Maßstab der Anlage damit auch Geld verdienen. "Geht man in Richtung erneuerbarer Wasserstoff, wäre das sehr sicher wirtschaftlich", sagte Luisser. Beim Klärschlamm komme noch dazu, dass man für die Entsorgung selbst auch etwas bezahlt bekomme.

Darüber hinaus fällt bei der Verwertung auch Phosphor ab. Dies ist ein wichtiger Bestandteil von Düngemitteln und kann weltweit nur in zwei Abbaugebieten mit nicht unendlicher Kapazität gewonnen werden. Daher ist die Phosphor-Rückgewinnung attraktiv. Die Wissenschafter arbeiten nun an einem Zugang, mit dem auch dieser Bestandteil des Klärschlamms wieder für die Landwirtschaft nutzbar wird.

(APA/Red)

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