Wien Museum: Ist Standort am Hauptbahnhof überhaupt noch möglich?

Noch immer wurde nicht über die Standortfrage entschieden.
Noch immer wurde nicht über die Standortfrage entschieden. ©APA
Für einen Standort am Hauptbahnhof ist der Zug für das Wien Museum bald abgefahren. Seit drei Jahren wird nun bereits überlegt, geprüft, abgewogen, ohne dass es eine Entscheidung gibt. Mittlerweile könnte es bereits zu spät sein.
Wien Museum hat sich neu positioniert
Musical-Halle am Hauptbahnhof
Standortfrage nicht geklärt
Debatte seit 2011

Im Raum stehen weiterhin die Renovierung und ein Zubau am Karlsplatz oder der Bau eines gänzlich neuen Ausstellungshauses am Hauptbahnhof. Für letztere Variante wird es nun aber offenbar eng. Denn seitens der Erste Bank, die das entsprechende Baufeld nebst dem Verkehrsknotenpunkt entwickelt, ist man inzwischen – gelinde gesagt – ungeduldig. Sollte es in den kommenden Tagen oder spätestens Wochen keine Entscheidung der Stadt geben, werde man andere Pläne verfolgen, heißt es.

Deadline für das Wien Museum

“Unsere Pläne gehen nun in andere Richtungen. Wir müssen nächste Schritte setzen und die Deadline für die Stadt und die Option Wien Museum ist überschritten”, wird Erste-Bank-Sprecher Michael Mauritz in der Tageszeitung “Die Presse” (Freitagsausgabe) zitiert. Auf APA-Nachfrage bestätigte der Konzernsprecher, dass man “nicht ewig” warten könne und wirtschaftliche Entscheidungen treffen müsse. Wichtiger Nachsatz: Die Möglichkeit für den Museumsbau gebe es schon noch – aber nur dann, wenn in den nächsten Tagen oder spätestens Wochen “ein Signal kommt”.

Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zeigte man sich nicht sonderlich auskunftsfreudig. Nur so viel: Beide Optionen seien nach wie vor aufrecht und es gebe unverändert eine kulturelle Widmung am Hauptbahnhof. “Eine Entscheidung wird in den nächsten Wochen fallen”, versicherte eine Sprecherin. Fühlt man sich von der Erste Bank unter Druck gesetzt? “Wir sind laufend im Gespräch”, hieß es dazu.

Direktor: “Zukunft liegt am Karlsplatz”

Museumsdirektor Wolfgang Kos, stets Verfechter der Ausbauvariante, freute sich im APA-Gespräch, dass nun “offenbar klar ist, dass unsere Zukunft am Karlsplatz liegt”. Er rechne mit einer endgültigen Entscheidung “für das vierte Quartal 2013”, so sei es schließlich angekündigt worden.

Kos bekräftigte erneut die Vorteile des Standorts gegenüber dem Hauptbahnhof: zentrale Lage, bessere Verkehrsanbindung, höheres Besucherpotenzial und ein wichtiger Impuls für den gesamten Kunstplatz Karlsplatz. Außerdem sei stets das Ziel gewesen, maximalen Erfolg für das Wien Museum zu erzielen und herausragende Architektur zu bauen, was durch die Renovierung des Haerdtl-Baus in Kombination mit einem Erweiterungsbau optimal möglich wäre. Denn am Bahnhofsareal müsste ein Neubau angesichts der dortigen Hochhäuser schon “gigantisch sein, um als Landmark erkennbar zu sein”.

Frage zum Standort noch nicht geklärt

Die Standortentscheidung war in der Vergangenheit mehrmals verschoben worden. Der Hintergrund: Museumsdirektor Kos beharrt seit jeher auf dem Standort Karlsplatz und weiß damit auch einige Player in der SPÖ sowie den grünen Kultursprecher Klaus Werner-Lobo hinter sich. Mailath-Pokorny wird indes eine Präferenz für den Hauptbahnhof nachgesagt. Schließlich versuchte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) Klarheit in die Standortfrage zu bringen und bestellte eine Projektleiterin. Eine Entscheidung werde es nicht mehr vor der Nationalratswahl geben, ergänzte er später.

Musical-Halle am Hauptbahnhof geplant

Sollte sich die Stadt letztlich tatsächlich für den Karlsplatz entscheiden, müsste das Hauptbahnhofareal trotzdem nicht unbedingt kulturfreie Zone bleiben. Denn Wien prüft derzeit den Bau einer Musical-Halle gemeinsam mit den Vereinigten Bühnen Wien und privaten Partnern. Als eventueller Standort – vorausgesetzt, das Projekt wird jemals realisiert – wurde auch der Hauptbahnhof genannt. Im Übrigen spricht sich auch Kos für eine kulturelle Belebung des Bahnhofsareals aus – etwa durch die erwähnte Musical-Halle, ein Verkehrsmuseum oder ein Haus für moderne Kunst. Letzteres dürfe allerdings keine “Verdoppelung des 21er-Hauses” sein, sondern sollte eine “Spitzensammlung” beherbergen. (APA)

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