Wiener Handgranatenmord: Verhandlung am Mittwoch eröffnet

Der Prozess um den Handgranatenmord ist am Mittwoch eröffnet worden.
Der Prozess um den Handgranatenmord ist am Mittwoch eröffnet worden. ©APA (Sujet)
Am Mittwoch ist im Wiener Straflandesgericht unter enormen Interesse der Prozess um den sogenannten "Handgranatenmord" eröffnet worden. Der Prozess ist auf zwei Tage anberaumt.
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Handgranatenmord geklärt

Als Staatsanwalt Leopold Bien die Anklage vortrug, standen zusätzlich Dutzende vorwiegend jugendliche Zuhörer – mutmaßlich Jus-Studenten und Rechtspraktikanten – in den Winkeln des Raumes. Selbst einige Justizwachebeamte mussten sich mit Stehplätzen begnügen.

In dem auf zwei Tage anberaumten Verfahren geht es um einen “Streit im kriminellen Milieu”, der “auf drastische Weise geregelt wurde”, wie der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer erklärte.

Handgranatenmord in Wien: Prozess eröffnet

Der Transportunternehmer Zlatko N. (45) und der zeitweise von ihm als Fahrer beschäftigte Horst Waldemar W. (57) waren in der Nacht auf den 11. Jänner 2014 auf aufsehenerregende Weise in der Odoakergasse in Wien-Ottakring zu Tode befördert worden. Als Tatwerkzeuge wurden eine Handgranate und ein Revolver verwendet.

Als Haupttäter angeklagt ist Kristijan H. (35), der mit den beiden einträgliche Geschäfte mit nach Österreich importiertem Diesel gemacht hatte, der ohne Abfuhr der Mineralölsteuer im Sommer 2013 direkt an Tankstellen verkauft wurde. Innerhalb von lediglich zwei Monaten soll Kristijan H. mit den illegalen Geschäften 120.000 Euro verdient haben. Offiziell war der Mann im Reinigungsgewerbe tätig, er betrieb zwei Firmen. Von 2009 bis 2012 hatte der 35-Jährige außerdem als Berufsschullehrer gearbeitet.

Verweigerte Ausreise als Grund für Mord

Nicht nur Unstimmigkeiten über die Gewinnaufteilung, bei der sich Zlatko N. und Horst Waldemar W. übers Ohr gehauen fühlten, sollen die beiden das Leben gekostet haben. Zwar bedrohten sie laut Anklage Kristijan H. und forderten mehr Geld. Letztlich ausschlaggebend für das Mordkomplott soll jedoch gewesen sein, dass der 57-Jährige gebürtige Deutsche entgegen einer Abmachung nicht das Land verlassen wollte.

Zum Schein war auf den Namen von W. eine Firma gegründet worden, über die im großen Stil der illegale Treibstoff-Import – insgesamt 1,53 Millionen Liter Diesel – abgewickelt wurde. Der “Strohmann” machte jedoch trotz einer entsprechenden Zusicherung keine Anstalten, unterzutauchen und von der Bildfläche zu verschwinden. Kristijan H. soll aufgrund dessen befürchtet haben, dass die illegalen Tricksereien – allein die hinterzogene Mineralölsteuer machte rund 613.000 Euro aus – ans Tageslicht kommen und W. bei einer Befragung durch die Strafverfolgungsbehörden seine Hintermänner preisgeben könnte.

Opfer unter Vorwand nach Wien gelockt

Zlatko N. machte Kristijan H. wiederum zum Vorwurf, seinen Fahrer nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Er entschloss sich gemäß der Anklage, auch den 45-Jährigen zu beseitigen. “Erste Überlegungen, sich auf W. zu beschränken, verwarf er aus Sorge über die möglichen Reaktionen von N. In seinem Kalkül schätzte er die Wahrscheinlichkeit, für die Begehung der Morde zur Verantwortung gezogen zu werden, geringer ein als die Entdeckungswahrscheinlichkeit für die Finanzvergehen”, heißt es dazu in der Anklageschrift.

