Wien-Premiere für Doku wider die Wegwerfgesellschaft: Taste The Waste

Die Doku "Taste The Waste" kritisiert unseren verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln
Die Doku "Taste The Waste" kritisiert unseren verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln ©Bilderbox
"Taste The Waste", die neue sozialkritische Doku des deutschen Filmemachers Valentin Thun, feierte am Montagabend Wien-Premiere. Thun zeigt darin eindringlich, wie verschwenderisch  in der westlichen Welt mit Lebensmitteln umgegangen wird - und ruft zum Umdenken auf.

Dumpster Diving oder zu deutsch “Mülltauchen” ist ein Phänomen, das in den letzten Monaten für Aufsehen gesorgt hat. Dass Menschen vielfach in Mülleimern Essbares finden können, das andere wegwerfen, ist ein guter Beweis dafür, dass in unseren Breitengraden genießbare Lebensmittel in rauhen Mengen weggeworden werden. “Taste The Waste”, die Doku des Regisseurs Valentin Thurn, setzt genau bei dieser Problematik der “Entfremdung von den Lebensmitteln” an und hält der Wegwerfgesellschaft einen Spiegel vor.

Zwei Wiener Mülltaucher stehen am Anfang des deutschen Dokumentarfilms “Taste The Waste”, der sich die Lebensmittelvernichtung zum Thema gemacht hat. Muten die beiden nach weggeworfenen Essen suchenden “Freeganer” am Start von Valentin Thurns Dokumentarfilm vielleicht auch etwas seltsam an, die wahren Absurditäten warten auf den Zuschauer noch. Er habe “den Film gemacht, um eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen”, nannte der deutsche Autor und Filmemacher sein Motiv bei der auf die Wien-Premiere seines Streifens folgenden Podiumsdiskussion, die gestern, Montagabend in den Village Cinemas im 3. Bezirk über die Bühne ging. Er zeigt eine Welt, in der der Kühlschrank “zum Vorzimmer des Abfalleimers” mutiert ist, wie einer der Protagonisten der Doku bemerkt.

Lebensmittelverschwendung – ein internationales Problem

“Taste The Waste” ist dabei ein internationaler Streifzug in Sachen Wegwerfgesellschaft, zeigt aber auch Alternativen zu dieser. Die Doku führte den bisher vor allem für TV-Produktionen tätigen Regisseur nicht nur nach Österreich, sondern unter anderem noch nach Frankreich, Kamerun, Japan oder die USA. “Dokumentarfilm hat ja mit Realität zu tun”, nannte der gebürtige Stuttgarter seinen Ansatz, der dazu führte, dass sein Werk vor allem Fakten vermittelt, ohne dabei einem wie auch immer gearteten künstlerischen Anspruch genügen zu wollen. Das Bild ist dabei vor allem Mittel zum Zweck und unterstreicht das Gesagte seiner Interviewpartner einfach noch einmal, ohne visuell eine neue Ebene ins Spiel zu bringen. Da gibt es nicht nur inhaltlich gewisse Ähnlichkeiten zu Erwin Wagenhofers erfolgreicher Doku “We feed the world” aus dem Jahr 2005.

Das Gesagte wirkt aber durchaus für sich alleine, wenn da zum Beispiel der deutsche Kartoffelbauer davon spricht, dass er bereits zwischen 40 und 50 Prozent seiner Ernte am Feld liegen lassen muss, weil die Handelsunternehmen auf visuell perfekte Erdäpfel bestehen. Oder wenn französische Supermarkt-Angestellte verlegen lächelnd erklären, warum sie Lebensmittel bereits sechs Tage vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums auf den Müll verfrachten. Dann gelingt es dem Film durchaus, die von ihm selbst wahrgenommene Perversität dieses Tuns zu vermitteln. Im Grunde ist “Taste The Waste” aber ein TV-Film im Kinoformat, dem mit “Frisch auf den Müll” auch eine Fernsehdokumentation voranging.

Bilder, die nachdenklich stimmen

Es gibt aber durchaus ein paar Momente im Film, wo die Bilder für sich sprechen und nur von Musik kommentiert werden. Etwa, wenn eine Ladung optisch noch äußerst frisch anmutender Fische und Meeresfrüchte einfach weggekippt wird. “Wir haben versucht an zwei oder drei Stellen, wo uns das Gesehene so unerträglich erschien, das zu durchbrechen”, erklärte Thurn. Sein künstlerisches Prinzip sei es da gewesen, “aus der Realität rauszugehen”. Dem Regisseur erschien “dieser Fischberg vor dem Hintergrund, dass die Weltmeere leergefischt werden” hier der Anlass dazu.

“Taste The Waste” ist nicht eine anklagende Dokumentation alleine, sondern will Wege aus dem präsentierten Nahrungsmittel-Dilemma zeigen. So sieht man einen deutschen Bäcker, der seinen Brotausschuss verwendet, um damit neues zu backen, oder einen Hamburger Biogas-Erzeuger, der sein Tun mit “wenn sich die Bakterien wohlfühlen, freut sich der Anlagebetreiber” kommentiert. Übrigens einer der wenigen lockeren Momente einer Doku, die einen teilweise mit Information überfrachtet. Inklusive Textinserts, die etwas hilflos zurücklassen, wenn man etwa lesen kann, dass mit dem Weggeworfenen aus Europa und Nordeuropa die Dritte Welt dreimal satt werden würde. Doch seinem erzieherischen Anspruch, den Zuseher auch als Konsumenten anzusprechen, wird “Taste The Waste” letztendlich durchaus gerecht – und erreicht damit eindeutig das Ziel, beim Zuseher einen Denkprozess anzuregen.

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