Wiener Hofzuckerbäckerei Gerstner feiert 140 Jahre Catering

Bei Gerstner setzt man auf Handarbeit.
Bei Gerstner setzt man auf Handarbeit. ©APA
Bei der Hofzuckerbäckerei Gerstner bestellte schon das österreichische Kaiserhaus seine Häppchen. Gerstner machte Catering salonfähig und feiert heuer ein ganz besonderes Jubiläum: 1873, vor 140 Jahren, wurde das Unternehmen anlässlich der Weltausstellung von Kaiser Franz Joseph mit der Bewirtung des Gäste beauftragt.
Gerstner steigt ins Hotelgeschäft ein
Leckereien von Gerstner

Dieser Auftrag gilt auch als Geburtsstunde des Caterings in Österreich, erzählte Gerstner-Chef Oliver Braun im APA-Interview. Wobei die kulinarischen Anforderungen einst andere waren: “Es ist sehr viel voluminöser, viel fetthaltiger gekocht worden. Man hat ja auch viel weniger Möglichkeiten gehabt, Dinge haltbar zu machen.” Daher sei viel Kaltes gereicht worden, warme Speisen durften trotzdem nicht fehlen – beispielsweise ein Fleischstück im Ganzen, das man dann beim Gast filetierte und tranchierte.

Trend im Catering: Flying Buffet

Was die heutigen Ansprüche an Cateringunternehmen anbelangt, so hat es in den vergangenen zwei, drei Jahren eine Verschiebung gegeben: nämlich weg vom “gesetzten Buffet” – also der Gast sitzt bei Tisch und holt sich die Speisen vom Buffet – hin zum “Flying Buffet”, so Braun. Dabei stehen die Gäste etwa an der Bar bzw. an Hochtischen und die Speisen werden auf Tellerchen oder in Schälchen vorportioniert an ihnen vorübergetragen.

Wobei, ursprünglich war der Gerstner gar kein Caterer, also Bewirter bei Großanlässen. 1847 gründeten Anton und Barbara Gerstner eine Zuckerbäckerei, die später sogar k. u. k. Hofzuckerbäckerei wurde. Der Einstieg erfolgte erst 1869, als das k. u. k. Hofoperntheater (die heutige Staatsoper) eröffnete und einen Partner suchte, der die gastronomischen Bedürfnisse des Publikums erfüllt. Das habe so gut funktioniert, so Braun, dass das Unternehmen schließlich 1873 mit der Verpflegung der Gäste der Weltausstellung beauftragt wurde.

Kaiserfamilie ließ sich von Gerstner beliefern

Auch die Kaiserfamilie ließ sich Süßes vom Gerstner liefern. “Von Kaiserin Sisi weiß man, dass sie besonders kalorienbewusst war und wenig gegessen hat. Es gibt die kandierten Veilchen, das ist zum Beispiel eine Spezialität, die immer aus unserem Hause von der Kaiserin bezogen wurde. Die haben zugegebenermaßen, weil sie kandiert sind, einen Haufen Kalorien. Aber die sind so klein, wenn man da nur eins oder zwei isst, dürfte das sicherlich noch in den Bereich des Kalorienbewusstseins der Kaiserin gefallen sein”, so Braun. Auch die Hochzeitstorte des späteren Ex-Herrscherpaars Karl und Zita stammte aus dem Hause Gerstner.

Unternehmen gibt es seit 166 Jahren

In den mittlerweile 166 Jahren seit dem Bestehen hat der Betrieb “alle Höhen und Tiefen, die wir in diesem Land und in dieser Stadt mitgemacht haben, analog mitgemacht”. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er in wirtschaftliche Schieflage. Es folgte 1952 die Übernahme durch die Creditanstalt. Braun, ein gelernter Gastronom und Hotelier, stieg im Jahr 2000 ein – eher zufällig: “Ich bin angesprochen worden, ob ich mir den Gerstner im Zuge eines Sanierungskonzeptes näher ansehen möchte.” Der ursprüngliche Plan lautete, nach zwei Jahren das Zepter wieder abzugeben – heute ist er Haupteigentümer.

“Das Unternehmen ist gewinnbringend. Wir haben seit dem Jahr 2001 ausschließlich positive Bilanzen. Wenn es nach mir geht, dann bleibt das auch so”, ist er zufrieden. Zu den “Bestsellern” gehören Maroni-Herzen – davon werden rund 200 Stück pro Tag verkauft – und die in Schokolade getunkten Erdbeeren, von denen jährlich rund 50.000 Stück weggehen.

Handgemachte Leckereien aus Wien

Eine Gerstner’sche Besonderheit: Die Produkte sind handgefertigt. “Natürlich wäre vieles einfacher maschinell zu machen. Aber ich glaube, es ist gerade das Arbeiten mit den Händen, das Bearbeiten von Süßspeisen, etwas – wenn es manuell von der Person mit Seele und Liebe gemacht wird -, was sich im Geschmack und in der Optik widerspiegelt”, ist Braun überzeugt. Die händische Produktion rentiere sich insofern, “dass man den Unterschied schmeckt”. Ob dem wirklich so ist, können Naschkatzen u.a. in der Konditorei in der Kärntner Straße testen. (APA)

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