Darüber hinaus soll der 35-Jährige Zlatko N. wenige Sekunden, bevor er ihn mit drei Schüssen aus einem Revolver der Marke Smith &Wesson, Kaliber .38 Spezial tötete, noch 20.000 Euro abgenommen haben. Er hatte den an sich in Mondsee wohnhaften Unternehmer mit der Vorgabe nach Wien gelockt, diesem ein lukratives Mineralölgeschäft mit einem Serben oder Russen vermitteln zu können. Er gab vor, der 45-Jährige könne um 20.000 Euro an einen Tanklastzug mit 30.000 Liter Diesel gelangen, wobei der Weiterverkauf mindestens 30.000 Euro einbringen werde.

Tödliche Schüsse in Auto abgegeben

Zlatko N. soll daraufhin im Freundes- und Bekanntenkreis Geld zusammengekratzt und sich mit den eingesammelten 20.000 Euro und seinem Fahrer Horst Waldemar W. in die Bundeshauptstadt begeben haben. Am Treffpunkt in der Odoakergasse gingen die beiden in eine tödliche Falle. Kristijan H. stellte ihnen – so der Staatsanwalt – seinen Bekannten Dejan V. (30) unter dem Namen “Eddy” als vermeintlichen Diesel-Verkäufer vor. Nachdem Zlakto N. das Bargeld aus einem Kuvert genommen und übergeben hatte, setzte sich Kristijan H. in dessen Fahrzeug und gab der Anklage zufolge vom Rücksitz aus einen Schuss in den Kopf und zwei in die Brust des 45-Jährigen ab. Dieser war auf der Stelle tot.

Während Dejan V. auf dem Gehsteig die Banknoten zählte, soll Kristijan H. den Revolver auf Horst Waldemar W. gerichtet haben. Die Waffe hatte allerdings Ladehemmung, worauf er laut Staatsanwalt eine Handgranate an sich nahm, den Sicherungssplint herauszog und dem auf dem Beifahrersitz befindlichen 57-Jährigen vor die Füße warf. Bevor es zur Explosion kam, sprang der 35-Jährige gerade noch rechtzeitig aus dem Fahrzeug.

Nach Granatenexplosion: Opfer rief um Hilfe

Die Detonation der Granate hatte keine unmittelbare tödliche Wirkung, obwohl sie W. die linke Hand zur Gänze zerfetzte und Brust-und Bauchhöhle eröffnete. “W. war kurzfristig sogar noch bei Bewusstsein und rief nach Hilfe, ehe er in Ohnmacht fiel”, ist der Anklageschrift zu entnehmen. Der Tod erfolgte erst im Rettungsauto infolge eines Einrisses der Körperhauptschlagader.

Neben Kristijan H. wurde auch Dejan V. zur Anklage gebracht, dem angekreidet wird, an der unmittelbaren Tatausführung in Kenntnis des mörderischen Plans beteiligt gewesen zu sein. Außerdem soll er den Revolver sowie eine Rohrbombe besorgt haben, mit der das Verbrechen ursprünglich hätte ausgeführt werden sollen, wovon Kristijan H. dann allerdings nach Recherchen im Internet Abstand nahm, weil er befürchtete, die Explosion könnte Unbeteiligte verletzen.

Prozess für zwei Tage anberaumt

Mitangeklagt ist auch die ältere Schwester des mutmaßlichen Haupttäters, der sich im Ermittlungsverfahren im Unterschied zu den beiden Mitangeklagten grundsätzlich geständig gezeigt hat. Die 43-jährige Renata H. soll in die blutigen Pläne zur Gänze eingeweiht gewesen sein, für Dejan V. ein Hotelzimmer angemietet, ihre eigene Wohnung als Lager für diverse zur Durchführung der Bluttat angeschaffte Utensilien zur Verfügung sowie ihren Bruder und dessen Helfer zum Tatort chauffiert und von dort wieder weggebracht haben.

(APA/Red)

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