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Wiener im Jemen entführt: Noch immer keine Spur von den Geiseln

Es gibt noch immer keine Nachricht von den im Jemen entführten Touristen.
Es gibt noch immer keine Nachricht von den im Jemen entführten Touristen. ©APA
Gemeinsam mit zwei Finnen wurde der 26-jährige Wiener Dominik N. am 21. Dezember im Jemen entführt. Seitdem fehlt von Geiseln und Entführern jede Spur. Medien hatten berichtet, dass es Kontakt zu den Geiselnehmern gäbe - dies wurde jedoch vom Außenministerium dementiert.
Wiener im Jemen entführt
Bereits "erste Spur"
Widersprüchliche Angaben
Spielten Waffen eine Rolle?
Wurden Geiseln verkauft?
Aufenthaltsort der Geiseln bestätigt

“Derzeit gibt es keine gesicherte Information, bisher hat sich niemand zur Entführung bekannt,” erklärte Außenamtssprecher Martin Weiss. Bisherige Zeitungsberichte über eine mögliche baldige Freilassung gingen auf Gerüchte aus der jemenitischen Lokalberichterstattung zurück, und seien deshalb nicht ernst zu nehmen. Man kenne deshalb weder den Aufenthaltsort von Dominik N., noch wisse man, welcher Stamm oder welche Gruppierung dahinter steht.

Schicksal der Geiseln hängt von Entführern ab

Der Jemen-Experte Johann Heiss vom Institut für Sozialanthropologie der Universität Wien meint, das Schicksal der drei Geiseln hänge “jetzt maßgeblich davon ab, ob sie sich in der Gewalt von aufsässigen Stämmen oder von religiöse Fundamentalisten befinden”. Entführungen von ausländischen Staatsbürgern durch Stammesgruppen sind im Jemen keine ungewöhnlichen Ereignisse, in den vergangenen 15 Jahren sind mehr als 200 Menschen davon betroffen gewesen. Meistens werden diese als Druckmittel gegen die Regierung verwendet, um beispielsweise einen Infrastrukturausbau oder die Freilassung von eigenen Stammesmitgliedern zu erwirken. In der Regel kamen die Entführungsopfer am Ende wieder unversehrt frei.

 Religiös motivierter Terrorismus im Jemen

Weitaus gefährlicher ist dagegen der religiös motivierte Terrorismus, der auch im Jemen zunimmt. In Zusammenhang mit US-amerikanischen Drohnenangriffen ist oft auch von Aktivitäten von “Al Qaida in der arabischen Halbinsel” (AQAP) die Rede. In den Jahren 2007 und 2008 kam es zu Anschlägen auf Touristen in den östlichen Provinzen von Hadramaut und Marib. Für Bestürzung sorgte 2009 die Entführung von neun Mitgliedern einer Baptistengruppe, die laut “Spiegel” in der nördlichen Provinz Saada als christliche Missionare unterwegs waren. Die Leichen von zwei deutschen Frauen und einer Südkoreanerin wurden kurze Zeit später gefunden, von den weiteren sechs Entführungsopfern fehlt immer noch jede Spur.

 Keine Verhandlungen mit den Geiselnehmern

Johann Heiss warnt im Zusammenhang mit den jemenitischen Stammesgebieten voreilig von “Al Qaida” zu sprechen, deren Einfluss werde vor allem im Nordjemen oft überschätzt. “Die Regierung erhält leichter Geld vom Westen, wenn sie vom Kampf gegen ‘Al Qaida’ spricht,” sagt Heiss. In den meisten Fällen handle es sich um Auseinandersetzungen mit aufsässigen Stämmen, die Hintergründe seien vorwiegend wirtschaftlicher Natur. Auch die Drohnenangriffe der USA treffen oft lokale Stammesführer und ihre Leibgarden, obwohl sie in keinem Kontakt zur AQAP stehen.

Dass die Verhandlungen über die Freilassung der drei Geiseln momentan still stehen, könne auch am härteren Vorgehen der jemenitischen Regierung bei jüngeren Entführungsfällen liegen. Dabei hatte man Verhandlungsdelegationen der Stämme einfach festgenommen und damit die Herausgabe der Geiseln erzwungen. Die Verhandlungen zwischen Entführern und der Regierung seien deshalb schwieriger geworden. “Es liegt jetzt hauptsächlich in den Händen der österreichischen und finnischen Diplomaten, die drei Geiseln wieder freizubekommen,” sagt Heiss abschließend. (APA)

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