Wiener Augarten-Projekt: Grüne Kritik

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Die Grünen üben erneut Kritik an der geplanten Konzerthalle der Sängerknaben am Wiener Augarten-Spitz: Durch günstige Vertragsbedingungen nehme der Bund, Eigentümer des betroffenen Areals, wirtschaftliche Verluste in Kauf, sagte Wolfgang Zinggl.

“Das sind versteckte Kultursubventionen”, so der Vorwurf des Abgeordneten.

“Die Einnahmen für die Bundesverwaltung betragen 10.000 Euro Mietzins über eine Vertragsdauer von 67 Jahren”, zitierte Zinggl aus einem mit 28. April datierten Antwortschreiben von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V), das sich auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage der Grünen bezieht. Das Wirtschaftsministerium hatte Mitte Dezember den Sängerknaben grünes Licht gegeben, einen eigenen Aufführungssaal, den sogenannten Konzertkristall, in das Areal des bundeseigenen Augartens zu bauen. Das Filmarchiv und die Viennale, die sich mit einem geplanten Filmkulturzentrum ebenfalls für den Standort beworben hatten, gingen leer aus.

Angesichts der guten Lage und der Standortgröße von 12.000 Quadratmetern werde hier öffentlicher Raum geradezu verschenkt, so der Kultursprecher. Wirtschaftspolitische Vorteile, mit denen Bartenstein den Entscheid stets argumentiert habe, ließen sich daraus nicht erkennen. Im Gegenteil: Nach Expertenmeinungen wäre hier ein Jahresbetrag von bis zu 400.000 Euro angemessen. “Aufgerechnet auf die gesamte Vertragslaufzeit entgehen dem Staat damit rund 20 Mio. Euro an potenzieller Miete”, klagte Zinggl.

Kritik kam auch von Sabine Gretner, Planungssprecherin der Wiener Grünen: “Wenn es schon so günstige Konditionen gibt, hätte man wenigstens die öffentliche Zugänglichkeit der verbleibenden Freiflächen in den Vertrag schreiben können.” Dass diese jetzt den Sängerknaben obliege – wie ebenfalls aus einer parlamentarischen Anfrage hervorgehe -, entspreche einer “Niederlage der öffentlichen Hand”.

Die Grünen wiederholten zudem ihre Kritik, dass die Entscheidung zugunsten der Sängerknaben vor Abschluss des Leitbildprozesses gefallen sei. Grundsätzlich sprachen sie sich für die öffentliche Nutzung und Besuchbarkeit des Augarten-Spitzes aus. Sowohl der Sängerknaben-Bau als auch das Filmzentrum könnten auch woanders realisiert werden. Ein möglicher Stopp des Projekts könnte etwa noch durch einen Negativbescheid des Denkmalamtes erreicht werden, hieß es.

Einen solchen ablehnenden Bescheid erwartet indes die “Initiative Denkmalschutz”. Laut einer Aussendung des Vereins sei der “erforderliche Ausschließlichkeitsnachweis am Standort Augarten-Spitz kaum zu erbringen”. Um ein positives Urteil des Denkmalamtes zu erreichen, müssen die Sängerknaben den Beweis erbringen, ihr Projekt ausschließlich am betroffenen Areal realisieren zu können.

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